AW: Was lest ihr ??
So lügt man mit Statistik von
Walter Krämer (Prof. für Wirtschaftsstatistik)
Das Buch ist unterhaltsam und flüssig geschrieben.
Viele Themen werden mit "praktischen" Beispielen erläutert.
Die Illusion der Präzision: 82 Millionen, 217 Tausend und 837 Personen in Deutschland => Ist Firlefanz. Scheinpräzisionen sollen über grobe Zahlen hinwegtäuschen: 8,3 Liter Milchkonsum, 3713 Kalorien pro Kopf etc.
Betrügerische Basis: Die Wirtschaftswoche z.B. manipuliert beim Umsatz der deutschen Textilindustrie grafisch mit Auswahl einer bestimmten Basis, um eigene Aussagen zu untermauern.
Vorsicht Kurve: Die Kriminalitätsstatistik, die deutschen Bildungsausgaben oder die Verbrauchswerte von Peugeot-PKWs wird mit Manipulation und Verzerrung der x- u. y-Achse oder unkenntliches Abschneiden in seinem Aussagegehalt verändert. Ebenso z.B. eine Grafik zu Influenza-Erkrankungen des Robert-Koch-Instituts.
Protzige Prozent: Die FDP bei der Frauenquote verschleiert absolute Zahlen, indem sie mit protzigen Prozent "relativiert" oder nichtssagende Angaben der Haushaltsgrößen zu Single-Haushalten des Amts für Statistik.
Manipulierte Mittelwerte: Die Bundesärztekammer sucht sich genehme Instrumente zur Angabe der Durchschnittseinkommen der Ärzte aus...
Trügerische Trends: Falsche bis lächerliche Trendextrapolationen z.B. durch den SPIEGEL.
Der synthetische Superlativ: Durch Bescheissen einer Vergleichsbasis kann jeder Scheisse wie Gold zum Glänzen bringen.
Die vorsortierte Stichprobe: Durch verzerrte Stichproben fantasieren sich etwa Fachzeitschriften oder Zeitungen Behauptungen (die und die seien schlauer als...) zusammen.
Das frisierte Piktogramm: Piktogramme (mit falschen Proportionen), statt Kurven in Grafiken manipulieren in ihrem Aussagegehalt die Leserschaft. Beispiele: VW, CO2-Ausstoß, Zahlenspiegel BRD/DDR, Subventionen, Kindergeldanstieg in Deutschland...
Wie es in den Wald hineinschallt: Suggestive Fragebögen manipulieren Befragte, um gewünschte Ergebnisse präsentieren zu können: IG Metall, Arbeitgeber/Politiker
Statistisch oder wirklich arbeitslos: Tricks und Techniken zur Ermittlung der Arbeitslosenzahlen.
Arm und reich – alle gleich? => Der Maharadscha-Trick und die wundersame Vermehrung der Eskimos

)
Allerlei Kartentricks: Manipulation von Land- und Dichtekarten um z.B. Kriminalität oder die Bevölkerungsdichte je nach gewünschtem Aussagegehalt interpretieren zu dürfen.
Korrelation kontra Kausalität: Urkomisch!! Nonsensinterpretationen (Ehemänner leben länger, Gehälter, Klapperstörche), bei denen nach einer Korrelation irrtümlich auf Kausalzusammenhänge geschlossen wird.
Fluglärm erzeugt Aids: z.B. Manipulation/weglassen von Stichproben (Teilstichproben) um falsche (u.a. politische) Signifikanzen herzustellen.
Mythos Sozialprodukt: Vergleichbarkeit von Sozialprodukt von Ländern. Um praktisch "Äpfel mit Birnen" vergleichen zu können.
Welchen Zahlen kann man noch vertrauen? DDR-Statistik oder der Krieg zwischen dem Perserheer Xerxes und den Griechen. Zahlenmanipulation kann man langfristig durch logisches Hinterfragen auf die Schliche kommen.
Meine Bewertung: Das Buch ist für Sozial-, Wirtschaftswissenschaftler, Juristen, Ärzte etc. dringend empfehlenswert, um im jeweiligen Bereich Statistiken (sensibel) interpretieren zu können. Und für aufgeschlossene Bürger. Der Rest kann sich weiterhin von Meinungsmachern besudeln lassen...
Ein Zitat von Gauß aus dem Buch:
"Der Mangel an mathematischer Bildung gibt sich durch nichts so auffallend zu erkennen wie durch maßlose Schärfe im Zahlenrechnen."