Muss Oma im Hühnerstall für die rechte Empörung herhalten?

EnRetard

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19 Februar 2017
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Bintje

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5 Mai 2018
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Stimmt, aber er ist schon groß und wußte doch bestimmt auf was er sich einläßt. Er ist auch nicht der erste der vom Arbeitgeber mies behandelt wird. Klingt jetzt hart, aber wie will man ihm helfen, das muß er selbst tun.

Gutjahr war 22 Jahre lang fester Freier beim BR, d.h., er hatte einen arbeitnehmerähnlichen Status und war natürlich abhängig davon. Und die maßlosen öffentlichen Angriffe, denen er und seine Familie ausgesetzt waren (und sind), gab es aufgrund seiner Tätigkeit für den Sender.

Jemanden in dieser bedrängten Lage darauf zu verweisen, dass der BR (siehe Offener Brief) "freien Mitarbeitern keine Rechtsberatung geben dürfe", bedeutet den sog. 12a-Status in die Tonne zu treten und den Betroffenen quasi mit einem unerfahrenen Praktikanten gleichzusetzen. TV, Hörfunk und auch viele Printmedien sind angewiesen auf ihre festen Freien, natürlich auch der BR. Sich von ihnen zu distanzieren und ihnen keine Rückendeckung zu geben, sobald es eng wird, ist zumindest im ethisch-moralischen Sinne schofel. Bei Angestellten gibt es eine selbstverständliche Fürsorge- und Schutzpflicht des Arbeitgebers. Dass das für feste Freie gerade bei so üblen Sachverhalten nicht gelten soll, ist m.E. nicht einsehbar. Sie leisten nicht weniger als Angestellte (nicht selten sogar mehr), sind aber längst nicht im gleichen Maß abgesichert. Da Gutjahrs Rechtsschutzversicherung ihm, wie er schreibt, nach einem Jahr kündigte (das machen Versicherer gern, sobald man sie ernsthaft, sprich wiederholt in Anspruch nimmt), stand er halt vor der Wahl, Morddrohungen und rufschädigende Verleumdungen, die nur aufgrund der Arbeit für den Sender entstanden waren, zähneknirschend in Kauf zu nehmen oder seinen langjährigen Auftraggeber noch einmal um Hilfe zu bitten.

Es hätte dem Intendanten m.E. gut zu Gesicht gestanden, den Rücken gerade zu machen.
Zumal Gutjahr damals mit seinen Live-Berichten aus Nizza und München unter anstrengenden, angespannten Bedingungen einen exzellenten Job gemacht hat. Seine Berichte, mit denen er ratzfatz auf Sendung, in den Tagesthemen, im ARD-Nachtmagazin usw. war, konnte sich dann der BR ans Revers heften.
Aber bei den Konsequenzen für den langjährigen Mitarbeiter - juristische Verfolgung von Morddrohungen u.a. durch Rechtsextreme, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Truther und so weiter - duckte der Sender beziehungsweise dessen Intendant sich einfach weg. Ganz üble Nummer!
Schon länger bekannt, aber wirklich übel. Fatales Signal. Nicht nur für Gutjahr.
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Ich weiß gar nicht, was das soll. Für eine Fußball-WM ballern die Geld ohne Ende raus, aber nicht für die Prozeßkosten, die Gutjahr entstehen? Der führt seine Prozesse nicht als Privatperson, sondern aufgrund seiner Tätigkeit für den Ö-R. Schlimm genug, was der Mann durchstehen muß, was man ihm nicht abnehmen kann; aber materiell sollte sein langjähriger Auftraggeber ihm zur Seite stehen.

Man erinnere sich, wie sich Springer eingesetzt hat für Deniz Yücel.
 
