Deniz Yücel

Alubehütet

Well-Known Member
Yücel war ein hohes Risiko eingegangen zu einem Zeitpunkt, wo noch keine Menschen mit deutschem Paß aus politischen Gründen eingelocht waren. Er wußte Friede Springer, also Merkel hinter sich. Und hat sich bei eindeutiger Gefahr sofort ins deutsche Konsulat begeben. Und hat es erst verlassen, als es einen Deal zwischen Yildirim und Merkel gab.
 

Alubehütet

Well-Known Member
Der ist ein hohes, aber kalkulierbares Risiko eingegangen. Daß Erdogan ein Versprechen gegenüber Merkel brechen würde, damit war zum damaligen Zeitpunkt nicht zu rechnen.

Mutig war das, vielleicht auch verwegen. Aber nicht wahnwitzig oder tollkühn. Er wußte nicht, was wir heute wissen.
 

Mendelssohn

Well-Known Member
Ich verstehe das mal nicht als „selber Schuld“.
Sagen wir mal so: Hätte er beim deutschen Generalkonsulat nachgefragt, hätte man ihn über das Risiko aufgeklärt und ihm möglicherweise von einer Reise in die Türkei abgeraten.
Punkt ist aber auch, daß er der Journalist der Welt vor Ort war, genau für diesen Job in der Türkei (wo es drunter und drüber geht) vom Chefredakteur angeheuert wurde. Also er ist nicht "freiwillig" gegangen, sondern wurde von seinem Arbeitgeber geschickt. Nicht Yücel hat sich überschätzt, sondern sein Arbeitgeber.
Ich mußte vor einigen Jahren mal in die Ostslowakei, unmittelbar an der Grenze zur Ukraine, als dort gerade der Krieg tobte. Da wurde ich auch nicht gefragt, ob mir mulmig sei.
 

Mendelssohn

Well-Known Member
Mutig war das, vielleicht auch verwegen. Aber nicht wahnwitzig oder tollkühn. Er wußte nicht, was wir heute wissen.
Noch einmal, Yücel ist Angestellter. Er hat seinen Job gemacht. Also das, wofür er bezahlt wird. Daß er im Knast sitzt, hat Die Welt zu verantworten, genauer gesagt der Chefredakteur für Außenpolitik. Es spielt keine Rolle, ob Yücel u. U. anheimgestellt wurde, zu fahren oder nicht zu fahren. Er wurde geschickt. Und er hat seinen Auftrag über die Bedenken gestellt.
Heute würde keine Redaktion eine(n) Journalisten/Journalistin mit türkischem Namen nach Istanbul schicken. Selbst Biodeutsche nur im Tross der Amerikaner.
 

sommersonne

Well-Known Member
Ja, das ist richtig, seine Redaktion hat die Hauptschuld. Aber musste er zur Polizei gehen, hätte er nicht besser ausreisen können, es zumindest versuchen.
 

Alubehütet

Well-Known Member
Der ist da nicht hingeschickt worden. Er ist im Gegenteil zuerst da abgezogen worden, mußte mit seinem Arbeitgeber diskutieren.

In einer Mitteilung über den Abzug des Spiegel-Korrespondenten Hasnain Kazim vom 17. März 2016 gab Die Welt bekannt, dass sie Yücel „zum Schutz ihres Korrespondenten“ vorläufig aus der Türkei abgezogen habe.[25] Am 4. April berichtete Yücel wieder aus der Türkei, als er zum Inkrafttreten des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei vom türkischen Küstenort Dikili vom ersten Rücktransport von Flüchtlingen berichtete.[26] In der Nacht des versuchten Militärputsches am 15. Juli 2016 berichtete er von Geschehnissen in Istanbul.[27]
https://de.wikipedia.org/wiki/Deniz...respondent.2C_Festnahmen.2C_Untersuchungshaft
 

Alubehütet

Well-Known Member
Aber musste er zur Polizei gehen, hätte er nicht besser ausreisen können, es zumindest versuchen.

Möglicherweise hat ihm das sein Rechtsbeistand geraten.
Die FAZ will wissen, daß es am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz eine Verabredung gegeben habe zwischen Yildirim und Merkel. Die selbe Handschrift wie jetzt bei Schröder und Steudtner: „Aber laß es wie einen Rechtsstaat aussehen.“
 

EnRetard

Well-Known Member
Sagen wir mal so: Hätte er beim deutschen Generalkonsulat nachgefragt, hätte man ihn über das Risiko aufgeklärt und ihm möglicherweise von einer Reise in die Türkei abgeraten.
Punkt ist aber auch, daß er der Journalist der Welt vor Ort war, genau für diesen Job in der Türkei (wo es drunter und drüber geht) vom Chefredakteur angeheuert wurde. Also er ist nicht "freiwillig" gegangen, sondern wurde von seinem Arbeitgeber geschickt. Nicht Yücel hat sich überschätzt, sondern sein Arbeitgeber.
Ich mußte vor einigen Jahren mal in die Ostslowakei, unmittelbar an der Grenze zur Ukraine, als dort gerade der Krieg tobte. Da wurde ich auch nicht gefragt, ob mir mulmig sei.
Warum muss man in der Ostslowakei Angst haben, wenn es 1500 km weiter östlich knallt?
 
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