Treue - heutzutage unnormal??

Kanack

New Member
AW: Treue - heutzutage unnormal??

Dieser Rudolph scheint wirklich wiederlich zu sein. Baah. Wie kann man nur eine nicht monogame Beziehung führen.
Wiederlich, weil er seinem angeborenen Jagdinstinkt folgt. Genauso wiederlich wie jedes männliche Tier.
Jetzt mal Spass beiseite. Monogamie ist etwas unnormales.Vor 2000 Jahren von der Kirche auferlegt. Von Tieren unterscheiden wir uns nur wenig.

Wieso glaubt ihr eigentlich warum jede 2. Ehe mit der Scheidung endet.
Oder, wieviel Mrd. mit Prostitution, Pornographie und Sexhotlines jährlich umgesetzt werden. Wieso 70 Prozent der Männer die in den Puff gehen verheiratet sind?
Für mich ist dieser Rudolph genauso wiederlich wie ein Hahn oder Primate.
 
A

Anouk

Guest
AW: Treue - heutzutage unnormal??

@Kanack: Okay, wenn man die Sache ausschließlich aufs Sexuelle reduziert sehen will, kann man das tun. Aber wo Gefühle im Spiel sind - und das scheint ja bei Rudolph dem Rentier oder zumindest seiner Freundin so zu sein -, sollte man fair bleiben und sich zumindest in Nuancen von wild durcheinander kopulierenden Primaten abheben. Und R. zeigt zumindest in meinen Augen weder Fairness noch menschlichen Respekt gegenüber seiner Freundin. C'est tout.
 

wiebke

New Member
AW: Treue - heutzutage unnormal??

Jetzt wird’s spannend J
Also für mich ist die haltung: sexuelle treue ist das ein und alles auch nicht ganz stimmig. Ohne zweifel verurteile ich denjenigen, der wahllos durch die betten steigt und seine körperflüssigkeiten sehr gönnerhaft verteilt. Und ohne zweifel wünsche ich mir sexuelle treue, sowohl von mir als auch von meinem partner. Aber sexualität ist für mich nicht nur etwas, dass innerhalb dem geordneten und akzeptierten rahmen einer beziehung existiert. Die grenzen, von denen auch Zerd sprach, sind zwar von der mehrheit anerkannt, aber doch eher willkürlich. Wenn ich mich einem menschen sehr nahe, sehr verbunden fühle, wenn in unserer gemeinsamkeit eine intensität zum tragen kommt, die einzigartig, besonders ist, wenn man sich aufeinander einlässt, sich öffnet, spielt die sexualität eine rolle. Vielleicht auch nur, weil wir nichts anderes vergleichbar intensives kennen, keine ahnung. Vielleicht aber auch, weil wir darüber der intensität und der verbundenheit ausdruck verleihen können. Wir können die sexualität dann dennoch ausschließen, indem wir die grenze ziehen. Wie immer wieder gesagt, grenzen sind dazu da, sicherheit zu suggerieren. Unbekanntes terrain macht angst, weil man nicht weiß, was aus einem selbst dann wird, was man empfindet.
Ich will meinem partner treu sein, aber ich will es nicht nur auf formaler ebene im Sinne von "bis hierhin ists erlaubt, das ist nicht erlaubt". Denn was ist diese treue wert, wenn sie eigentlich nicht dem wahren inneren entspricht, wenn sie nur eine unterdrückung von wünschen und sehnsüchten ist. Ich will nicht, dass mich mein mann anlächelt, weil er weiß, dass ich das gern seh, sondern, weil es ihm in dem moment das größte bedürfnis ist, mich anzulächeln.

Entscheidender als die sexuelle treue ist für mich die absolute loyalität meines partners.
 

