lieber Zerd

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Majnomon

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Ein Gleichniss, das sich auf vielerlei Weise deuten lässt... an dieser Stelle würde ich den Skorpion als Repräsentanz eines hierarchisch-bürokratischen Staatswesen ansehen, auf das man hinsichtlich echter Humanität nicht setzen sollte:


Ein Skorpion wollte einen Fluss überqueren. Da traf er am Ufer einen Frosch und bat diesen: „Lieber Frosch, nimm mich bitte auf deinem Rücken mit zum anderen Ufer!"

„Ich bin doch nicht lebensmüde. Wenn wir dann auf dem Wasser sind und du mich stichst, dann muss ich sterben“, entgegnete ihm der Frosch.


„Wie könnt ich dich stechen, dann gehen wir ja beide unter und müssen beide sterben“, antwortete der Skorpion.

Der Frosch überlegte und sagte: „Ja, da hast du wohl recht. Steig auf meinen Rücken.“

Kaum sind sie einige Meter geschwommen, spürte der Frosch einen stechenden Schmerz und er schrie: „Jetzt hast du mich doch gestochen. Wir müssen beide sterben!“

Der Skorpion: „Ja, tut mir leid. Aber ich bin ein Skorpion und Skorpione stechen nun mal!“

(aus dem Sufismus)
 
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Zerd

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Diese Geschichte hat mich auch schon häufiger beschäftigt, man trifft sie auch recht häufig an. Einmal ist sie mir sogar in Star-Trek Voyager über den Weg gelaufen in einer Doppelfolge, die sogar auch Skorpion hiess.

Die Geschichte hat sehr viele Facetten, beschäftigt man sich eingehender damit: Freiheit und Determiniertheit, Mensch und Tier, Wahrheit und Lüge usw.

Ich finde, die tragische Figur darin ist der Skorpion, denn er stirbt einen unvermeidlichen Tod, während der Frosch die Wahl hatte und auf seinem gewählten Weg zugrunde geht.
 
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Hanni Heini

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Ich finde, die tragische Figur darin ist der Skorpion, denn er stirbt einen unvermeidlichen Tod, während der Frosch die Wahl hatte und auf seinem gewählten Weg zugrunde geht.
Schade das wir schon auf dem Wasser sind, obwohl wir die Wahl hatten....und sehenden Auges mit dem Skorpion in den Untergang blicken..
Die Frage, die sich mir stellt ist: Ist es noch umwendbar?
 

Majnomon

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Ich finde, die tragische Figur darin ist der Skorpion, denn er stirbt einen unvermeidlichen Tod, während der Frosch die Wahl hatte und auf seinem gewählten Weg zugrunde geht.

Mal wieder: trau schau wem... andererseits kann der Tod der beiden Tiere auch als diesseitiges "Stirb und Werde" gedeutet werden, mit Meister (Skorpion) und Schüler (Frosch)...
 

Zerd

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Die Frage, die sich mir stellt ist: Ist es noch umwendbar?

Eindeutig ja, denn schlimmer gehts immer und Wunder gibt es auch immer wieder. Nietzsche hat ja gezeigt, dass selbst die unserer Intuition am meisten widerstrebende Vorstellung, nämlich dass nichts sich wirklich ändert, sondern immer Gleiches sich ewig wiederholt, gedacht und damit auch gelebt werden kann.

Wir müssen uns eben nur immer im Klaren darüber sein, dass es auf die eine oder andere Weise immer unsere Entscheidung ist, und zwar die gewollten wie die ungewollten Ereignisse, auf die eine oder andere Weise hängen sie immer mit Entscheidungen zusammen, die wir irgendwann einmal getroffen haben. Wenn wir uns dessen bewusst sind, dann lässt sich auch alles und jederzeit um- oder abwenden, zumindest, solange wir leben und klar denken.

Im Umkehrschluss bedeutet das auch, sobald wir unser Schicksal aus der Hand geben und zu Vorstellungen neigen, dass alles doch im Grunde schon vorbestimmt sei und ohnehin passieren werde, wir uns somit auch dem Leben entfremden.

andererseits kann der Tod der beiden Tiere auch als diesseitiges "Stirb und Werde" gedeutet werden, mit Meister (Skorpion) und Schüler (Frosch)...

