AW: Türkei-Virus höchst ansteckend
wir saßen eine ganze weile schweigend am hafen und sahen uns das treiben der promenade an. jeder in seinen gedanken versunken.
irgendwann streckte er mir seine hand entgegen und sagte mit trauriger miene "also sind wir freunde, nicht mehr"... ich zögerte... ich konnte ihm meine hand darauf nicht geben. ich wollte nicht NUR sein freund sein. aber wenn ich mehr sein wollte, was war dann mit meinen gefühlen für T? wo waren die plötzlich geblieben? er bemerkte mein zögern und fragte "was ist?" - "ich kann nicht. ich mag dich dafür zu sehr. aber ich weiss auch dass du mir weh tun wirst. und das will ich nicht. ich weiss nicht was ich tun soll." - "du kannst uns nicht beide haben." ja, das wusste ich. und das machte es so schwierig.
wir schlenderten wieder zurück und A hielt meine hand. es hätte sich so schön anfühlen können. tatsächlich aber machte es mich unendlich traurig, weil mein verstand mir sagte, dass das, was mein herz wollte, nicht sein durfte. zum einen weil ich T das doch nicht antun konnte, nachdem wir seit zwei monaten darauf gewartet haben uns hier in marmaris zu treffen. zum anderen weil ich mir sicher war von A verletzt zu werden. er war ein casanova, das sagte ich ihm auch ständig. er bestritt das nicht und sagte mir, dass das früher mit sicherheit der fall war. aber er hatte auf das ganze keine lust mehr und es kam ihm nur noch sinnlos vor. er sagte mir, natürlich könne er jeden abend mit einer anderen hübschen russin sex haben, aber das war es nicht, was er wollte. darum ging es ihm nicht mehr. und ich wünschte mir so sehr, ihm glauben zu können.
wieder im la rocca bei den anderen angekommen, waren wir beide sehr ruhig. und so ging der abend auch zu ende. ich erzählte meiner freundin von dem gespräch mit A und sie war natürlich dementsprechend sauer. kein wunder, schließlich hatte er sie nur benutzt um mich eifersüchtig zu machen, was, wie ich mir vorstellen konnte, sehr kränkend für sie war.
der nächste tag verging mit grübeln, grübeln, grübeln. ich grübelte beim frühstück. ich grübelte am pool und am strand. ich glaube, ich hab jetzt mindestens zwei falten mehr im gesicht vor lauter grübeln. zwischendurch kam immer wieder mal eine sms von T. jedesmal wenn ich es sah und sie las, überkam mich eine abneigung, die ich mir nicht erklären konnte. er hatte mir doch im gegenteil zu mir nichts getan. nein, er schickte mir so liebe sache, wie sehr er sich auf mich freute usw.. ich aber spürte die schlinge um meinen hals immer enger werden bis ich das gefühl hatte keine luft mehr zu bekommen.
nachdem ich auch das abendessen hindurch nur gegrübelt hatte, mir mein baklava nicht so geschmeckt hatte wie sonst, wusste ich, es muss eine entscheidung her. ich musste meinem herzen folgen, denn wenn ich meinem verstand folgte, würde ich nicht glücklich.
ich schrieb T eine sms! es würde nicht funktionieren mit uns und es wäre wohl besser wenn er nicht käme. ich bin, seit ich hier bin völlig durcheinander und brauchte meine ruhe.
feige? ja und wie!!! denn ich sendete die sms und danach gingen meine freundin und ich zum hafen. ich wollte mich seiner reaktion nicht stellen. ich war mehr als feige. ich war das, was wir frauen eigentlich immer männern unterstellen. ich ging einer auseinandersetzung aus dem weg. gut fühlte ich mich allerdings dabei nicht. aber das entschuldigte natürlich nichts. ich hoffte für mich, mich besser zu fühlen, wenn wir gleich bei A ankommen würden. ich hoffte auf ein zeichen, mich richtig entschieden zu haben.