Türkei ich komme

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CrazyWoman

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AW: Türkei ich komme

Entweder wohnst du "kostenlos" bei einem Lojman von der Firma selbst irgendwo um Antalya, oder du beziehst eine eigene Wohnung, um Manavgat, 400-800 TL Mietpreise.

Klingt scheiße? Ich habe Animateure kennengelernt aus 5 Sterne Hotels um Antalya, die hausen in den Suite Zimmern von den 5 Sterne Hotels, die leben in diesen großen Suite Räumen, Räume die von außen gegen Aufpreis buchbar sind, weil das Deluxe Räume sind. Der Animateur, der darf kostenlos am Büffet fressen, an der Bar kostenlos sich Cocktails machen lassen und im Deluxe Raum schlafen.

Die Lebenswirklichkeit der meisten Hotelmitarbeiter (Animateure eingeschlossen) sieht anders aus. Dass das Hotel Deluxe-Zimmer an Mitarbeiter vergibt, habe ich noch nie gehört. In einem Hotel, dass ich kenne, werden die renovierungsbedürftigen Bungalows zu viert oder fünft an die Animateure gegeben. Klar, kostenlos. Aber die verdienen ja auch umgerechnet nur 350€/Monat. Und mit 5 Erwachsenen in einem Familienbungalow kann von "gehobenem Standard" oder gar Privatsphäre nicht die Rede sein.

Die meisten Hotelmitarbeiter allerdings, die -nicht wie Animateure- eine durchgehende Schicht arbeiten (teilweise 14 Stunden und mehr), wohnen in diesen Lojmans. Hast Du schonmal eine solche Unterkunft gesehen? Da würde sich jeder Asylant in Deutschland an die Beschwerdestelle wenden. Oft ohne Klimaanlage, schlafen sie mit mehreren Personen in einem Raum, was ja Temperatur und Luftfeuchtigkeit in die Höhe treibt, sollen dann am nächsten Tag bei teilweise über 40° im Anzug fröhlich lächelnd die Touristen bedienen. Ohne fest vorgeschriebene Pausenzeiten (teilweise auf eine ganze Schicht nur 15 Minuten zum essen und rauchen). Ich kenne Hotels, in denen den Mitarbeitern vom Lohn ein Pauschalbetrag abgezogen wird fürs Essen. so bleiben dann von umgerechnet 350€ noch 320€.

Und ob es 4, 4 1/2oder 5* Hotels sind, spielt hier keine Rolle.

Hier ein interessanter Fernsehbeitrag, der meine Eindrücke wiedergibt/bestätigt und zudem erklärt, wie Billig-Urlaub sich "rechnet":

WDR Mediathek: Sonne, Strand und Billiglohn
 

Colchicum

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AW: Türkei ich komme

Im türkischen Radiosender letztens hörte ich einen Radiomoderator vom Erdbeben aus letzter Woche sprechen und in Bezug auf Istanbul hat er sehr düstere Prognosen gemacht, so düster, dass ich danach Angst hatte für die Bewohner Istanbuls.

Wie mir bekannt ist, haben die Bewohner gelernt, mit diesem Wissen zu leben. Natürlich ist es für uns Außenstehende ein beängstigendes Gefühl, aber in Istanbul denken die wenigsten ständig an diese Gefahr.
 
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TURKUVAZ

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AW: Türkei ich komme

Die Lebenswirklichkeit der meisten Hotelmitarbeiter (Animateure eingeschlossen) sieht anders aus. Dass das Hotel Deluxe-Zimmer an Mitarbeiter vergibt, habe ich noch nie gehört. In einem Hotel, dass ich kenne, werden die renovierungsbedürftigen Bungalows zu viert oder fünft an die Animateure gegeben. Klar, kostenlos. Aber die verdienen ja auch umgerechnet nur 350€/Monat. Und mit 5 Erwachsenen in einem Familienbungalow kann von "gehobenem Standard" oder gar Privatsphäre nicht die Rede sein.

