Ich finde,
@Almancali steckt da im Moment zu tief drin, um solche Grundsatzfragen jetzt zu lösen: Da hilft momentan nur „Augen zu und durch“. Kann er mal drüber nachdenken, aber er kommt nicht einmal mehr zu seiner Arbeit, wie dann zu einer Sozialberatung, wo er seine Situation mal grundlegend durchsprechen könnte?
Es ist sogar noch etwas komplizierter. Mutti hat eine Reha anfangs abgelehnt und uns (den Rest) damit in richtige Herausforderungen gebracht. Sie wollte aus persönlichen Gründen keine Reha, hat aber die Alternativen und Konsequenzen nicht zuende gedacht.
Im Krankenhaus hat man ihr dennoch zu einer Reha geraten, da der Laufapparat auch trainiert werden möchte usw.. Auch muss ja nachbehandelt werden usw.. Dann fiel ihr ein, dass sie auch eine ambulante Reha machen könnte. Das brachte die Sozialberatung im Krankenhaus richtig in Bedrängnis. Also wir stehen da schon im Kontakt mit der Sozialberatung. Ein nächster möglicher ambulanter Reha Termin wäre erst Mitte Juni.
In der Zwischenzeit liegen aber 5 Wochen, wo wir Mutti dann am "Hals" hätten. Alles was vorher ein Automatismus war. Also OP gefolgt von Reha, wo alles vorbereitet ist: Orthopädie, Essen, Schlafen, Ruhe, Eigenes auf die OP anbgestimmte Zimmer, tiefe Einstiegsmöglichkeiten für Duschen und Bad, Toiletten mit Haltemöglichkeiten und Griffen an der Wand um wieder hochzukommen.
Alles das haben wir hier im Haus nicht!
Was meinst du, wie ich mit der Sozialarbeiterin aus dem Krankenhaus am rotieren war. Wo soll Mutti schlafen, wo waschen, wo dies und jenes. Fragen auf die ich bedingt Antworten hatte. Schlafzimmer und Bad im ersten Stock. Nun haben wir uns darauf verständigt, dass Mutti Treppensteigen lernt (im Krankenhaus durch den Orthopäden - Mobilisierung). Damit kann sie Abends nach oben und dort schlafen, duschen usw.. und Morgens wieder runter. Dazu kommen externe Orthopädie und Gymnastiktermine, wo mein Vater sie hinkarren wird (Der Chirurg meiner Mutter hat genau so eine Praxis und wäre da genau richtig aufgehoben).
Allerdings waren diese Prozesse auch mit Arbeit (vermeidbarer Arbeit) verbunden. Alles das, was ein Automatismus in einer Reha wäre, müssen wir nun selbst organisieren.
In den 5 Wochen sehen wir dann, ob eine weiterführende ambulante Reha noch notwendig wird. Allerdings ist meine Mutter bereits wieder mobil auf dem Flur des Krankenhauses unterwegs, so dass das wohl besser laufen könnte, als wir jetzt dachten.
Allerdings einen Rat an alle hier:
Wenn ihr irgendwie eine OP macht + Reha... Dann um Gottes Willen macht die Reha!
Was meine Arbeit betrifft. Das ist recht schwierig, wenn man mit einer unterschiedlichen Generation im gleichen Haus lebt. Meine Eltern kennen Arbeit nur im Sinne von "Arbeitsleistung". Man steht morgens auf, klotzt und kommt Abends verschwitzt und verschmiert nach Hause und klappt zusammen.
Das ich hier von XX Uhr bis XX Uhr vor dem Rechner sitze... In Wohlfühlsachen wie einer Sporthose und am Rechner rumklimper... Das passt nicht in ihr Konzept von Arbeiten... Das Konzept des Homeoffice, der Selbstständigkeit, der geistigen (statt körperlichen) Arbeit wird nicht verstanden. Es wirkt eher auf sie, als würde ich am Rechner rumsitzen und nix tun... Wer nix tut kann sich nützlich machen...
Hinzu kommt noch - und das habe ich meinen Vater die letzten Tage versucht zu erklären - das wir nicht in der Türkei sind... Die 1960-1970 sind auch schon lange vorbei... In der Türkei (in ländlichen Provinzgegenden) erwartet man, dass die Kinder (und Enkel ... oder der ganze Clan) ein Rundumsorglospaket für die Älteren schnüren. Da ist immer einer da, der flitzt und sich kümmert. Bis zu einem gewissen Grad funtkioniert das auch.
Allerdings ist das hier in der BRD etwas anders. Bürokratische Zwänge geben u.A. auch den Takt vor. Ich kann nicht einfach so meine Eltern pflegen und meine Arbeit vernachlässigen, wenn keine Pflegestufe vorliegt. Wie rechtfertigt man einen Verdienstausfall, wenn keine Maßnahmen des MDK ergriffen wurden und sich hier keiner kümmert. Wie kommuniziert man - als Aufstocker - dem Amt gegenüber, dass man keine Zeit zum Arbeiten hat, da man sich um pflegebedürftige Eltern zu kümmern hat (wo keine Pflegestufe oder sonstige Bescheinigungen vorliegen). Das interessiert denen - wenn man es nicht nachweisen kann - nicht die Bohne. Dort im Amt wird das dann so bewertet, als würde man mit seiner Arbeit nicht vorwärts kommen und steckt dich ggf. in andersartige Maßnahmen, die dann alles andere konterkarieren.
In der Türkei wäre das in einem Clan etwas anderes. Da ist immer jemand... Frauen sind in der Regel eh zu Hause und hätten dann Zeit. Kinder sind schon lange da, erwachsen und haben selbst vielleicht schon Kinder... Alles halt irgendwie in trockenen Tüchern... Diese alten Konzepte funktionieren in der BRD nur bedingt. Auch in der Türkei verabschiedet man sich bereits davon (es gibt neuerdings auch Altenheime dort). Ein Konzept, das von meinem Vater nur widerwillig akzeptiert wird. Statt, dass das vernünftig verstanden wird, wird es als: "Meine Kinder haben mich verlassen und abgeschoben" aufgefasst. Ich kann leider auch meine Klappe nicht zu weit aufreissen hier im Haus, sonst werde ich vor die Tür gesetzt.
Aber erstmal muss Mutti wieder herkommen... Dann sehe ich weiter...