Meine persönliche Geschichte. Achtung! Kein Happy End

Sera_Luciva

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AW: Meine persönliche Geschichte. Achtung! Kein Happy End

So, und weiter gehts, ab Januar 2005.
Ich versuche, mich so kurz, wie möglich zu fassen, mal sehen, obs mir gelingt :mrgreen:
 

Sera_Luciva

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Wir trafen uns auch weiterhin 1-2 Mal die Woche in der Stadt und dann eben noch an den Wochenenden. Am 15. 1. 2005, es war ein Samstag, kam er nachmittags mit der S-Bahn zu mir. Wir verbrachten einen wunderschönen Nachmittag zusammen und fuhren dann am Abend mit der S-Bahn in seinen Ort. Auf dem Weg zur Bahn (wir wurden von unserem Kellner dort hin gefahren), sagte er, er hätte zwei Überraschungen für mich in seinem Handy, wovon ich aber wohl nur eine finden würde. Ich hab mich gleich daran gemacht, sie zu suchen und eine war eine Animation von verschiedenen Bildern von mir, mit Rosen dazwischen. Ich war ganz hin und weg, wollte aber die zweite Überraschung auch noch finden. Leider behielt er Recht, denn ich konnte sie nicht finden.

Als wir dann in der S-Bahn waren, klingelte sein Handy und seine Mutter war dran. Er hatte ein aufklappbares Handy, das außen noch ein kleines Display hatte und da sah ich es dann, die zweite Überraschung. Wenn es geschlossen war, standen in dem Display ja Uhrzeit und Datum. Aber wenn es aufgeklappt war, stand da zu lesen -=Luv ya Baby=-. Mir blieb tatsächlich der Mund offen stehen, ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Als er aufhörte, zu telefonieren, sah er mich erst mal ganz verdutzt an. Ich riss ihm das Handy aus der Hand, klappte es auf, zeigte auf das Display und meinte „Ist das dein Ernst?“ Er sah mir ganz tief in die Augen und sagte „Ja, mein voller Ernst.“ Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaub, ich hab einen Freudenschrei losgelassen, ihm gesagt „Ich dich auch“, ihn umarmt, geküsst und war einfach hin und weg.

Als wir bei ihm zu Hause ankamen, musste ich erst mal draußen warten, seine Eltern durften ja nichts von mir wissen. Es war mitten in der Nacht in einer sagen wir mal nicht ganz ungefährlichen Gegend und es hat ne kleine Ewigkeit gedauert, weil er sich erst mal mit seinen Eltern ums Auto streiten musste. Aber er hatte es geschafft und wir fuhren in die Bar, in der schon viele Leute auf ihn/uns warteten.

Einen Monat später war dann schon Valentinstag. Ich hatte irgendwann mal ganz beiläufig erwähnt, dass ich auch gerne ein türkisches Auge hätte und sein Geschenk an mich war tatsächlich eine wunderschöne Kette mit einem Anhänger in Form eines türkischen Auges. Der Tag an sich hätte verrückter nicht sein können, wir gaben uns unsere Geschenke im Auto, auf dem Parkplatz der Metro, weil mein Vater fürs Geschäft noch was einkaufen musste, aber das hat keinen von uns gestört, wir waren sehr glücklich.

An seinem Geburtstag, 2 Wochen später, lernte ich dann auch seine beste Freundin und ihren Freund kennen und hab mich wirklich sehr gut mit ihnen verstanden. Sie kam gleich auf uns zu und meinte „Da ist sie ja! Schön, dass du dein Baby endlich mitgebracht hast!“ Und zu mir sagte sie „Ich bin echt froh, dich endlich kennen zu lernen, er redet ja schon so lang von dir, dass er endlich seine Seelenverwandte kennen gelernt hätte, usw.“ Das hat mir sehr viel bedeutet. Immerhin war sie seine beste Freundin und er hat wohl auch schon über mich gesprochen, bevor wir zusammen gekommen sind.
 