Zerd

Well-Known Member
AW: Treue - heutzutage unnormal??

anouk, mein partner hat exklusiv meine liebe, meinen uneingeschraenkten beistand, die gewissheit, dass ich bei ihm bin, wenn er mich benoetigt, den groessten bezug, den ich zu einem menschen aufbringen kann. und von all dem hat er auch tatsaechlich etwas. aber was bitte schoen hat er davon, dass ich, wenn wir einmal nicht zusammen sind, den abend mit einem guten freund - trotz vielleicht knisternder athmosphaere - quatschend auf dem sofa verbringe statt im bett.

das ist es, was ich meine: du ziehst die grenze zwar und versuchst sie damit zu begruenden, dass dem partner exklusiv etwas vorbehalten sein muesse, aber siehst dafuer etwas vor, vom dem er, abgesehen vielleicht von der befriedigung eines archaischen besitzanspruchs/-denkens, nichts, aber auch gar nichts hat. was waere fuer deinen partner zB anders, wenn du mit dem freund zwar im bett gewesen waerst, ihm aber sagen wuerdest, ihr waert auf dem sofa gesessen. nichts, gar nichts!

und das allein sollte doch schon nachdenklich machen. weisst du, eine wirklich gute und harmonische liebesbeziehung erfordert ueber die zeit soviel anstrengung und opfer, dass man sie wirklich nicht mit scheinopfern ueberfrachten sollte. liebe will gehegt und gepflegt sein, will genaehrt und kultiviert werden, erfordert arbeit an sich selbst und am anderen; es ist eine verdammt grosse herausforderung heutzutage, ueber jahre oder jahrzehnte auf gleicher augenhoehe gluecklich mit einem menschen sein leben zu teilen.

viel einfacher ist es da natuerlich, mit bewaehrten wertmassstaeben an die sache heranzugehen, den bewaehrten hierarchien. wie gesagt, das muss jedes paar selbst entscheiden. meiner meinung nach irrt sich derjenige, der meint, durch erzwungene monogamie der beziehung einen dienst zu leisten. da gibt es wirklich bedeutenderes, wofuer man sich aufwenden kann.

noch kurz zu deiner formulierung "fertigbringen". fertigzubringen, anzustreben ist meiner ansicht nach die faehigkeit, meinen partner eben nicht einzig als ein fuer mich reserviertes wandelndes grosses geschlechtsorgan anzusehen. wenn wir das hinbekommen, dann werden wir die mystifizierung dev gv auch bald ueberwunden haben. aber in der anderen richtung gaebe es noch viel mehr fertigzubringen, zB nicht auf dem Sofa zu sitzen, zB keine unternehmungen mit ausschliesslich nur einem freund, usw. usf einfach den gedanken weiterfuehren und fragen, warum die europaeerinnen nicht einmal die verschleierung hinter einer burka fertigbringen.

das ist keine polemik, anouk. es ist die ablehnung eines opportunistischen zeitgeists, der sich wahllos nach belieben aus verschiedensten denken bedient. es ist der versuch aufzuzeigen, in welcher denke die jeweiligen inhalte zuhause sind, wo sie hingehoeren - konsequenterweise.
 
A

Anouk

Guest
AW: Treue - heutzutage unnormal??

@Wiebke: Völlig d'accord, aber:

Zitat von wiebke:
Ich will meinem partner treu sein, aber ich will es nicht nur auf formaler ebene im Sinne von "bis hierhin ists erlaubt, das ist nicht erlaubt". Denn was ist diese treue wert, wenn sie eigentlich nicht dem wahren inneren entspricht, wenn sie nur eine unterdrückung von wünschen und sehnsüchten ist.

Das wäre dann auch keine Liebe, sondern nur eine ziemlich verkrampfte Zwangsgemeinschaft, meint zumindest

anouk
 

Zerd

Well-Known Member
AW: Treue - heutzutage unnormal??

Zitat von Anouk:
@Wiebke: Völlig d'accord, aber:



Das wäre dann auch keine Liebe, sondern nur eine ziemlich verkrampfte Zwangsgemeinschaft, meint zumindest

anouk
dann scheinen wir ja alle so ziemlich dasselbe zu meinen. denn wenn ich mich anderen menschen als ausschliesslich meinem partner in freundschaft oeffne (oeffnen darf!), dann wird es je nach dem, wie gut man sich versteht, wie oft und unter welchen bedingungen man sich trifft, frueher oder spaeter zwangslaeufig auch mal knistern, zu aussergewoehnlichen und momentanen wuenschen und sehnsuechten kommen, die zu unterdruecken allein wegen der partnerschaft nicht sinnig und schluessig ist. aber so ein vorkommnis macht meine partnerschaft noch nicht zu einer verkrampften zwangsgemeinschaft, ueberhaupt nicht! welche logik wuerde da dahinter stecken...
 
