Was ärgert Euch gerade (3)

EnRetard

Well-Known Member
Da siehste mal, was eine Hausfrau den ganzen Tag macht! Und viele davon haben auch noch mehrere Kinder und sind berufstätig.
Kinder kann man wesentlich leichter fremdbetreuen lassen als alte Eltern. Arbeiten lohnt sich dann nicht mehr, denn die Kosten der Betreuung übersteigen den Verdienst einer normalen Tätigkeit. Und noch ein gravierender Unterschied: Kinder sieht man wachsen und gedeihen. Die alten Eltern hingegen werden immer älter und kränker, egal wie man sich anstrengt.
 

Alubehütet

Well-Known Member
Bin die letzten Tage erst immer gegen 21:00 Uhr mit dem Haushalt fertig geworden. Das kann es echt nicht sein! Den Rest meiner wichtigen Lebenszeit kann ich nicht den "Haushalts- und Pflegedienst" spielen. Besonders dann nicht, wenn "ich" dabei viel zu kurz komme...
Jetzt mal bitte keine Panik! Bei allem Verständnis für deine momentane Situation: Aber es geht nicht um den „Rest deiner Lebenszeit“, sondern zwei, maximal drei anstrengende Monate, die dir bevorstehen, dann wird deine Mutter wieder mobil sein. Sowas geht heute sehr schnell – Als meine Mutter vor 30 Jahren ihre künstlichen Hüftgelenke bekam, da führten mein Vater und ich über ein halbes Jahr einen Männerhaushalt; Reha war selbstverständlich ausschließlich stationär.

Wenn sich die Situation einmal grundlegend ändert, dann muß natürlich klar sein, daß Du nicht das „Mädchen für alles“ wirst spielen können; dann muß man sich mal erkundigen nach Haushalts-, Putz- oder gar Pflegehilfe. Das mag für traditionelle Eltern zwar schwierig sein, „fremde“ Personen so nah in ihr Leben und ihren Haushalt lassen zu müssen, aber das wird man ihnen dann erklären müssen, daß das anders nicht geht. Aber momentan geht es um eine Situation, die anstrengend ist – sicher auch seelisch, noch enger konfrontiert zu sein mit Unzulänglichkeiten deines Vaters, die nun einmal leider in dem Alter nicht mehr zu ändern sind –, aber das Gute ist: Das geht auch wieder vorüber.

Ist doch gut, daß Du deine Eltern noch hast, und daß sie nicht chronisch gebrechlich sind.
 

Almancali

Well-Known Member
Jetzt mal bitte keine Panik! Bei allem Verständnis für deine momentane Situation: Aber es geht nicht um den „Rest deiner Lebenszeit“, sondern zwei, maximal drei anstrengende Monate, die dir bevorstehen, dann wird deine Mutter wieder mobil sein.
Ich bin Selbstständig und habe einen 12-16h Arbeitstag. Teilweise arbeite ich Samstags und Sonntags, um Zeit gut zu machen. In den vergangenen 10 Tagen bin ich kaum dazu gekommen, meiner beruflichen Arbeit nachzugehen. Das mich das u.A. auch finanziell belastet, sollte doch verständlich sein.

Ich habe in den letzten Tagen alles mir mögliche hier getan und Heute endlich den Entschluss gefasst - loszulassen. Ich bin eher ein Ordnungsfanatiker und habe alles sauber, ordentlich, strukturiert und organisiert. Normalerweise mache ich einmal richtig sauber und ordentlich und halte das dann auch sauber und ordentlich - wenn nicht mein Vater wäre, der wieder Unordnung hinterlässt.

Er macht es sicherlich nicht absichtlich und denkt sich nichts schlimmes dabei. Allerdings räume ich dann immer hinterher.

Beispiel:
Ich stelle die Schuhe ordentlich hin... 5 min später Schuhe durcheinander
Ich falte die Küchentücher (zum Trocknen) schön zusammen... Er schmeisst da eine Tüte Brötchen vom Bäacker drauf, so das alle Küchentücher verknäueln.
Ich hänge die Nachthemden von Mutti frisch gewaschen auf die Leine. Fein säuberlich und etwas gezogen, so dass die Falten aus der Kleidung gehen. Er nimmt sie runter, stopft sie in den Wäschekorb (Knitter) und schmeisst schwere SAchen wie Jeans oben drauf.
Ich sauge den Flur, weil die Nachbarn eine Dachgaube bauen und die Handwerker unsere Haustür mit verschmutzen. Mein Vater rennt alle 20 Mins vor die Tür, um in den Briefkasten zu schauen... Schleppt dann den ganzen neuen Schmutz in den Flur bzw. ins Wohnzimmer.

... oder das Highlight.

Mutti wünscht eine ihrer Leggings, die angeblich meinem Vater mit der Schmutzwäsche mitgegeben wurde. Besagte Leggings gibt es hier nicht, da ich seit Tagen die Wäsche mache. Meinen Vater lässt es keine Ruhe und bis nach Mitternacht wühlt er alle (und ich meine alle) Schränke nach dieser Leggings durch. Telefoniert mit meiner Schwester und sucht weiter... Heute erfahren wir, dass Mutti die Leggings angezogen hat. Sie befand sich nicht in der Schmutzwäsche sondern in der Sporttasche, die sie mit ins Krankenhaus genommen hat. Wer den Mist in den Schränken aufräumen kann, kannst du dir denken...