Sera_Luciva

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Ein Mal hat er dann nach dem Sylvester-Wochenende noch mal bei mir übernachtet, aber das war ziemlich am Anfang und blieb dann auch das letzte Mal, da er sehr viel Ärger bekommen hatte. Er war zwar zu diesem Zeitpunkt schon 20, aber übernachten durfte er nirgends. Eine Freundin war eigentlich auch tabu. Und ich war die erste, de so weit weg wohnte. Die anderen waren mit dem Zug erreichbar, aber die Bahn zu mir dauerte eineinhalb Stunden, war sehr teuer und da ich auch noch in einem sehr kleinen Kaff wohnte, waren es noch mal 12 km von mir bis zur nächsten Bahn. Nur leider kein Bus, der fuhr.

Also war es immer so, dass er mit dem Auto seiner Eltern zu mir fuhr, damit er länger bleiben konnte. Wir verbrachten jedes Mal einen wunderschönen Abend. Er blieb meistens, bis ich eingeschlafen war, sah mir eine Weile beim Schlafen zu, streichelte mich, und fuhr dann irgendwann, mitten in der Nacht. Manchmal ist er auch neben mir eingeschlafen und dann erst sehr spät gefahren. Und oft kam es vor, dass ich aufgewacht bin, als er gefahren ist. Dann ging ich zum Fenster, sah ihn wegfahren und hab geweint. Erstens natürlich, weil er weg war, aber ich hatte auch große Angst um ihn. Dass er Ärger von seinen Eltern bekommt. Dass sie es merken. Dass wir auffliegen. Dass er einen Unfall baut, das war meine größte Angst. Er fährt ja gut Auto, sehr gut sogar, aber wenn er alleine unterwegs ist, ist er noch schneller unterwegs, als ohnehin schon. Da waren über 200 auf der Autobahn keine Seltenheit. Und er war ja immer müde, wenn er nach Hause fuhr.

Aber trotz allem waren wir die ersten 6-7 Monate sehr glücklich. Zu unserem 6-Monatigen hab ich dann türkisch gekocht. Das war auch noch mal ein besonders schöner Abend, er war sehr überrascht. Und es sah zumindest sehr danach aus, als hätte es ihm geschmeckt :D
Dann kam eine von mir sehr gefürchtete Zeit, er fuhr mit seinen Eltern in die Türkei. Wir waren 7 ganze Wochen getrennt. Die Zeit war furchtbar und ich hatte große Angst, dass uns das vielleicht auseinander bringt. Aber zu meiner Überraschung wurden die Gefühle nur stärker. Wann immer er konnte, ging er online und schrieb mir wahnsinnig lange Gästebucheinträge, oder wir unterhielten uns wieder über MSN und per Webcam. Trotz der Entfernung war es wunderschön, weil wir wussten, der andere vermisst mich genauso, wie ich ihn.

In dieser Zeit begann dann auch für mich eine turbulente Zeit. Wir eröffneten ein neues Restaurant in einem anderen Ort und ich musste mit meinem Vater in eine Pension ziehen, in der ich die einzige Frau war. Ich hätte auch in dem anderen Ort bleiben können, aber ich wollte nicht. Denn der Ortswechsel verkürzte die Autofahrt von 45-60 Minuten auf 15-20 Minuten und das wollte ich mir nicht nehmen lassen. Das Wiedersehen war unglaublich. Wir fielen uns in die Arme und wollten uns gar nicht mehr loslassen.

Aber dann fingen die Probleme langsam an. Er war mit der Schule fertig und musste arbeiten. Da er in seiner Branche nichts fand, arbeitete er in einem großen Unternehmen in der Nachtschicht. Die Arbeit war furchtbar, schlug ihm auf die Gesundheit, der ganze Stress machte ihm sehr zu schaffen. Natürlich schlief er dann tagsüber. Zu Ramadan sahen wir uns – soweit ich mich erinnern kann – ein Mal zu meinem Geburtstag. Er kam für nur 3 Stunden zu mir, um mir zu gratulieren. Aber auch danach blieb es schwierig. Freitage waren gestrichen, weil er da meistens arbeiten musste, also blieben uns nur noch Samstag und eventuell Sonntag. Meistens waren aber seine Eltern schon mit dem Auto unterwegs, wenn er aufwachte, sodass wir uns immer seltener sahen. Die Situation zehrte an unseren Nerven und ich muss zugeben, ich hab mich manchmal schon sehr unfair verhalten.
 

Sera_Luciva

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Erschwerend kam hinzu, dass ich während der ganzen Zeit über ein wahnsinnig schlechtes Gewissen gegenüber seinen Eltern hatte. Mir war klar, dass unsere Beziehung in ihren Augen eine Sünde wäre und dass er sie ständig wegen mir angelogen hatte. Das wollte ich nicht. Ich wollte nicht der Grund für Unehrlichkeiten gegenüber seinen Eltern sein. Irgendwann war es so weit, dass eigentlich nur noch sein Vater nicht bescheid wusste. Seine Geschwister wussten es schon relativ früh und auch ein Cousin von ihm, den wir auch mal getroffen haben. Seine Mutter war am Anfang zwar wenig begeistert, aber irgendwann sagte sie mal, dass es ihr lieber wäre, wenn er zu mir fährt, anstatt dass er in die Disco geht, weil sie weiß, dass ihm bei mir nichts passiert.

Im Mai schrieb ich dann einmal diese Zeilen, daran wollte ich euch teilhaben lassen. (Ich weiß, ich bin jetzt eigentlich schon fast am Ende des Jahres mit der eigentlichen Erzählung, aber es hätte sonst nirgends reingepasst...)


Mein liebes Tagebuch…
Lange ist es her, dass ich dir geschrieben hab, aber ich finde, heute ist mal wieder die Zeit dafür. Weißt du, ich sorge mich sehr. Hauptsächlich natürlich über meine Beziehung.
Stell dir vor, während ich das schreibe, hör ich nicht mal Musik und das alleine müsste dir schon zu denken geben.
Ja ich weiß, du zeigst auf das Alicia Keys Album und willst mir sagen, ich solle mir doch mal wieder „Never felt this way“ anhören, weil es doch so gut zu meiner Situation passt. Aber woher weißt du denn das schon wieder? Ich hab es dir noch nicht erzählt.
Achso, du siehst es an meinem Gesicht. Die Tatsache, dass du offensichtlich Augen zu besitzen scheinst, verwirrt mich etwas, doch andererseits hätte ich mir das denken können. Schließlich liest du ja, was ich dir zu sagen habe. Bevor mich das noch mehr durcheinander bringt, erzähle ich dir lieber, was ich zu erzählen habe, denn deshalb schreibe ich dir ja.
Wie du ja weißt, bin ich eigentlich sehr glücklich mit meinem Freund. Zumindest in der Zeit, die wir uns sehen, und du weißt auch, dass das nicht sehr lange ist. Derzeit ist es nur ein Mal die Woche und das für ein paar Stunden. Aber natürlich – wie sollte es auch anders sein – macht jede Sekunde, die wir uns sehen, jeden Tag wieder gut, den wir uns nicht sehen.
Das wäre also die gute Sache.
Aber wie soll ich dir die Sache erklären, die mir Sorgen bereitet? Ich werde es versuchen und ich kann nur hoffen, dass du mich auch diesmal, wie immer verstehen wirst.
Tagebuch, du kennst mich so gut. Du weißt, wie ich denke und wie ich fühle und wie meine Einstellungen sind und was ich mir wünsche und all diese Sachen. Und daher weißt du natürlich auch, dass ich in bestimmten Dingen sehr konservativ bin. So auch in Beziehungsfragen. Wärst du eine Emanze, liebes Tagebuch, hätten sich dir bei diversen Träumen, die ich habe, schon längst die Haare aufgestellt.
Nein, Tagebuch, ich fände es nicht schlimm, wenn du eine Emanze wärst. Ich kann deren Einstellung auch verstehen, nur harmoniert sie nicht mit meinem Bild. Aber das muss ich dir ja eigentlich nicht mehr erklären.
Aber nun will ich endlich anfangen.
Ich weiß, viele Menschen – speziell Frauen würden sich an den Kopf greifen, wenn ich ihnen erzählen würde, was ich dir gleich erzähle. Die Sache ist folgende:
Du weißt, wir sind jetzt seit 4 Monaten zusammen und wie schon gesagt, eigentlich läuft alles Bestens, bis auf die Sache mit seinen Eltern und dass er nicht bei mir übernachten kann, und das, obwohl er schon 20 ist. Und du weißt auch, dass er Türke ist. Allein da fangen schon viele Menschen an zu seufzen, sodass ich gar keine Lust mehr habe, ihnen von dem tollen Menschen, der mein Freund ist, zu erzählen, weil sie mir wahrscheinlich sowieso nicht glauben würden. Zum Glück bist du nicht so, liebes Tagebuch.

Aber bei der „Rassenfrage“ liegt der Hund begraben. Auch mein Freund ist sehr konservativ und er hat einen starken Glauben. Ich kann nicht genau ausmachen, wie stark er ist, aber ich ahne, dass er – ähnlich wie bei mir – sehr stark ist. Das finde ich gut, denn ich könnte mit niemandem zusammen sein, der nicht an den Herrn glaubt. Und dabei ist es mir egal, wie er ihn nennt, denn im Grunde genommen haben wir nur einen Schöpfer mit verschiedenen Namen. So sehe ich das jedenfalls.
Seine Eltern jedoch werden das niemals so sehen, da bin ich mir sicher. Und so sehr, wie sie uns jetzt schon Probleme machen, so werden sie es wohl in Zukunft auch tun.

Ich spreche nicht davon, dass ich ihn morgen heiraten will und dass ich am Liebsten noch nächsten Sonntag um Punkt 14:45 Uhr eine Horde Kinder mit ihm zeugen will. Ich spreche davon, dass ich einfach eine Zukunft mit ihm haben möchte. Ich will nicht noch mit 10 anderen Männern zusammen sein, bevor ich den Menschen getroffen habe, mit dem ich mein Leben teile. Und mich lässt das Gefühl nicht los, dass er dieser Mensch ist.
Doch dann kommen wieder die Zweifel. Sieht er das genau so? Er sagt, er wünscht sich das auch. Und so sehr ich ihm Glauben schenken will und das auch tue, so sehr befürchte ich aber auch, dass wir niemals eine längerfristige gemeinsame Zukunft haben werden.
Verstehst du, worauf ich hinaus will, liebes Tagebuch? Ich sorge mich einfach darum, dass meine Nationalität, oder mein Glaube, oder die berühmte Ehrenfrage alles zerstören wird, wofür wir so hart arbeiten. Denn ich fürchte, wenn er nicht das „Okay“ von seinen Eltern bekommt, wird es niemals ernster zwischen uns. Natürlich werde ich nicht von ihm verlangen, sich gegen seine Eltern zu stellen, denn das kann, bzw. sollte man von niemandem erwarten.
Aber na ja, wie soll ich es sagen?
Ich verstehe manche Menschen nicht. Warum hören wir nicht endlich auf, ständig Grenzen zu ziehen, dort, wo man keine Grenze ziehen sollte? Warum sehen manche Menschen nicht ein, dass wir alle einer Rasse angehören: Nämlich der menschlichen Rasse?!
Durch unsere Adern fließt dasselbe Blut, und doch beschränken wir uns selbst, weil wir nicht dieselbe Hautfarbe, oder denselben Glauben haben. Und dabei könnte alles so schön und einfach sein.
Ja Tagebuch, du hast Recht, ich habe eine blühende Phantasie und manchmal könnte ich sogar naiv klingen. Aber gib es doch zu: Du würdest es auch schön finden, nicht wahr?
Siehst du, jetzt nickst du betreten. Und ich frage mich erneut, wie ich dich nicken sehen kann, aber das ist wohl ein anderes Kapitel meiner Phantasie.
Momentan geht es mir einfach nur darum, dass ich mir so sehr eine Zukunft mit ihm wünsche, was er auch tut und ich aber Angst habe, dass diese nicht realisierbar ist, um die Sache auf den Punkt zu bringen.
Einmal, als es mir wieder nicht gut ging, schrieb er mir, dass all unsere Probleme nur Edelsteine auf unserem Weg wären. Das hat er schön gesagt, nicht wahr? Ja, er ist ein toller Mensch. Und wenn er das schon so sieht, dann besteht für mich auch kein Zweifel mehr. Denn letztendlich geht es doch nur um uns beide.
Mein liebes Tagebuch, nun komme ich für heute zum Ende, denn du hast mir wieder mal gezeigt, was ich eingehender betrachten sollte und was mir Hoffnung gibt. Dafür danke ich dir. Ich werde dir sicher bald wieder schreiben, denn du kennst mich. Ich mach mir immer um irgendetwas Sorgen. Aber bis dahin wünsche ich dir eine gute Nacht.
Schlaf schön, liebes Tagebuch.
 
