AW: Kinder von heute
Das ist ja ganz schön pauschal- ist aber auch nicht persönlich gemeint, pardon- viele denken so"die gute alte Zeit". Es sind meines Erachtens 2 Dinge NICHT "in die Hose gegangen": Die Freiheit der Selbstverwirklichung und die Multi-Kulti Gesellschaft. Das sind 2 Erfolgsmodelle für mich. Welche Werte hat meine Generation (immer 68er genannt) denn über Bord geworfen? Den aus der Nazizeit übernommen Härtebegriff vom "anständigen Deutschen" ,die Hörigkeit gegenüber jeglicher Obrigkeit, die Angst. Wir hatten vor unseren Lehrern Angst, nichts weiter, heute haben die Schüler viel öfter(nicht immer) Respekt, weil ich Respekt vor ihnen habe. Die Migranten und ihre Kultur bereichern unser Wertesystem erheblich, wo soll da was versagt haben. Die Integrationsbemühungen der letzten 30 Jahre waren ein Misserfolg, weil Deutschland zu wenig auf die Türken eingegangen ist. Und die Hauptschüler vor 40 Jahren konnten zB kein Englisch, und rechnen und schreiben können sie heute auch, dazu können sie mit Computern umgehen , sei doch nicht so pessimistisch!!! popcorn
Leider komme ich erst jetzt zum antworten. So ein paar Tage ohne Computer sind sehr schön. Ich kann es nur jedem empfehlen.
Du hast natürlich Recht, wir müssen nicht einer Meinung sein. Daher möchte ich Dir auch bezüglich der zwei genannten "Erfolgsmodelle" widersprechen.
Die Multi-Kulti Gesellschaft ist ganz klar gescheitert. Nun gut, wir leben natürlich heute in einem Land mit einer deutlich größeren kulturellen Vielfalt aber ist es denn wirklich eine Gesellschaft, in dem sich die Kulturen in einem ständigen Austausch stehen und sich gegenseitig bereichern? Ich denke nicht. Insbesondere in Ballungsräumen handelt es sich doch wohl eher um ein Nebeneinander, als um ein Miteinander. Stereotypes Beispiel sind die 50jährigen Türkinenn, die seit 30 Jahren hier leben und kein Deutsch sprechen. Darüber hinaus gibt es aber natürlich noch viele andere Beispiele. Multikultur hört normalerweise am Kochtopf auf und eigentlich kann es den Menschen auch niemand verübeln. Warum es soweit gekommen ist? Das sollte wohl gesondert besprochen werden ...
Tja, und dann die ewige Werte Diskussion. Das Argument "Nazi-Werte" wird dabei natürlich immer wieder genannt, obwohl es natürlich völlig falsch ist.
Ihr seit die Kinder einer konservativen Generation, ganz ohne Zweifel. Aber das was von euch als innovative Ideen eurer Generation gepriesen wird - von der sozialistisch-solidarischen Gesellschaft, über die Freikörperkultur, Vegetarismus, Antikapitalismus usw. - das waren doch damals schon alles alte Hüte. Das sind doch zum großen Teil die Ideen der Generationen vor euch - unterdrückt und unterbrochen durch die Nazis aber eben schon lange vorhanden. Die Form der Umsetzung, die rücksichtslose Radikalität, die Verachtung aller Ideen und Ideale, die nicht in euer politisches Bild passten, dass ist der Unterschied zu den Vorkriegsgenerationen.
Ihr seit die erste Generation, die im Wohlstand aufgewachsen ist. Ihr seit auch die vorläufig letzte Generation, die im Wohlstand alt werden wird.
Eure Hinterlassenschaft ist die heutige Gesellschaft, die ganz wesentlich von euch geprägt und geschaffen wurde. Viele haben sich mit entwickelt und haben nicht wenig von dieser neuen Gesellschaft profitiert.
Gefällt dir etwa das Ergebnis?
Um beim Beispiel Schule zu bleiben ... natürlich waren die Lehrer damals strenger. Aber fragt man die Schüler, bei welchen Lehrer sie am besten lernen können, kommt immer die gleiche Antwort: "Streng aber gerecht".
Oder nimm die Idee der Gesamtschulen - gescheitert. Das Ergebnis sind fabrikartige Massenschulen mit niedrigem Niveau. Ein entwerteter Hauptschulabschluss und das Abitur für Schüler die ganz offensichtlich nicht hochschultauglich sind.
Da lob ich mir das bayrische System von fördern UND fordern.
Was den Respekt angeht ... Respekt bekommt man nicht, weil man ihn gibt ... Natürlich muss ein guter Lehrer auch Respekt gegenüber den Kindern zeigen aber ... Respekt verdient man sich. Im Falle des Lehrers durch die richtige Mischung aus Menschlichkeit, Strenge und Vorbildlichkeit.
Ich fürchte, wir werden wirklich auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. :wink: