Allgemeine Dienstpflicht: sinnvoll oder Unsinn?

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von Bintje, 8 August 2018.

  1. EnRetard
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    EnRetard Well-Known Member

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    Welcher demenzkranke alte Mensch ohne Angehörige oder mit solchen, die froh sind, ihn los zu sein (meine Schätzung: ein Drittel der Pflegeheimbewohner) kann denn die Einrichtung verlassen? Wo hilft denn eine Drohung mit sowas, wenn alle Heime voll sind und die Plätze auch dann wieder besetzt werden, egal woran die Vorgänger gestorben sind?

    Warum ist die Bezahlung unwürdig? Fragst du das im Ernst? Riesenverantwortung, Rücken kaputt, Schichtdienst und in den boomenden Ballungsräumen reicht's kaum für die Miete und wenn Familie, dann zum Aufstocken ins Hartz-Amt, Hosen runter und anscheißen lassen, warum man keinen besser bezahlten Job findet.
     

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  2. Skeptiker
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    Skeptiker Well-Known Member

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    Ja, das frage ich dich im Ernst und die von dir gepostete Tabelle stützt eher meine als deine Argumentation, zumal du auf das Grundgehalt ja noch €200-€300 steuerfrei dazurechnen kannst sowie das es 13 Gehälter sind.
     
  3. EnRetard
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    EnRetard Well-Known Member

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    Du bezogst dich auf den öffentlichen Dienst. Das ist das Maximum, das in der Altenpflege verdient werden kann. Die meisten Einrichtungen gehören nicht den Kommunen und zahlen nicht nach Tarif. Sie zahlen weniger. Vielfach den Pflegemindestlohn von 10,55 (West) bzw. 10,05 (Ost) Da wird es selbst in Dortmund oder Leipzig mit der Miete knapp.

    Ich habe im Bekanntenkreis drei Altenpflegerinnen. Alle drei über sind examiniert, über 40, und arbeiten für drei unterschiedliche Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft. Sie kriegen natürlich mehr als den Mindestlohn. aber: Eine ist Alleinverdienerin. Seit drei Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Leben Ohne Hartz nur, weil Wohneigentum. Die anderen kommen über die Runden, weil Ehemänner auch verdienen.

    Warum verdienen Pfleger im KH 30% (Ost) bzw. 18 % (West) mehr? Und selbst Krankenschwestern sind nicht für üppige Gehälter bekannt.
     
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  4. Bintje
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    Bintje Well-Known Member

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    Theopraktisch scheitert es bei Schulabgängern am Mindestalter. Schöffen müssen mindestens 25 Jahre alt sein, bei manchen Gerichten 30 (Handelsgericht zum Beispiel) oder sogar 35. Das hat Sinn, denn ein Minimum an praktischer Lebenserfahrung braucht es.

    "Geschanghaite" :D - lustiger Ausdruck, lange nicht mehr gelesen, aber es hat was davon. ^^

    Die FAZ tönte gewissermaßen ins selbe Horn, indem sie AKK dafür pries, mit dem Vorschlag auf konservative Merkel-Kritiker zuzugehen und nebenbei an das immer wieder verschobene, aber nun wirklich geplante Fachkräftezuwanderungsgesetz erinnerte.
    http://www.faz.net/aktuell/politik/...84-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_1
    Diese Verknüpfung muss man erst einmal fertig bringen. Aber das ergibt vermutlich Sinn, sobald der Gesetzesentwurf auf dem Tisch liegt und dessen Väter (u.a. Horst Seehofer) die Qualifikationshürden eingedenk zahlreicher inländischer Schulabgänger, die es zu beschäftigen gelten würde, richtig hoch geschraubt haben.

    Ich finde den Vorschlag überwiegend schwachsinnig. Erst wird die Anzahl der Schuljahre verkürzt (G8), dann wieder verlängert (Rückkehr zu G9), was in Schulen ziemlich viel Wirrwarr stiftet; dann setzt das große Gejammer ein, dass die Youngsters vor dem Berufseintritt angeblich nichts mit sich anzufangen wüssten außer Chillen und Work-and-Travel. Woraus die "Welt" auf Grundlage eines Zitats von Jugendforscher Klaus Hurrelmann die knallige Schlagzeile bastelte, es handele sich um eine "ichbezogene, egoorientierte junge Generation" (doppelt gemoppelter Pleonasmus wörtlich übernommen). Dabei plädierte Hurrelmann vor allem für ein Berufsfindungsjahr. Wer abseits der Paywall nachlesen will, was der Forscher gesagt hat, wird hier fündig:

    https://www.tagesspiegel.de/politik...mpfielt-berufsorientierungsjahr/22891830.html