K

K Lilly

Guest
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Hallo, meine Liebe, ich sehe du bist sehr fleißig beim Schreiben deiner Geschichte... Aber wenn du evtl. vorab schon mal in zwei, drei kurzen Sätzen das Umreißen könntest, was HEUTE das Problem ist, dann tut man sich beim Lesen einfach leichter und weiß, beim Lesen vielleicht auch, auf was man achten soll.... Weil, bis wir sonst im hier und heute ankommen, dauert es dann doch wohl ziemlich lange....

Ist nur ein Tipp... Ich fänd das nicht schlecht...

Lg, Lilly
 

Sera_Luciva

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AW: Meine persönliche Geschichte. Achtung! Kein Happy End

Liebe K Lilly!

Vielen Dank für den Tip! Ich hab mich heute Morgen mal dran gemacht und die Geschichte für mich in Word schon mal fertig gestellt. Es sind jetzt noch ungefähr 3 Beiträge, bis wir beim Heute angelangt sind, die ich einstellen werde. Für alle, denen das aber zu lange ist (was ich sehr gut verstehen kann), werde ich zum Schluss nochmal einen möglichst kurzen Beitrag anhängen, in dem es wirklich nur um die "Problembehandlung" geht.
Ich hoffe, das ist eine Lösung, mit der alle zufrieden sind.

Viele liebe Grüße,
Sera
 

Sera_Luciva

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Am 17. Dezember 2005 passierte dann das, wovor ich am Meisten Angst hatte: Er beendete die Beziehung. Er könnte so nicht mehr weitermachen, wir leiden beide, es funktioniert nicht. Er hatte ja Recht, aber ich war am Ende. Ehrlich, ich wollte sterben. Ich liebte ihn mehr, als mein eigenes Leben.
Beim Gedanken an Sylvester zog sich in mir alles zusammen. Erst hab ich ihn angerufen, er soll es sich bitte noch mal überlegen, aber es half nichts. Ich wusste, dass er sehr konsequent ist und deswegen unterließ ich es auch, ihn weiterhin anzurufen. In der Arbeit war ich zu gar nichts mehr zu gebrauchen, denn eine Telefonistin mit verheulter Stimme kann ja wohl schlecht was verkaufen. Im Restaurant meines Vaters fragte mich jeder, was denn mit mir los sei, bei manchen Liedern musste ich einfach raus laufen, weil ich sie nicht ausgehalten hätte.

An Sylvester, unserem gemeinsamen Tag haben wir noch mal kurz telefoniert. Ich denke, ich hab angerufen, aber sicher bin ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass wir uns ein frohes neues gewünscht haben. Er blieb zu Hause und ich „feierte“ auch mit meinen Eltern. Ich war wirklich zu nichts mehr zu gebrauchen. Meine Cousine schrieb noch im MSN mit ihm und erzählte mir zwar, dass es ihm auch schlecht ginge, aber das half ja auch keinem von uns.



Dann passierte, womit ich überhaupt nicht mehr gerechnet hatte: Er rief an. Vordergründig ging es um ein paar Sachen, die er noch von mir hatte, aber wir haben sehr lang gesprochen. Er rief mich auf Handy an, von zu Hause aus, fragte, wies mir geht, was ich so machen würde, usw. Ich musste aber nach ca. 30-45 Minuten aufhören, weil ich im Restaurant aushelfen musste. Wird ganz gut für seine Rechnung gewesen sein. Jedenfalls haben wir ausgemacht, er würde mir die Sachen kommendes Wochenende vorbeibringen.