A

Anouk

Guest
AW: Treue - heutzutage unnormal??

Lieber Zerd,
vielleicht ist es der passende Zeitpunkt, etwas zu verdeutlichen: Ich argumentiere hier nicht für allgemeingültige Wertmaßstäbe, die dann, bitteschön, gefälligst jede/r zu teilen hat; es ist nur meine persönliche Meinung. Ansonsten: Leben und leben lassen. Den Begriff von "Treue", wie Du ihn definierst, kann ich auch für mich unterstreichen. Nur ändert es nichts daran, dass ich an einem Partner, von dem ich wüsste, dass er eine offene Beziehung bevorzugt und auslebt, schlicht leiden würde. Ganz einfach. Das ist natürlich gnadenlos subjektiv, aber ich verschenke mein Herz leider immer nur ganz oder gar nicht. Ein bisschen oder halb geht nun mal nicht bzw. entspricht einfach nicht meiner Art. So gesehen ist natürlich alles, was ich darüber von mir gebe, höchst egoistisch, schon klar - aber solange es keinem wehtut... ;)
Und im Übrigen gibt es ja auch immer die Möglichkeit platonischer Freundschaften, die ähnlich (oder anders) eng und wichtig sein können wie eine Beziehung zu einem Partner. Na klar. Aber Sex ist für mich in solchen Fällen tabu. Das erhält erfahrungsgemäß auch die Freundschaft. :smile:

lg
anouk
 
A

Anouk

Guest
AW: Treue - heutzutage unnormal??

@zerd: Da haben wir uns nun quasi auf halber Strecke getroffen, ja, ich stimme Dir zu, aber wie gesagt: eine wirklich gute Freundschaft ist mir persönlich einfach zu kostbar, um sie wegen einer möglicherweise mehr oder weniger gelungenen Nacht aufs Spiel zu setzen.

;)
 

papatya

New Member
AW: Treue - heutzutage unnormal??

wenn beide einverstanden sind , das es nicht so treu abläuft....na jedem sein bier...
ich persönlich bin für treue, denn wer schon einmal betrogen worden ist, weiß wie weh das tut...und nicht nur sexuelle treue...naja, die geschichte wäre jetzt zu lang, bin aber ein gebranntes kind...
entscheidend hier ist aber leider, das männer zusammenhalten, auch wenn es ihnen nicht schmeckt...
unter frauen ist es doch öfter so, das sie sich gegenseitig sagen, wenn man mehr von ihren freunden weiß...
es gab unlängst einen test dazu bei rtl, ob männer oder frauen es dem betroffenen sagen würden, wenn sie wüßten, das diese(r) betrogen wird, natürlich ohne wissen der getesteten...
und siehe da: die meisten frauen erbarmten sich der betrogenen, obwohl sie sie gar nicht kannten...die meisten männer(noch schlimmer, wenn in einer männergruppe) lügten gegenüber einer(m) fremden das blaue vom himmel runter und amüsierten sich kräftig dabei....
 

Zerd

Well-Known Member
AW: Treue - heutzutage unnormal??

@papatya

worauf ich gestern hinweisen wollte, kommt in deinem beitrag wieder sehr schoen zum vorschein: die stillschweigende gleichsetzung von fremdgehen mit betrug ist falsch, sie ist einfach nicht zutreffend. was das fremdgehen erst zu einem betrug macht, ist die vorausgehende ausdrueckliche gegenseitige verpflichtung der partner zur monogamie. und wenn das so ist, kann auch etwas grundsaetzlicher weitergefragt werden, was das eigentlich verwerfliche, also die eigentliche grundlage des betrugs ist, die vereinbarung selbst oder ihre missachtung.

es war wohl das, was mich an dieser ganzen eintracht hier gestoert hat, dass diese fragen, die jeder mensch und jedes paar fuer sich auszumachen hat, einfach unter den tisch gefallen lassen werden und in manier eines plumpen vorurteils jedes fremdgehen gleich mit einem betrug gleichgesetzt wird. also in umkehrung von carries urspruenglicher frage, ob denn untreue inzwischen normal waere, wird die normalitaet dieser vorausgehenden ausdruecklichen gegenseitigen verpflichtung der partner zur monogamie gesetzt und geradezu in stein gemeiselt.
 
Top