Die meisten Hotelmitarbeiter allerdings, die -nicht wie Animateure- eine durchgehende Schicht arbeiten (teilweise 14 Stunden und mehr), wohnen in diesen Lojmans. Hast Du schonmal eine solche Unterkunft gesehen? Da würde sich jeder Asylant in Deutschland an die Beschwerdestelle wenden. Oft ohne Klimaanlage, schlafen sie mit mehreren Personen in einem Raum, was ja Temperatur und Luftfeuchtigkeit in die Höhe treibt, sollen dann am nächsten Tag bei teilweise über 40° im Anzug fröhlich lächelnd die Touristen bedienen. Ohne fest vorgeschriebene Pausenzeiten (teilweise auf eine ganze Schicht nur 15 Minuten zum essen und rauchen). Ich kenne Hotels, in denen den Mitarbeitern vom Lohn ein Pauschalbetrag abgezogen wird fürs Essen. so bleiben dann von umgerechnet 350€ noch 320€.

Und ob es 4, 4 1/2oder 5* Hotels sind, spielt hier keine Rolle.

Hier ein interessanter Fernsehbeitrag, der meine Eindrücke wiedergibt/bestätigt und zudem erklärt, wie Billig-Urlaub sich "rechnet":

WDR Mediathek: Sonne, Strand und Billiglohn


Animateure arbeiten auch durchgehend, die können ja nicht mal das Hotel verlassen, die sind da noch mehr gebunden als der Koch, der Rezeptionist oder Kellner.

Einer aus der Adana Verwandtschaft arbeitet für ein 4,5 / 5 Sterne Hotel bei Side als Kochassistent und brutzelt am Buffet immer tolle, warme Sachen, sein monatliches Gehalt ist 1.000 Us Dollar (1.750 TL im Monat ungefähr), seine Unterkunft ist kostenlos (Lojman), essen darf er im Hotel (wenn er schon selbst am Herd steht) auch und auch er kommt nicht oft dazu diese 1.700 TL mal einzusetzen.

Jetzt wollte er mitte Januar endlich Urlaub nehmen, nach Adana fahren, da kann er endlich die monatelang angehäufen TL's einsetzen, hat sich ein schönen, teuren Busticket nach Adana gekauft, er schickt auch Kohle an die Verwandtschaft in Adana.

Die Animateure: Jeden Tag machen die Programm, Lobby, am Strand, wieder Lobby, Meetingraum, hin und her, abends gehts weiter bis Mitternacht und noch länger manchmal, jetzt in den ruhigeren Monaten ist es ruhig und angenehm sagen die, aber auf der anderen Seite langweilen sie sich auch, weil die Überwinterer und Rentner nicht viel Animation brauchen.

Im Sommer haben die dann XXL Programme und dann sind auch doppelt so viele Animateure präsent, dann teilen sie die Zimmer auch bestimmt, aber der hat mir die Deluxe Zimmer gezeigt, die Türen geöffnet, ich meine wir reden von 5 Sterne Hotels, das sind moderne Zimmer, Regendusche, Klimaanlage etc.

Zahlreiche Hotels zögern nicht die guten und größeren Zimmer manchem Personal zur Verfügung zu stellen, ist ja alles eine Sache der Verhandlung.

Meist hausen die Hotelmanager selbst in den höchsten Stockwerken. Warum soll er draußen leben? Im Hotel ist er sicherer, da gibts Security, Parkplatz fürs große Wägelchen, alles.

Und der Rezeptionist oder Bellboy haust halt im Lojman, die fahren mit Dolmus oder Fahrgemeinschaften zur Arbeit, es gibt Personalbüsse und sogar separate Personal Kantinen im Hotelgebäude, aber woher sollen das Touristen schon sehen.

Eine kluge Taktik mittlerweile ist auch "regional" lebendes Personal arbeiten zu lassen, die leben noch bei den Eltern, haben Familie ganz in der Nähe und haben weniger Fixkosten, große Hotels die das erkannt haben und anwenden gibt es schon.

Wenn du das Personal fragst woher die kommen hörst du nicht mehr oft "Adana, Mersin, Istanbul" und sonst was, man hört öfter "Manavgat, Manavgat, Manavgat".
 
C

CrazyWoman

Guest
AW: Türkei ich komme

Animateure arbeiten auch durchgehend, die können ja nicht mal das Hotel verlassen, die sind da noch mehr gebunden als der Koch, der Rezeptionist oder Kellner.

Das meinte ich ja: die Animateure müssen wegen ihrer unregelmäßigen Arbeitszeit (hier drei Stunden arbeiten, halbe Stunde frei, da 4 Stunden, 20 Minuten frei, da 3 Stunden Show, halbe Stunde frei, da Disco 1 Stunde... ) im oder beim Hotel bleiben. Sonst könnten sie es gar nicht schaffen, sich in den verhältnismäßig kurzen Pausen umzuziehen oder ähnliches. Die Kellner wohnen außerhalb in Lojmans, werden zu Beginn der Schicht hingefahren (Bus) und zum Ende der Schicht zurück.