Am 08. 01. 2006 kam er dann zu mir. Es war ein sehr seltsames Gefühl, wir hatten uns 3 Wochen nicht mehr gesehen und waren nicht mehr zusammen. Ich dachte ja, er würde gleich wieder fahren, aber er setzte sich, wir unterhielten uns. Er erzählte mir, er hätte auf einer Party seine Ex getroffen, aber ihm wäre klar geworden, dass er mich wieder will. Das ist so ungefähr das letzte, woran ich mich erinnern kann. Ich war überglücklich, ich hatte ihn wieder. Von nun an sollte alles anders werden. Aber natürlich hielt das nicht lange an.

Wir bemühten uns beide, aber die Probleme hielten an. Manchmal hatten wir noch sehr schöne Tage. Ich kann mich zum Beispiel noch an ein Mal erinnern, als er ganz spontan kam. Er rief mich an, fragte, wo ich bin und stand dann quasi schon vor der Tür. Aber diese Tage, oder generell die Tage, an denen wir uns sahen, waren sehr selten. Wir sprachen immer weniger miteinander. Beide waren wir sehr gestresst, aber anstatt uns gegenseitig aufzubauen, zogen wir uns nur noch mehr runter. Wir sahen uns einen ganzen Monat nicht und als ich sehr krank wurde und er immer noch nicht kam und auch nicht anrief, wusste ich, dass es vorbei ist. Am 05. 06. 2006 sah ich ihn das letzte Mal.

Am Anfang ging es mir relativ gut. Ich war wütend. Die Wut überdeckte meine Trauer und ich habs tatsächlich 2 Wochen lang geschafft, mir einzureden, dass ich glücklicher so bin. Aber dann fingen die Schmerzen an. Am 01. 07. 2006 hab ich dann das Wochenende bei meiner Cousine verbracht. Eigentlich wären wir an diesem Tag 1,5 Jahre zusammen gewesen. Da ich zu Hause kein Internet mehr hatte, bekam ich bei ihr das erste Mal seit langem wieder die Möglichkeit dazu, einen Blick auf sein Profil zu werfen. Und da sah ich ein paar Gästebucheinträge von einem sehr hübschen, sympathischen, türkischen Mädchen. Für mich brach wirklich eine Welt zusammen. Nach der langen Zeit? So schnell? Ich fühlte mich soooo austauschbar. Und auch, wenn ich selbst kein Internet mehr hatte, ich blockte und löschte ihn bei MSN.

Bis vor kurzem dachte ich, das Kapitel M. wäre hier beendet. Aber ich wurde eines besseren belehrt.
 

Sera_Luciva

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Die Tage, Wochen und Monate zogen sich nur so dahin. Ein paar Mal machte meine Cousine noch den Fehler, mir etwas von ihm zu erzählen, dass er jetzt mit dem Mädchen zusammen ist, oder dass sie ihn gesehen hätte. Aber nachdem ich einmal zusammengebrochen bin, hat sie es vermieden, mit mir über ihn zu sprechen. Ich hab so gut es ging versucht, ihn zu verdrängen, endlich zu vergessen. Manchmal gelang es mir auch ganz gut. Dann starb unser Kellner bei einem Autounfall, der wie ein Bruder für mich war. Da war dann für mich alles zu spät. Nachdem ich mich nach der Trennung nur verkrochen hab, war nun mein einziger Weg das alles irgendwie zu vergessen, dass ich mich in eine Party nach der nächsten stürzte. Meine beste Freundin (die Ex meines „Bruders“), war immer mit dabei und wir versuchten mit aller Macht, einfach nur zu vergessen. Aber es gelang uns nicht. Nach 2 oder 3 Monaten stellten wir fest, dass es so einfach nicht funktioniert. Wir blieben beide Sylvester bei ihr zu Hause. Es wäre ja bei mir wieder ein Jahrestag gewesen und zusätzlich hatte D. mein „Bruder“ und ihr Ex am 1. Januar Geburtstag.