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sommersonne

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19 März 2017
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Warum das? Es gibt gewisse Pflichten, die der BR als Auftraggeber hat, die er aber ignoriert.
Ja, der BR hat seine Pflichten ignoriert. Nicht gerade die feine englische Art. Aber das kommt doch jeden Tag vor und interessiert keinen bei z.B. einer Sekretärin, Autoverkäufer o.ä. Es wäre auch kein Aufreger wenn es nicht gerade ein freier Journalist wäre.
 

sommersonne

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19 März 2017
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Es hätte dem Intendanten m.E. gut zu Gesicht gestanden, den Rücken gerade zu machen.
Zumal Gutjahr damals mit seinen Live-Berichten aus Nizza und München unter anstrengenden, angespannten Bedingungen einen exzellenten Job gemacht hat. Seine Berichte, mit denen er ratzfatz auf Sendung, in den Tagesthemen, im ARD-Nachtmagazin usw. war, konnte sich dann der BR ans Revers heften.
Aber bei den Konsequenzen für den langjährigen Mitarbeiter - juristische Verfolgung von Morddrohungen u.a. durch Rechtsextreme, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Truther und so weiter - duckte der Sender beziehungsweise dessen Intendant sich einfach weg. Ganz üble Nummer!
Schon länger bekannt, aber wirklich übel. Fatales Signal. Nicht nur für Gutjahr.
Das ist natürlich wahr. Aber wie wir sehen ist das wirkliche Leben eben nicht so ideal und es gibt überall Feiglinge die ihre Mitarbeiter, ob frei oder nicht, im Stich lassen.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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Ja, der BR hat seine Pflichten ignoriert. Nicht gerade die feine englische Art. Aber das kommt doch jeden Tag vor und interessiert keinen bei z.B. einer Sekretärin, Autoverkäufer o.ä.

Lass Dir gesagt sein: die Leute ziehen in der Regel vors Arbeitsgericht, bekommen mit etwas Glück Recht, wenn sie nicht gerade echte Böcke geschossen haben, und der Arbeitgeber hat dann die entstandenen Auslagen zu ersetzen.

Es wäre auch kein Aufreger wenn es nicht gerade ein freier Journalist wäre.

Belege dafür hast Du sicherlich auch? Wie gesagt: Angestellte klagen einfach fröhlich. Betriebsrat im Rücken oder nicht: sie tun es, wenn sie gut beraten sind, weil sie es können.
Gutjahr war kein Angestellter, hat nur die Macht des Worts. Er beschwert sich öffentlich, was in seiner Lage z.B. mit dem Risiko behaftet ist, dass ihn danach kaum einer mehr beschäftigt. Natürlich nicht offiziell ....
 

sommersonne

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19 März 2017
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Ich sehe es schon ein, es ist eine gemeine Geschichte.

Wieso brauche ich Belege? Die Medien sind nicht voll von Geschichten über Friseure oder andere Berufsgruppen die vom AG schlecht behandelt werden.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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Ich sehe es schon ein, es ist eine gemeine Geschichte.

Wieso brauche ich Belege? Die Medien sind nicht voll von Geschichten über Friseure oder andere Berufsgruppen die vom AG schlecht behandelt werden.

Nö. Weil das in der Regel zügig vorm örtlichen Arbeitsgericht landet. Und diese Termine werden auch im Interesse der unmittelbar Beteiligten nicht automatisch von den StA'en den Medien mitgeteilt, anders als bei Strafprozessen (in der Regel Amts- oder Landgericht). Es gibt Ausnahmefälle von allgemeinem öffentlichen Interesse, aber eher selten.
 
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Alubehütet

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29 Januar 2017
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Natürlich bist Du privilegiert, wenn Du einen großen Arbeitgeber hast, der sich für dich einsetzt. Wenn der sogar auch Strippen ziehen kann bis in die Politik hinein. Natürlich war Deniz Yücel privilegiert im Vergleich zu vielen anderen Journalisten, die in der Türkei immer noch im Knast vermodern. Ist das ein Fehler? Darf Gutjahr nicht mangelnde Solidarität seitens des BR beklagen, weil sie einer Friseurin oder einem Pizzabäcker nicht zuteil wird? Hätte Deniz im Knast bleiben sollen, bis auch alle anderen unrechtmäßig inhaftierten Journalisten wieder freikommen?

Wobei man bei Deniz oder Böhmermann noch eher argumentieren könnte: Hätten sie sich vorher überlegen können. Gutjahr hatte exklusiv wichtige Bilder. Und er ist Reporter. Er hat die Bilder an den BR vermittelt; das genau ist sein Job. Er wird nicht bedrängt, weil er Haltung einnimmt oder zeigt.