    Ein Berufsorientierungsjahr fände ich allgemein nicht schlecht. Aber Praktika sind an weiterführenden Schulen eh längst Pflicht - das scheint er vergessen zu haben. Klar bringt ein maximal drei- oder vierwöchiges Schnupperpraktikum nicht so viel wie ein ganzes Jahr. Aber das kann, wie z.B. bei meinem Sohn, auch total nach vorn losgehen. Dem haben sie sofort danach einen Nebenjob für nachmittags/abends neben der Schule angeboten, dann eine reguläre Ausbildung. Die hat er gemacht, ist glücklich damit, arbeitet und bildet sich jetzt weiter, um auf Dauer mehr zu verdienen und irgendwann ins Ausland abzuspringen. Andere gondelten erstmal ausgiebig um die Welt, jobbten nebenbei und warteten auf inzwischen ergatterte Studienplätze in NC-Fächern, gingen zur Bundeswehr und hängten ein FSJ dran (Pflege) oder überbrücken die Zeit bis zur Volljährigkeit (Nachteil von G8: Minderjährige können noch nicht mal einen Mietvertrag allein unterschreiben oder ein Work-and-Travel-Visum für Australien beantragen) mit Saisonjobs.

    Ich denke, egal, wie manche überehrgeizigen Eltern und Politiker jammern, weil die Kindchen mit Anfang 20 in der Regel noch keine erfolgreichen Entrepreneure sind: aus allen wird was, wenn man sie lässt. Man muss ihnen nur Zeit geben und ihnen was zutrauen. Und wenn die Schulen das Rüstzeug für Bewerbungen und etwas Lebenspraxis vermitteln: umso besser. Dafür braucht es kein allgemeines Dienstjahr.
     
  5. Skeptiker
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    Dann sind die aber nicht im öffentlichen Tarif und nicht Gegenstand meiner Argumentation.

    Ich ja jetzt auch und ich kann mich nicht beklagen (Caritas-Tarif). Ist zwar nicht üppig und reich wird man damit auch nicht, aber ich bin ja (noch) ungelernt. Ich verdiene jetzt mit 35Std./Woche mehr als in meinem alten Job mit 40+Std./Woche. Von der Betriebsrente nicht zu reden. Jetzt gerade Tarifabschluß durch....in den nächsten drei Jahren 7.3% Lohnsteigerung plus zwei Einmalzahlungen.
     
  6. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    Ich glaube, dass niemand hier je daran gezweifelt hat, dass man im öffentlichen Dienst genug verdient :confused:
     
  7. alteglucke
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    alteglucke Moderator

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    Was heißt denn genug? Wenn ich mir die Stellen anschaue, die in meinem Bereich ausgeschrieben sind, dann zeichnen sich die im öffentlichen Dienst immer durch besonders irre Anforderungen bei besonders grottigen Gehältern aus.

    Und das zieht sich durch alle Bereiche, die ich kenne - die Gehalts-Einstufungen gehen nach unten, die Anforderungen nach oben, Aufstiegschancen gibt es fast keine und es gibt nirgendwo so viele befristete Stellen wie im öffentlichen Dienst.
     
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  8. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    Genug zum Leben ohne auf Hartz4 oder einen besser verdienenden Partner angewiesen zu sein.
    Ob das nun genug für Leistung und Fähigkeiten ist, kann ich nicht beurteilen und wird sich auch so pauschal nicht sagen lassen. Wo doch einige Handlampen in sehr guten Stellungen ausserordentlich gut verdienen (bspw der ein oder andere Politiker ;) )
     
  9. alteglucke
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    alteglucke Moderator

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    Junge Lehrer müssen oft Hartz 4 beantragen: Für die gibt es nämlich befristete Verträge bis zum Ende des Schuljahres. Und ALG 1 gibt es erst ab einem Jahr durchgehender Beschäftigung.
     
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  10. Skeptiker
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    Skeptiker Well-Known Member

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    Ich denke das läßt sich so pauschal nicht sagen, denn in BaWü zum Beispiel werden Lehrer direkt nach dem 2.Staatsexamen verbeamtet. In Bayern erst nach 1 od. 2 Jahren. Ich denke mich daran zu erinnern, daß in Sachsen gar keine Lehrer mehr verbeamtet werden. Kommt also sicherlich auch auf das Bundesland an.

    Die Gehaltseinstufung ist doch, wie man an @EnRetards Anhang erkennen kann, festgelegt.
     
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