... das ich echt am Stock gehe, kannst du dir vorstellen. Ich habe ja sonst nix zu tun.
 

Alubehütet

Well-Known Member
... oder das Highlight.

Mutti wünscht eine ihrer Leggings, die angeblich meinem Vater mit der Schmutzwäsche mitgegeben wurde. Besagte Leggings gibt es hier nicht, da ich seit Tagen die Wäsche mache. Meinen Vater lässt es keine Ruhe und bis nach Mitternacht wühlt er alle (und ich meine alle) Schränke nach dieser Leggings durch. Telefoniert mit meiner Schwester und sucht weiter... Heute erfahren wir, dass Mutti die Leggings angezogen hat. Sie befand sich nicht in der Schmutzwäsche sondern in der Sporttasche, die sie mit ins Krankenhaus genommen hat. Wer den Mist in den Schränken aufräumen kann, kannst du dir denken...

... das ich echt am Stock gehe, kannst du dir vorstellen. Ich habe ja sonst nix zu tun.
Oh, Mann :(
 

sommersonne

Well-Known Member
Verzwickte Situation. Was willst du machen. Du musst jetzt durch. An deiner Stelle würde ich in der Woche nur das Allernötigste machen und dann am Wochenende gründlicher. Dann sieht es eben nicht immer wie aus dem Katalog aus. Vergiss nicht deine Schwester. Jetzt hat sie mal einen richtigen Grund Tage im Elternhaus zu verbringen.
 

EnRetard

Well-Known Member
Ich fürchte, du musst Prioritäten setzen. Sei weniger pingelig. Wenn dein Vater zehnmal Schmutz ins Haus trägt, saug nicht 10x hinter ihm her. Einmal Großputz in der Woche reicht. Er wirft Schuhe durcheinander? Egal, solange niemand drüber fällt. Falls doch, kommen sie in den Schrank. Mach ihm klar, dass er die Wäsche nicht anfassen soll, sonst kann er die Wascherei allein machen.
 

alterali

Well-Known Member
In jedem Fall darf man sich selbst nicht aufgeben!
Hilfe holen, soweit das möglich ist.
Auch ruhig 'fremde' Leute. Die vielleicht auch mal Tacheles reden.
Lass es mal ein paar Tage, vielleicht auch nur einen halben Tag so laufen, als ginge es Dich nichts an.
Kipp das Chaos auf sein Bett.

Du bist das Zentrum, die Verantwortung, aber verlang nicht zu viel.
 

Alubehütet

Well-Known Member
In jedem Fall darf man sich selbst nicht aufgeben!
Hilfe holen, soweit das möglich ist.
Auch ruhig 'fremde' Leute. Die vielleicht auch mal Tacheles reden..
Ich finde, @Almancali steckt da im Moment zu tief drin, um solche Grundsatzfragen jetzt zu lösen: Da hilft momentan nur „Augen zu und durch“. Kann er mal drüber nachdenken, aber er kommt nicht einmal mehr zu seiner Arbeit, wie dann zu einer Sozialberatung, wo er seine Situation mal grundlegend durchsprechen könnte?

Perspektive ist: Ist jetzt so, muß er jetzt durch, wird aber auch ein absehbares Ende haben. Natürlich sind solche Grenzsituationen, die körperlich wie seelisch an seine Grenzen gehen, Anlaß, mal überhaupt über seine Situation nachzudenken. Vielleicht zu erkennen, daß einiges so langfristig nicht mehr weiter gehen kann, wie es bisher lief. Aber da akut was zu ändern ... nicht er jetzt auch noch, momentan ist er die wichtigste Säule seiner Familie. Und: Es geht vorüber. Seine Mutti wird wieder laufen können. Dann weitersehen. Auch im Rückblick – Wo er gerade geballt mitkriegt, was ihn sonst nur schleichend mürbe gemacht hatte.



Edit: Wenn jemand natürlich konkrete Ideen hat, wie er Haushaltshilfen aus Sozialtöpfen – Pflegeversicherung, Jobcenter, weißichdochauchnicht – finanzieren könnte, dem stehe ich ja mit meinem Comment nicht im Wege :). Ich frage mich ja auch, ob er seine – geldwerten! – Tätigkeiten für seine Eltern nicht vom Jobcenter unterstützt kriegen kann (müßte doch sonst wer Externes für kommen?). Kenne mich da nicht aus. Oder hat jemand auch nur einen interessanten Link?
 
Zuletzt bearbeitet:

eruvaer

Well-Known Member
ein Ende wird diese Situation zwar haben, aber nur erstmal.
wie gut seine Mutti mit den neuen Teilen zurecht kommt, Ist nicht abzusehen. Es wäre ein guter Moment ihr Hilfe -erstmal nur eine Putzfrau- anzudrehen.
denn diese Situation ist eine Vorschau auf n Zeit.

aber das weiß er jetzt und wird hoffentlich demnächst Zeit haben sich mit seiner Schwester einen Plan zu überlegen.
ansonsten wird das wahr, was sich meine Eltern im Moment für mich vorstellen (weil ich ja keine Kinder hab :rolleyes: ):
neuer Karriereweg. Altenpfleger für Mama und Papa.
 
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