Es tut mir wirklich weh wenn ich von irgendwelchen pseudo Ausländerfreunden hören muss das man die Koffer packen soll, nur weil einiges einem nicht passt.
Ich hab einen deutschen Pass und bin hier groß geworden. Meine Examensarbeit schreibe ich über die Bildung von Migranten in Deutschland. Ich habe unter anderem Deutsch studiert.. warum? Vielleicht auch deshalb, weil ich die deutsche Sprache liebe...
Bis jetzt lebste ich immer friedlich in diesem Land, abgesehen von kleinen Vorfällen, zum Beispiel als ich irgendwann in die Schule eingebrochen bin um die Tischordnung zu ändern oder als ich im Winter mit meiner Kindheitsliebe in den Park eingebrochen bin, keine Ahnung warum..., aber wie gesagt das ist alles nochmal gut gegangen. Meine kriminelle Karriere besteht nur aus solchen Ereignissen in meinem Leben.
Ich habe mich als Kind auch nie beschwert, auch nicht als mein Lehrer in der Grundschule -Gott hab ihn seelig- zu mir als 10 jährige sagte: ,, diese kleine Türkin sollte nicht so viel schwätzen". Naja ein paar Monate später wollte er mich in die Hauptschule schicken. Gut das mein Vater sich dagegen gewehrt hat, am Ende einigten sie sich auf Realschule. Bei einem sehr guten Notendurchschnitt...
Auch als alle meinen ersten Freund Max fertig gemacht haben, weil er mit ner Türkenbraut zusammen war, beschwerte ich mich nicht. Oder als ich im Sommer ins Freibad gegangen bin und die Leute hinter vorgehaltener Hand tuschelten: ,, dass die als Türkin schwimmen darf"... lies mich nicht aus der Bahn werfen!
Aber kleine Zwischenfälle bleiben nicht ohne große Wirkung. Das Ergebnis: Einsamkeit. Ein lebender Kulturbruch zu sein hat seine Nachteile. Es ist wirklich nicht einfach mit den verschiedenen Einflüssen fertig zu werden. Für einen selbst ist es wohl am schwersten, da muss die Außenwelt auch nicht unbedingt etwas bemerken. Einfach alles, die Religion, das freie Leben hier, Jungfreulichkeit, das Herkunftsland, die eigene Identität und noch vieles mehr haben mich sicher mehr bewegt als meine deutschen Klassenkameraden.
Seit ein paar Jahren ist mein Leben hier nicht mehr so friedlich, wenn ich so spontan zurückdenke, dann seit dem 11. September... dem Tag als man einen neuen Sündenbock fand!!!
Ich verstehe das Ausländer Probleme für die Mitbürger verursachen. Was ich nicht mehr verstehe, ist das intolerante, aufgeheizte Klima das ich seitdem hier deutlicher spühre als sonst. Ich verstehe es wirklich nicht und vorallem nicht in Deutschland. Bei einem Volk , daß sich in der Vergangenheit so schwer mit Schuld beladen hat..., entschuldigt wenn ich wieder mit dem Thema ankomme, ich weiss, ihr könnt nichts dafür!!!
Fluchtgedanken... Mein deutscher Pass ist also wertlos...Nein wie früher wird in Deutschland keiner mehr verfahren. Vergast wird man hier nicht. Die Diskriminierung die sich hier abzeichnet ist weniger grausam....
Ich muss der deutschen Seite, der hälfte in mir eine Chance geben. Ich habe Vertrauen in dieses Land. Eine Stimme sagt mir das die deutschen alles was sie machen gründlich machen. Ich verharmlose das Problem. Ich bleibe Blind wie viele andere Menschen...Ich ignoriere Parolen wie " wird Deutschland türkisch".." Wenn das so weitergeht gibt es bald keine Deutschen mehr"
Ich weine in mich hinein...gehe an Mauern vorbei an denen "Türken raus" steht. Ich denke an meine liebe Oma in der Türkei, an die türkische Gastfreundschaft, denke an unsere schöne Wohnung in der Türkei, an unser Haus hier, das meine Familie mit eigenen Händen gebaut hat. Nein ich lasse mich nicht aus meinem Haus, meiner Stadt.... Ja meinem Land verdrängen....
Meine türkische Seite weint. Mein Herz schmerzt. Die deutsche Seite in mir findet das übertrieben. Das gibts in jedem Land. 10 Prozent Faschos sind normal... Aber ich lebe in diesem Land und ich mag meine türkische Seite...Mag sie auch pathetisch sein... zumindest hat sie Herz!!!