AW: Wunder??
Die Gelassenheit bezog ich iS einer persönlichen Befindlichkeit oder allgemeinen Lebens- gestimmtheit auf Deine Aussage: Die Dinge "passieren einfach"- logisch oder zufällig zusammenhängend.
Was ich darunter verstehe betrifft das grundlegende Phänomen des Hinterfragens an sich. Das fortwährende Beurteilen und Werten, das ständige ich-bezogene Kreisen um Gedanken und Gefühle, das Hadern - oft ohne zu handeln, das Hoffen und Bangen, die reflektierte Vorfreude, das sich freuen über persönliches Glück als Reflektion.
Gelassenheit tendiert dagegen in Richtung Einverständnis und Selbstvergessenheit.
Was die Transzendenz betrifft:
Mir geht es nicht primär um den physchen Einfluss auf die Kausalkette von Ereignissen sondern das grundlegende Phänomen des Erlebens des Lebens als Begrenztes, das Erleben von persönlichen Widerständen, das Erleben des Bewegtwerdens und Bewegens. Ein Tier reagiert instinktiv. Es verbindet je nach Entwicklungsstand mit der Wahrnehmung der Umwelt und seiner Mitgeschöpfe, mehr oder weniger ausgeprägte seelische Empfindungen (Furcht, Aggression usw.- was letztlich im Hinblick auf sein Innenleben natürlich auch "Glaubenssache" ist). Es bleibt in dem Sinne "gelassen", als sein Bewusstsein die Dinge nimmt, wie sie kommen, ohne weiter darüber nachzusinnen. Im Laufe der Entwicklung scheint die Bewusstwerdung zuzunehmen.
Der materiellen Aufwärtsentwicklung der Materie setze ich eine Abwärtsentwicklung des Geistes entgegen.
Der Mensch stellt bereits bewusst die existentielle Frage. Durch sie versucht er permanent, sich und seine Umwelt zu bestimmen und die Grenzen seiner Wahrnehmung, seiner Kenntnisse zu erweitern. Durch die Wissenschaft versucht er bspw., die Wirklichkeit zu erforschen. Letztlich ist er ein Suchender, der das Grenzen erleben und überschreiten- den Hang zur Transzendenz sozusagen in sich trägt. Es ist ihm ein "Bedürfnis".
Newton hat einmal sinngemäss gesagt: Wären zum Zeitpunkt x alle physikalischen Voraussetzungen bekannt, könnte man mit Hilfe einer Weltformel alle Ereignisse in Ewigkeit voraussagen.
So weit muss man nicht gehen, um sein Leben erheblich von äusseren Faktoren bestimmt zu sehen. Je gelassener Menschen sind, destoweniger stört es sie allerdings. Zen- Meister behaupten, wer die Tiefe des Seins erfährt, dem kann nichts mehr genommen oder hinzugefügt werden. Ich bin davon überzeugt, dass es noch höhere Wahrheiten gibt, deren wir uns bewusst werden wollen.
Und jetzt wird es "krass":mrgreen: :
Die spirituelle Gelassenheit lässt mE nach nicht in der Aussenwelt finden, sondern nur im -ich nenne es- selbst. Dieses Selbst halte ich übrigens für zeitlos, es ist das, was von Augenblick zu Augenblick durch mich, durch die Identifikation mit mir selbst gegenwärtig ist.
Meiner "Auffassung" nach ist Zeit übrigens unwirklich. Die Naturwissenschaft ist eine Beschreibung der Welt, wie wir sie wahrnehmen- weil wir sie wahrnehmen, wie sie ist. Nur wo wir "wahrnehmen" ist Wirklichkeit. (Nur um Missverständnissen aufgrund meiner zuletzt etwas nebelhaften Ausdrucksweise vorzubeugen: Ich liebe die Naturwissenschaft und kenne sie recht gut)