Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

Karagözlüm

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AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

hmm ich erinnere mich noch...vor 5 Jahren an diesem Tag war ich total weg...

ich kam total kaputt nach Hause, schaltete den TV an und wollte meine Serien gucken... (ich war schon halb eingepennt) und plötzlich sah ich auf fast jedem Kanal zwei Türme und ein Flugzeug ich total müde hab nix kapiert, dacht Hollywood, WErbung irgendetwas hab mir nix gedacht und hab den Tv ausgeschaltet (oder lief der sogar noch weiter´?) und bin eingeschlafen, war total fertig...(Normalerweise bin ich voll die Nachrichtenguckerin ... )
Am nächsten Tag ich auf dem Weg zur Schule, guck ich den Zeitungsstand an dem ich vorbeilaufe kurz an und sehe wieder diese zwei Türme ich lief weiter weil ich wieder mal zu spät dran war...
Erste Stunde Ethik...und die redeten über das Gestrige Geschehen reden von zwei Türmen Flugzeugabstürzen etc und ich sitzt so drin :confused:
Erst da wurd mir langsam alles klar...Das geht über meine Vorstellungskraft... Zuhause nochmal geschockt hab ich mich über alles informiert....

An diesen zwei Tagen war ich voll neben mir (am 11 Sept vor Müdigkeit hatte einfach nix mitgekriegt und am 12 vor Schock...)
 

babe78

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AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

Gerade letzte Woche Freitag habe ich im Fernsehen eine Berichterstattung gesehen zum Thema 11.September mit Helfern und Überlebenden.
Nicht nur gestern, sondern auch durch den Bericht habe ich mich zurück versetzt gefühlt an "den" Tag.
Diese Empfindungen von Wut, Schreck und Entsetzen kann ich nicht in Worte fassen. Als ich die ersten Berichte im Fernsehen sah, wusste ich zuerst nicht, was wirklich passiert war. Nach und nach wird einem dann klar, wie schlimm es tatsächlich ist und was da geschehen war.
Diese unzähligen Opfer !!!!! Nie wird dieser Tag vergessen werden.

Aber wie Zerd in seinem Beitrag schon sagte, leider ist vieles dadurch nicht besser geworden. Und der Angriff auf die "Macht USA" war irgendwann nicht mehr aufzuhalten.
Mich machen diese Kriege überall, mit den vielen unschuldigen Opfern, sowieso nur wütend und traurig. Aber das wird nie ein Ende nehmen denkt

babe
 

Hatice

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AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

Ich war in der Schule, ich hab von all dem gar nichts mitbekommen.
Am Nachmittag bin ich heimgefahren und mein Onkel und meine Großmutter haben fern gesehen, ich hab mir gedacht: aha, mein Onkel ist daheim, dem gehts auch gut, der muss anscheinend fast nichts arbeiten. Dann hab ich mir angesehen was sich die beiden ansehen und da hab ich dann gesehen was passiert ist.
Am nächsten Tag war das dann Thema Nr. 1, in der Schule haben wir in jeder Stunde darüber geredet, wir haben fast keinen Unterricht gemacht.
 
A

Anouk

Guest
AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

Es war ein normaler Tag, bis die Flugzeuge vom Himmel fielen. Nichts Besonderes, glaube ich zu erinnern, keine Termine, nicht heute, nur eine Geschichte, die längst fertig und nun dummerweise sehr plötzlich abgegeben sein soll. Stress. Das Klingeln des Telefons nervt und das Handy noch mehr. Nicht rangehen, nicht jetzt, tot stellen, incommunicado. Ich werde später zurückrufen. Derweil schrillt es auf allen Kanälen mit einer Penetranz, die keinen Aufschub mehr duldet. Ignorieren unmöglich.
Zum Glück bloß Thomas, ein Freund, bekennender TV-Junkie, erleichternd, eine Sekunde. Bis er sagt, nein: befiehlt, ich soll sofort, sofort!, den Fernseher anwerfen. Mieser Scherz, knurre ich, bitte lass mich jetzt doch gerade mal mit so was in Frieden. Kein Scherz!, sagt er, bis später!, dann liegt der Hörer.

Die Bilder halte ich im ersten Moment für ein Remake irgendeines überdrehten Katastrophenfilms. Typisch Thomas.

Aber da brennt schon der Nordturm, wenig später der Südturm, oh mein Gott, alles in Echtzeit, und was erzählen die vom Pentagon? Ich verstehe alles und nichts, rufe meinen damaligen Freund im Büro an, Kollegen, weitere Freunde, Kollegen, meine Schwester, Kollegen, alle sind aufgewühlt, erschrocken, fühlen sich am falschen Platz, im falschen Film, beim falschen Event. Alles surreal.
Auf dem Schreibtisch Fotos von der Einschulung meines Sohnes vor wenigen Tagen. Glücklich sieht er aus, unbeschwert, in seinen Augen blitzt der Schalk. Jetzt will er wissen, was los ist und weicht mir nicht von der Seite.
Ich weiß nicht, sage ich; geh spielen, sage ich; das ist nichts ... verstehst du... nur eine Geschichte ... So ähnlich wie ein schlimmer Traum, verstehst du?

Aber er bleibt und versteht viel zu viel, und ich halte ihn im Arm und versuche zu erklären, dass es Leute gibt, die böse sind, richtig böse, und dass sie Dinge tun, die kein Mensch versteht, niemand, auch ich nicht, nicht jetzt, noch nicht.

Da sterben Menschen... oh mein Gott, muss ein Kind das mit anschauen?!

Schließlich trollt er sich, vorerst beruhigt. Aber der Tag hat sich ihm so eingeprägt wie mir als Kind jene Nacht, in der die ersten Menschen auf dem Mond landeten. Bilder, die haften bleiben, ob im Guten oder im Schlechten.

Am 12.9.2001, der Fernseher läuft noch immer oder schon wieder, ruft mein Bruder an. Sein engster Freund Freddy vermisst seine Freundin. Sie arbeitete im Nordturm oberhalb der Einschlagstelle. Seitdem kein Lebenszeichen. Freddy ist total durch den Wind. Es gibt mehrere Listen im Netz. - Nichts. – Überall Warteschleifen, auch im TV, die Hymne dazu: „Only time“...

Wozu braucht es Musik, um das Inferno zu orchestrieren? Verdammt, können die nicht einfach nur still sein? Einfach nur mal: still ?!?

Eine Sondersendung löst die nächste ab. Zeitungen erscheinen in doppeltem bis dreifachen Umfang. Ein großer deutscher Verlag erweitert seine Unternehmensstatuten und bekennt sich ab sofort (mit allen Beschäftigten, die nicht gefragt wurden) zur „Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und [...] Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.“

Man weiß nicht, ob man heulen oder gleich zynisch werden soll und ahnt instinktiv: das war erst der Anfang. Von was auch immer. Irgendwas dreht sich, verdreht sich, die Geschichte wird jetzt benutzt. Für was auch immer. Der Wind nimmt zu; das Klima wird rauer; und wir sind Statisten.
Die Freundin des Freundes meines Bruders bleibt verschollen.
 
S

simonehai

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AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

Einer der wenigen Tage, die man nicht vergessen wird...

Ich kam in ein Autohaus u. wollte mich nach einem Neuwagen erkundigen, einfach so, schließlich hatte ich nicht wirklich den Plan, mir ein neues Auto zu kaufen.

Als ich dort ankam fand ich es unverschämt, dass mich keiner beachtete. Da standen doch alle Verkäufer vor einem Fernseher u. sahen sich einen schlechten Film an. Nicht, dass das schon unverschämt genug wäre, nein, sie besassen noch die Dreistigkeit, mich zu fragen, ob ich mich setzen wolle u. mir das mitanschauen möge.
Völlig verdattert saß ich nun da, stierte auf den Bildschirm u. realisierte erst nach einigen Sekunden, dass dies keinesfalls ein schlechter Film war.

Es war die schreckliche Realität.

Nachdem ich wohl ca. eine halbe Stunde dort gesessen habe, bin ich auf und davon u. habe mich zuhause vor den Fernseher gesetzt u. habe mir die Bilder immer und immer wieder angeschaut. Auf der einen Seite wollte ich meine Augen verschließen, auf der anderen Seite konnte ich nicht wegschauen. Auch ich habe in der Zwischenzeit immer wieder mit Freunden telefoniert u. mich vergewissert, dass alle wohlauf sind (dabei war zu diesem Zeitpunkt keiner meiner Freunde in Amerika).

Tageland lief im Fernsehen nichts anderes, die Zeitungen berichteten u. man sprach nur noch von diesen Angriffen. Das Geschehene war einfach zu schrecklich um es zu begreifen und ist es heute noch...

... unvergesslich ...


Lieben Gruß, Simone
 
C

cokomel

Guest
AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

ich steckte mitten in einem auftrag und hörte nur im hintergrund radio..
das gekreische von dem zuschnittmesser war lauter als das ich überhaupt etwas verstehen konnte...
.. bis mein betriebsnachbar angelaufen kam..
wild gestikulierend um mich auf etwas afmerksam zu machen..
aber wie es im leben so ist..man sich sich selber der nächste..mir war egal wo was passiert ist und habe weiter an meinem auftrag gearbeitet..
ich hielt es ehrlich gesagt auch für einen blöden scherz von ihm..
wieder ein grund um bei uns tee zu trinken und ein bissel seine zeit vertrödeln..
die zeit verging..
nachrichten über nachrichten.. und immernoch hörte ich wohl nicht richtig hin..
bis meine freundin mich anrief..aufgeregt von dem was sie im fernseher mitbekommen hat..
ich habe es aber immernoch nicht registriert..nicht in dieser dimension!
ein flugzeug ist abgestürzt.. ist ja schon gut.. sind all die jahre vorher auch immer wieder..wieso regt man sich jetzt denn so auf?
bis ich zuhause die bilder sah
versteinert und zu keiner gefühlsregung fähig saß ich stundenlang davor und versuchte zu verstehen was dort passiert ist..
ich verstehe es heute noch nicht.