Einer aus der Adana Verwandtschaft arbeitet für ein 4,5 / 5 Sterne Hotel bei Side als Kochassistent und brutzelt am Buffet immer tolle, warme Sachen, sein monatliches Gehalt ist 1.000 Us Dollar (1.750 TL im Monat ungefähr), seine Unterkunft ist kostenlos (Lojman), essen darf er im Hotel (wenn er schon selbst am Herd steht) auch und auch er kommt nicht oft dazu diese 1.700 TL mal einzusetzen.

So ein Gehalt dürfte wirklich die Ausnahme sein.


Im Sommer haben die dann XXL Programme und dann sind auch doppelt so viele Animateure präsent, dann teilen sie die Zimmer auch bestimmt, aber der hat mir die Deluxe Zimmer gezeigt, die Türen geöffnet, ich meine wir reden von 5 Sterne Hotels, das sind moderne Zimmer, Regendusche, Klimaanlage etc.

Zahlreiche Hotels zögern nicht die guten und größeren Zimmer manchem Personal zur Verfügung zu stellen, ist ja alles eine Sache der Verhandlung.

Das ist Dummheit. Denn durch die tägliche Nutzung des eigenen Personals (meist ja auch junge Leute, die gerne mal feiern etc.) werden diese Zimmer doch stärker beansprucht als durch den regulären Gästebetrieb. Ich bleibe dabei: es dürfte die große Ausnahme sein.

Und der Rezeptionist oder Bellboy haust halt im Lojman, die fahren mit Dolmus oder Fahrgemeinschaften zur Arbeit, es gibt Personalbüsse und sogar separate Personal Kantinen im Hotelgebäude, aber woher sollen das Touristen schon sehen.

Wie oben geschrieben: SO kenne ich das auch.

Eine kluge Taktik mittlerweile ist auch "regional" lebendes Personal arbeiten zu lassen, die leben noch bei den Eltern, haben Familie ganz in der Nähe und haben weniger Fixkosten, große Hotels die das erkannt haben und anwenden gibt es schon.

Das stimmt wohl.
 
L

Laledevri

Guest
AW: Türkei ich komme

Wie mir bekannt ist, haben die Bewohner gelernt, mit diesem Wissen zu leben. Natürlich ist es für uns Außenstehende ein beängstigendes Gefühl, aber in Istanbul denken die wenigsten ständig an diese Gefahr.

Letzte Woche war eins, hat ein bisschen gewackelt, aber ich dachte, das sei der Schneesturm...wenn meine Zeit gekommen ist, kommt sie, egal, wo ich gerade bin. Und was die Einwohneranzahl angeht: ich gucke das nächste Mal, was auf dem Schild bei Nüfüs steht. Wird dann wahrscheinlich noch eine Million mehr sein. Mindestens.
 
T

TURKUVAZ

Guest
AW: Türkei ich komme

Das meinte ich ja: die Animateure müssen wegen ihrer unregelmäßigen Arbeitszeit (hier drei Stunden arbeiten, halbe Stunde frei, da 4 Stunden, 20 Minuten frei, da 3 Stunden Show, halbe Stunde frei, da Disco 1 Stunde... ) im oder beim Hotel bleiben. Sonst könnten sie es gar nicht schaffen, sich in den verhältnismäßig kurzen Pausen umzuziehen oder ähnliches. Die Kellner wohnen außerhalb in Lojmans, werden zu Beginn der Schicht hingefahren (Bus) und zum Ende der Schicht zurück.



So ein Gehalt dürfte wirklich die Ausnahme sein.




Das ist Dummheit. Denn durch die tägliche Nutzung des eigenen Personals (meist ja auch junge Leute, die gerne mal feiern etc.) werden diese Zimmer doch stärker beansprucht als durch den regulären Gästebetrieb. Ich bleibe dabei: es dürfte die große Ausnahme sein.



Wie oben geschrieben: SO kenne ich das auch.



Das stimmt wohl.

Anders betrachtet: Antalya ist nicht nur Tourismus, KEINESFALLS.
Da gibt es nicht nur Tourismus.

1 Millionen Einwohner hat Antalya, bin da einige Male morgens durchgefahren, eigentlich ein Fehler von mir, voll der Arbeitsverkehr, aber um viel sehen zu können und zu einem Ort noch früh genug anzukommen muss man durch dieses mega Antalya durch.