Aber klar doch. Sieh Dir doch unsere Kunst- und Kulturgeschichte an. Beständigkeit haben letztendlich doch nur diejenigen Aussagen und Werke erlangt, bei denen es am besten gelang, sie immer wieder neu und anders zu deuten. "Carthago delendam esse", schon 2000 Jahre erinnern wir uns an diesen Spruch und noch immer ist unklar, ob nicht Hannibal letztendlich doch über die Römer triumphiert hat, auf die eine oder andere Weise...
 

Zerd

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Zerd

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Es ist ja gut, dass überhaupt darüber geredet und geschrieben wird:

Gesellschaft: Nichts ist mehr sicher, wursteln wir uns durch
Eine Kolumne von Henrik Müller

Flüchtlingskrise, Wirtschaftskrisen, Terror, technologische Revolutionen - die Welt ist in Bewegung, Vorhersagen sind schwierig geworden. Die Folge: Das Leben wird immer weniger planbar und wir müssen das Improvisieren lernen.

Weiterlesen

Oder:

Die Polarisierung der Welt: Wir hassen einander, weil nichts bleibt, wie es ist
Eine Kolumne von Sibylle Berg

Ein trauriges Zeitalter: Menschen gehen mit Mistgabeln aufeinander los, während das, wofür sie angeblich kämpfen, schon geraume Zeit nicht mehr existiert.

Weiterlesen

Aber so eine richtige Vorstellung davon, womit dieser ganze Schlammassel möglicherweise zusammenhängen könnte und wohin die Reise führen könnte, scheinen die Autoren ja auch nicht zu haben. Im Gegenteil, der gute Herr Müller spricht wieder einmal von Improvisieren, als ob das ständige Improvisieren, Erneuern, Sich-selbst-neu-erfinden, Immer-weiter-optimieren nicht selbst schon Teil des Problems wäre. Und auch die gute Frau Berg beklagt sich im wesentlichen darüber, dass Menschen sich mehr Kontinuität wünschen und sich einfach nicht daran gewöhnen wollen, dass der Hype von gestern heute nur noch Gähnen hervorruft. Geflissentlich werden natürlich wieder auch alle Themen vermieden, die diesem Fortschrittswahn schon natürliche Grenzen auferlegen, etwa die ganze Problematik um das Bevölkerungswachstum, Verteilungsproblematik, ethische Visionen usw.

Wir haben in der Neuzeit ein mächtiges Werkzeug entdeckt, das wir seitdem für alles mögliche verwendet haben und so in fast allen Lebensbereichen für einen immens beschleunigten Fortschritt gesorgt haben. Und etwa seit hundert Jahren (ich persönlich würde da Nietzsche an den Anfang dieser Phase setzen) kommen wir so langsam ganz allmählich dahinter, dass dieses Werkzeug eigentlich wie jedes andere mächtige Werkzeug ist, dass es sowohl dazu verwendet werden kann, etwas zu bauen, zu schaffen, zu vereinfachen, zu lösen, als auch dazu verwendet werden kann, zu zerstören, Unheil zu stiften, zu vernichten.

Die Rede ist von unserem Gehirn und seiner Vernunft und auch der Schwarmintelligenz, die sie in einem freien demokratischen Umfeld hervorbringt. Sie hat wirklich mächtiges und großes geleistet in den vergangenen 250 Jahren, aber so richtig mit ihr umzugehen haben wir bis heute nicht gelernt, zumindest nicht im Großen und Ganzen. So ist zwar fast alles, was wir heute tun und lassen, "irgendwie" gut begründet, aber dennoch ist darunter mindestens ebenso viel destruktives wie konstruktives dabei, ebenso lebensfeindliches wie menschliches, ebenso kurzsichtiges wie beständiges.