ich habe mir nichts mehr davon angeschaut, keine reportage kein bericht im TV
ich kann es mir einfach nicht ansehen ohne zu weinen
 
M

mar

Guest
AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?


das war ein furchtbarer Tag für mich. ich kam von der Uni nach Hause, wollte etwas auf dem TV programmieren und sah die Türme... ich dachte, sich.... jetzt bringen sie im Fernsehen schon nachmittags solche Filme...dann der Kommentar. zeitgleich klingelte das Telefon. die Mutter meines Freundes rief an... ob ich was wüßte, gehört hätte- denn er arbeitete für seine Firma 3 Jahre in NY (seine Wohnung war ganz nah downtown) von dem Moment an habe ich nicht schlafen können , 3 Tage telefonierte ich und nahm Anrufe entgegen... Freunde , die wußten, das ich oft mit NY telefonierte, wollten wissen ob es was Neues gäbe- am schlimmsten waren die hilflosen Anrufe der Mutter...2 Freunde aus Texas riefen an, um zu sagen , das es ihnen gut ginge ( einer war Pilot bei AA, war aber gerade in Pension gegangen...aufatmen) endlich- am Donnerstag kam ein recht kurzes Telefonat aus NY - "mir geht es gut, ich bin bei Freunden untergekommen, ich darf nicht in meine Wohnung für einige Zeit bitte sag allen Bescheid " ) Frühjahrs darauf musste ich nach NY. dort erfuhr ich, das Sherry ( Peter Sheridan) , den ich in heiterer Runde mit Freunden in Berlin kennengelernt hatte, unter den Opfern war. ich bin NICHT zu ground zero gegangen. ich möchte in Stille an den Menschen denken und and die Menschen , die ich nicht gekannt habe, die aber plötzlich präsent in unser aller Leben sind .
mein Blick auf die USA ist kritisch und ambivalent . politisch und diplomatisch ist von seitens der USA soviel verschleiert worden, soviel Ungereimtes und soviel offensichtlich Widersprüchliches an die Öffentlichkeit gedrungen, das es im nachherein wie ein Schlag ins Gesicht der Opfer wirkt. das Ausschlachten von Leid und das Missbrauchen dieses Leides macht , das man spürt, das hier etwas absolut Unnatürliches geschehen ist- irgendetwas stimmte an diesem Szenario nicht , ein Katastrophenfilm, bei dessen Premiere keiner applaudieren will... und als ob der Regisseur nachlegt mit Nr. 2 und Nr. .3 ... ein paralysiertes Land wird in Kriege hineinmanövriert...
ich denke oft an diesen Tag, an diese 3 Tage , an denen ich nicht schlafen konnte...
obwohl man seinen Tag lebt , sich liebt, umarmt, die Kinder zur Schule schickt, man auf der Reise ist oder das Mittagessen kocht- immer ist man in gewisser Weise eng mit Leben und Tod verbunden.
ich schließe die Augen und sehe manchmal den lachenden Sherry beim gemeinsamen Sushi-essen; ich denke daran, und diese Bilder im Kopf ... die Menschen, die in den Tod sprangen- die kommen zurück an solchen Tagen...ich denke an sie und ich muss innerlich weinen. So ohnmächtig zu sein...
 

wiebke

New Member
AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

ich kam nachmittags aus der uni, ein enger freund rief an, ich solle den fernseher anschalten. ich blieb den ganzen nachmittag und den abend in fast unveränderter sitzhaltung, telefonierte mit freunden, sprach mit meinen eltern, konnte nicht fassen, nicht begreifen, was passierte. die tage darauf blieb ich in dieser von den medien unterstützten trance, hörte Enya im radio - und begriff erst apäter, wie ich in meiner meinungsbildung manipuliert wurde, wie ich mich in diese massentrauer gestürzt habe. nicht das ich den schock und die trauer bagatellisieren will. aber alles danach, bzw. ab der ersten live-schaltung war eine perfekte inszenierung, die bis zum heutigen tag andauert und in meinen augen das wahre drama ist.
 
M

mar

Guest
AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

in zwei tagen ist der 11. september.
dieser thread ist noch nicht verjährt. so wie die trauer, wut und der schmerz nicht...
 

babe78

Active Member
AW: Was hast du vor fünf Jahren gemacht?

denke auch jedes jahr wieder dran, wie geschockt ich war als die schrecklichen bilder im TV liefen :-(
 
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