Die Tage um Sylvester rum musste ich natürlich sehr viel an ihn denken, manchmal auch aus heiterem Himmel, sodass es mir vorkam, dass er auch manchmal ziemlich intensiv an mich denken müsste, aber ich hab diese Gedanken gleich verworfen. Er war ja jetzt mit ihr zusammen, da würde er an mich sicher nicht denken. Kurz vor seinem Geburtstag hatte ich die Möglichkeit, ins Internet zu gehen und schrieb ihm eine E-Mail. Natürlich hab ich ihm nicht vorher gratuliert, aber ich schrieb ihm, um ihn wissen zu lassen, dass ich es natürlich nicht vergessen hatte und dass ich – und das stimmte wirklich - ihm und seiner Freundin alles Glück der Welt wünsche. Ich wollte abschließen, aber ich wollte, dass diese Worte ehrlich kommen und deshalb hab ich mich erst so „spät“ gemeldet. Ich hatte das Gefühl, jetzt hast dus geschafft. Natürlich tat es irgendwo noch weh, aber ich dachte mir, nein das ist sie jetzt für ihn und er soll glücklich werden, weil er’s verdient hat.

Wider Erwarten kam auch eine sehr lange und freundliche E-Mail von ihm zurück und ich dachte, das Kapitel kannst du jetzt endgültig abschließen. Die Tage, an denen ich an ihn und unsere gemeinsame Vergangenheit zurückdachte, wurden weniger. Ich war wieder „normal“, wenn mich die Gedanken auch nicht komplett losgelassen haben, aber es war nicht mehr so vordergründig. Ich fing wieder an, neue Bekanntschaften zu schließen, hatte seit dem sogar eine kurze Beziehung. Doch selbst da verglich ich den „Neuen“ mit M. Es fühlte sich einfach nicht so richtig an, wie mit ihm. Bei M. hatte ich das Gefühl, wir wären eins. Aber ich verdrängte die Gedanken, vorbei ist schließlich vorbei, vor allem nach der langen Zeit. Die Beziehung funktionierte trotzdem nicht und ging im Juli 2007 auseinander.
 

Sera_Luciva

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Mittlerweile hatte ich aber wieder Internet zu Hause und auch meine MSN Adresse war noch die gleiche. Eines Tages im August – ich wollte mich gerade fertig machen, weil ich mich mit einem Bekannten treffen wollte – bekam ich per MSN plötzlich eine Nachricht. Von ihm! Ich dachte erst, ich seh nicht richtig, schließlich hatte ich ihn ja blockiert und gelöscht, und warum sollte er mir schreiben? Als ich mir das ganze näher anschaute, sah ich, dass er mir irgendwelche Zip-Dateien schicken wollte und schrieb nur auf Türkisch. Sehr seltsam, dachte ich mir. Ich schrieb zurück, was denn los wäre, aber bekam keine Antwort, nur weitere Dateien geschickt, die ich aber nicht annahm. Plötzlich war er offline. Da es schon mal vorgekommen war, dass jemand anders seine MSN Adresse benutzt hatte, hatte ich den Verdacht, dass es diesmal genauso wäre und nach langem Hin- und Herüberlegen, beschloss ich, ihm eine E-Mail zu schreiben und ihn darüber zu informieren.

Es stellte sich heraus, dass er im Urlaub in der Türkei in einem Internetcafé an einem infizierten Computer saß. Und dieser Virus wollte sich ausgerechnet an mich weiterverschicken. Haltet mich für verrückt, aber ich finde das seltsam.
Ich mein, klar, ich hatte in den letzten Monaten natürlich ab und zu daran gedacht, wie es ihm denn wohl geht und so und mir auch schon ab und zu mal überlegt, ihm zu schreiben, aber ich habs sein lassen. Warum auch? Wir sind seit mehr als einem Jahr getrennt, er ist vergeben, lass es sein. Und dann das. Man kann sich sicherlich vorstellen, wie verwirrt ich war.
Und weil das noch nicht genug ist/war, haben wir jetzt wieder Kontakt. Es ist so seltsam. Und es ist nicht seine Art. Wir schreiben seit dem sporadisch, allerdings waren einmal eine Unterhaltung von 7 Stunden und eine von ca. 10 Stunden dabei. Und natürlich haben wir auch von früher gesprochen. Er beendete die Beziehung damals mit der Begründung, dass er mich nicht mehr lieben würde, was mir natürlich einleuchtete, nachdem er sich zum Schluss (es tut mir leid, wenn ich’s so sage) kein bisschen mehr für mich interessierte und auch sehr schnell eine neue Freundin hatte. Und jetzt erzählt er mir, er hätte es nicht ertragen, dass es mir immer so schlecht ging, wegen ihm und er hätte es beendet, weil er sich dachte, ich würde ohne ihn glücklicher sein.