Uns fehlen ganz offensichtlich die Kriterien und Maßstäbe dazu, man könnte sie auch Kategorien nennen, diese verschiedenen Ausprägungen unseres Denkens und Handelns auseinanderzuhalten und zu differenzieren. Lange Zeit herrschte die Illusion (und sie bestimmt auch heute noch weit gehend den Diskurs, siehe die obigen Beiträge), dass es unsere Vernunft mit der Zeit, und sei es durch Versuch und Irrtum, schon richten wird, dass unser Werkzeug also zumindest mittelfristig unfehlbar sei. Dabei ist es eben nicht so, was in den vergangenen 100 Jahren schon häufig unglaublich grausame Folgen zeitigte und das auch heute noch in geringerem Umfang tagtäglich tut.

Einem Werkzeug, und sei es auch die menschliche Intelligenz, sind keine Wertmaßstäbe wie gut und böse, lebensfeindlich oder menschlich, kurzsichtig oder nachhaltig inhärent bekannt. Dazu wäre nur der Nutzer dieses Werkzeuges, also der Mensch selbst fähig. Wir haben aber eben die vertrackte Situation, dass dieser Mensch selbst sich fast ausschließlich an diesem Werkzeug orientiert, sein Denken und Handeln von ihm also bestimmt wird, statt dass er selbst darüber bestimmt unter Zuhilfenahme eben seiner Wertmaßstäbe, die genauso unter die Knute dieses Werkzeugs gestellt wurden wie alles andere auch.

Das wäre meiner Ansicht nach ein Punkt, an dem man ansetzen müsste hin zu einer Lösung, hin zu einer etwas besseren, weil menschlicheren und nachhaltigeren Welt. Wie überwinde ich diese Eigendynamik, die durch die Rationalisierung aller Lebensbereiche entstanden ist und sich nun immer wieder selbst anfeuert. Wie schwierig und verzwickt das Thema ist, sieht man allein schon daran, dass diese Gedankengänge selbst ja auch schon eine Rationalisierung darstellen. Wie kann ich den möglichen Wert einer solchen Rationalisierung unterscheiden von bspw. dem möglichen Unwert einer Rationalisierung, die nur auf die nächsten Quartalszahlen fixiert ist?

Unser Werkzeug selbst kann darauf keine eindeutige Antwort geben, das sollte uns endlich klar werden. Es ist eine Präferenz zu treffen, eine ganz bewusste Wahl, und für diese dürfen nicht die rationalen Argumente den Ausschlag geben, sondern etwas anderes in uns, mit dem wir zukünftig dieses Werkzeug kontrollieren und anwenden wollen.
 
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Zerd

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Wie auf Bestellung der nächste passende Artikel, der sich wunderbar in diesem Zusammenhang diskutieren ließe...
 

Hanni Heini

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20 März 2015
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Oh mein Gott! Holzauge sei wachsam....

Jetzt nimmt es konkrete Formen an, die Menschheit komplett zu überwachen und zu steuern.
Wann hören die Menschen endlich auf, das Geld anzubeten?
Bis jetzt mußte man vorsichtig sein, welche Impfen man sich geben lässt, demnächst muß ich wahrscheinlich aufpassen welche Zahnpasta ich benutze ("Nanopartikel").
Die Verbrecher der Pharmaindustrie haben uns schon verlernt wie die Natur uns heilen kann und uns entmündigt damit wir unserem Körper gar nicht mehr zutrauen sich selbst zu heilen. Sie verbreitet/erfindet Krankheiten von denen sie schon das passende Medikament in der Schublade hat und wenn der richtige Zeitpunkt da ist (wahrscheinlich wird schon vorher ausgerechnet, wieviel Menschen zunächst sterben müssen, damit das Medikament ein voller wirtschaftlicher Erfolg wird)
Die moderne Medizin hat bestimmt viele super Dinge hervorgebracht und auch viele Menschenleben gerettet. Es gibt aber diesen abartigen Zweig, der nicht davor zurückschreckt, Menschen als Versuchskaninchen zu benutzen, ja sogar die Menschheit und die Bevölkerungszahl kontrollieren zu wollen...