Dieser Arbeitsverkehr herrscht deswegen weil Antalya nicht nur Tourismus hat, abgesehen davon fahren die Leute dort auch "normal" zur Arbeit, zur Bank, zum Amt, zu Autohäusern, zu verschiedensten Bürogebäuden und Firmen etc., so lernt man auch dort Menschen kennen, die als Filialleiter einer Bank vielleicht 5000 TL im Monat verdienen und in Antalya nie im Leben auf die Idee kommen würden im Tourismus zu arbeiten, auch wenn sie in dieser Region leben.

An Wochenenden jedoch besuchen sie sehr wohl Hotels der Antalya Küsten, die naheliegenden Hotels aus Lara beispielsweise werden hierfür bevorzugt für kurze Wochenendtrips.

Soll ich dir sagen wer die größte Kohle um Antalya im Tourismus Sektor macht? Ich wollte es nicht glauben, zumal ich die vor allem skeptisch und kalt betrachtete.

Es sind die Hotelfotografen! Ja, die, die in den Hotels mit den Mega Fotoapparaten rumlaufen.

In einem sehr guten 5 Sterne Hotel warteten die immer hie und da, mal am Büfet Eingang, mal am Strand, mal in der Lobby.

Türken fragen die weniger, die fragen viel lieber ausländische Touristen aus bekannten Gründen, so hat es auch gedauert bis sie mal mich überhaupt angesprochen haben.

Mich hat einer der 3 Fotografen auf türkisch gefragt "möchtest du ein Foto" und ich so "ich fotografiere auch selber", da musste er lachen "aber mein Apparat ist professioneller, macht brilliante Schnappschüsse" und hie und da siehe da es entstand ein interessantes Gespräch.

Ein Zufall, ich habe einen der sehr guten erwischt, ein Fuchs im Sektor, er kommt ursprünglich aus dem Osten, aus Mardin, hat im Ausland studiert, er kann 6 Sprachen: Türkisch, Arabisch, Englisch, Deutsch, Holländisch, Französisch.

Einst bekam er auch aus Europa Jobangebote, doch lehnte er diese ab, er blieb in der Türkei und würde sich im Tourismussektor gut fühlen.

Kurz ausgedrückt begründete er das Ganze mit:

"Wir machen die große Kohle eh im Sommer in 3-4 Monaten und verstärkt zu Schulferienzeiten, wenn wir Familienfotos machen und Kinderfotos, da kommen Aufträge zusammen wo wir 100-200 Euro verlangen und da machen wir die Kohle, womit wir für das ganze Jahr auskommen. Jetzt im Winter machen wir auch paar Fotos und Aufnahmen von Paaren am Strand oder im Garten, unser Nebenverdienst im Winter, aber die Hauptkohle machen wir im Sommer und zu Schulferienzeiten, oder bei Anlässen wie Silvester, Weihnachten oder muslimische Bayramfeste.

Ich bin der Fotografie und Türkei und Antalya auch treu geblieben, weil ich quasi mein eigener Chef bin, niemand kann mir was sagen, ich kann kommen und gehen wann ich will, ich gehe zum Strand, zur Lobby, zum Garten, gehe nach Hause, schlafe, niemand sagt mir was, wir gehören nicht zum Hotelpersonal."



Danach...................habe ich ihm dem Fotografen aus Mardin noch einen schönen Tag gewünscht :oops::lol:.
 

night_rider

Gesperrt
AW: Türkei ich komme

Als ich in der Uni-Zeit war habe ich in ein mal einem tatil köyü in Side an der Rezeption gearbeitet. Mein Vater war ein grosser Partner von dieser Anlage. 1 Woche hat man mir ein privates Zimmer gegeben, mit Dienstmädchen die sauber machten. Danach wollte man den anderen Arbeitern gegenüber mir keine Privilegen geben, also bin ich zu dem Abeiterviertel gezogen. Das niedrige Niveau der Arbeitenden, das ständige stänkern und mies machen, die Hoffnunglosigkeit, die niedrigen Löhne, alles hat mich angekotzt. Man konnte mit denen nit ein normales Wort reden. Lange Rede kurzer Sinn, nach einem Monat bin ich wieder zurück nach Izmir abgehauen. Die wunderbaren Löhne, noch den Seelenort hab ich in Side nicht gesehen, und werde es nie wieder versuchen im Tourismus zu arbeiten.
 
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