Mendelssohn
Well-Known Member
Die stalinistischen Massengräber sind berühmt, ebenso die Gulags. An Administration hat es auch nicht gemangelt. Ich würde auch im Hinblick auf den Stalinismus von einer Mordindustrie sprechen, nur nicht von sogenannten Sanitätern endausgeführt. Dies war auch in Deutschland erst die letzte Stufe und der Überlegung geschuldet, daß die Massenerschießungen eine gesamte Generation brutalisieren, die man nach der Endlösung nicht mehr re-zivilisieren kann.Das stimmt alles (na, bis auf das rassehygienische Motiv). Trotzdem, oder genau deswegen, würde ich die Parallele eher zu Stalin ziehen und seinen Umsiedlungen – die auch Millionen Menschen das Leben kosteten–, als zum Holocaust. Und deswegen auch das Wort "Endlösung" nicht verwenden. Nicht erst, weil das irgendwelche SüperTürks wieder auf die Palme bringt, sondern weil die Assoziation mit der industriellen Massenfabrikation von Leichen einfach falsch ist.
Endlösungen wurden aller Orten diskutiert: in der Türkei mit den Armeniern, in Japan mit den Chinesen, in Spanien mit den Basken, in den USA mit den Indianern.
Ukrainische Juden begrüßten die deutsche Wehrmacht als Befreier,bevor sie von ihnen massakriert wurden. Es ging ihnen nicht gut unter Stalin.
Noch in den Nürnberger Prozessen war der Genozid kein Thema. Die Anklage bezog sich auf Kriegstreiberei und Kriegsverbrechen und wurde wegen der Breite der Anklage als Verbrechen gegen die Menschheit/Menschlichkeit bewertet. Verurteilt wurde keiner der Angeklagten für den Genozid. Das geschah erst in Israel (Eichmann-Prozeß) und später dann in den Auschwitz-Prozessen.
Sagen wir mal so: die Türkei ist noch auf der Stufe der Verdrängung, noch nicht auf der Stufe der Aufarbeitung der Vergangenheit. Das spielt so einem türkischen Kleinbürger mit Pascha-Allüren natürlich in die Hände.
Dennoch: ohne Moos nix los. Da hilft auch kein Verdrängen und ein in Europa gewachsener türkischer Nationalstolz. Wenn die Türkei nämlich aus Europa raus ist, dann war's das mit der großen Nation und der Weltpolitik. - Die Stunde des Militärs.
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