Manchmal reden wir schon wieder wie früher, es ist erschreckend. Er hat mir Fotos von sich geschickt. Wir führen Webcam-Unterhaltungen. Auf den ersten Blick sieht er aus, wie früher. Aber man sieht ihm an, dass er eine harte Zeit durchgemacht hat, das letzte Jahr. Er hat mir auch davon erzählt, worauf ich jetzt aber nicht näher eingehen werde. Ich stecke in einer verdammten Zwickmühle. Natürlich ist es schmeichelhaft für mich, jetzt zu erfahren, dass er es damals bereut hat. Dass er mich immer noch attraktiv findet. Dass er sich gerne mal wieder auf nen Kaffee mit mir treffen würde. Außerdem hab ich irgendwie das Gefühl, er würde ganz dringend jemanden zum Reden brauchen und aus irgendeinem Grund bin das anscheinend ich, oder so.
ABER – und dieses aber ist wirklich sehr groß – er ist immer noch mit ihr zusammen. Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Ich will so was nicht. Ich schreib ihn selber auch nicht an, ich red nur mit ihm, wenn er mich anschreibt. Aber allein die Tatsache, dass er das tut, ich mein… Ich kenn ihn. Ich kenn ihn wirklich und ich weiß, dass das nicht seine Art ist. Er ist normalerweise strikt gegen so was, das geht vollkommen gegen seine Prinzipien. Noch dazu bin ich ja nicht irgendwer, ich bin seine EX! Wenn ich seine Freundin wäre, und ich wüsste davon, ich würde ausflippen, zu Recht. Und ich hab einerseits ein so verdammt schlechtes Gewissen. Ich kenn sie zwar nicht, aber ich hab Fotos gesehen. Sie sieht so süß und lieb und aufgeweckt aus und ich war nie jemand, der sich in eine Beziehung einmischen wollte, niemals. Aber andererseits… Ich kann es nicht beschreiben, ich komm nicht dagegen an. Es ist seine Person einfach. Ich schätze ihn als Mensch so wahnsinnig. Immer noch, nach all dem, was vorgefallen ist. Mir ist klar, dass es damals nicht nur deswegen in die Brüche ging, weil ich gelitten habe. Wir waren nicht stark genug. Und es war gut so, dass er sich von mir getrennt hat, ich bin daran gewachsen. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass alles einen Grund hat. Nur den Grund in dieser Sache sehe ich nicht.
 

Sera_Luciva

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So, und hier jetzt noch für alle, denen es verständlicherweise etwas zu lang wurde, eine kurze Schilderung meines Problems:

Wir haben also nach fast mehr als einem Jahr (mit Ausnahme von 2 E-Mails) wieder Kontakt miteinander. Es scheint, als wäre von seiner Seite aus mehr da, und das, obwohl er vergeben ist, auch noch an eine Türkin.
Ich bin mir darüber im Klaren, dass es hier gleich Vorwürfe hageln könnte und das ist okay so.
Aber nur ums nochmal klarzustellen: Ich habs nicht drauf angelegt, im Gegenteil, ich wollte mit der Sache abschließen, dachte, ich hätte es schon getan. Desweiteren hab ich kein Interesse daran, mich in eine bestehende Beziehung einzumischen.

Wir sind ja damals auch nicht umsonst, oder zum Spaß auseinander gegangen, sondern weil wir nicht stark genug für die Dinge waren, die sich uns in den Weg gestellt haben, das muss man ganz klar so sagen.

Allerdings gibt es jetzt wieder Umstände, die es uns erleichtern würden.
Ich weiß nicht, was ich machen soll, wie ich damit umgehen soll, das ist der Punkt. Was würdet ihr an meiner Stelle tun?

Ich bin dankbar für jeden Ratschlag.
Viele liebe Grüße,
Sera
 
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