Ungarn: Pressefreiheit ade

ege35

Well-Known Member
AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

Brüssel wird da schon alles einsetzen, was in seiner Macht steht.

Wie - stimmt das?:-?



Unter der Ratspräsidentschaft Ungarns? Bist du sicher?:confused:

Da das jedes halbe Jahr wechselt ist halt gerade zufällig Ungarn dran. Sowas wird langfristig geplant und hat sicher nicht mit den letzten Vorfällen in Ungarn zu tun.


Ich meinte damit, ob domovoj sicher ist, dass Brüssel unter diesen Voraussetzungen alles einsetzen wird, was in seiner Macht steht.
 

Grk..

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AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

Ich meinte damit, ob domovoj sicher ist, dass Brüssel unter diesen Voraussetzungen alles einsetzen wird, was in seiner Macht steht.

Zur Zeit heisst es, dass die EU-Kommission überprüft, ob das neue Mediengesetz gegen EU-Recht verstößt.

In einem ZEIT-Interview mit Edit Inotai (Leiterin des Ressorts Außenpolitik bei der ungarischen Qualitätszeitung Népszabadság.) gibt es u.a. folgenden Ausschnitt:

...ZEIT ONLINE: Ungarn ist EU-Mitglied, die Presse- und Meinungsfreiheit sind auch in der Union verankerte Grundrechte. Muss Europa jetzt reagieren?

Inotai: Es gab ja vereinzelte Rufe nach Sanktionen, so zum Beispiel aus Luxemburg. Aber ich bin da leider skeptisch. Die EU ist sehr vorsichtig mit Sanktionen. Die letzten Sanktionen, an die ich mich erinnere, waren gegenüber Österreich wegen Jörg Haider. Seitdem gab es viele ähnliche Vorfälle in Europa, die nicht kommentiert wurden. Ich denke da auch an den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der ebenfalls die Kontrolle über Fernsehsender hat....

....ZEIT ONLINE: Also glauben Sie nicht, dass die EU einschreiten wird?


Inotai: Gerade die konservativen Politiker in Europa werden sich mit öffentlicher Kritik an Regierungschef Viktor Orbán und seiner konservativen Partei zurückhalten. Er ist schließlich demokratisch gewählt. Vielleicht wird es im Hintergrund Gespräche geben......, weil Ungarn ab 1. Januar die EU-Ratspräsidentschaft inne hat. Aber ich glaube ehrlich gesagt, es wird wenig passieren....

Mich persönlich irritiert das, weil die EU ja mehr als ein Wirtschaftsbündnis ist und die Moral schließlich nicht vor der Haustür (sprich bei den Aufnahme-/Eintrittskriterien) endet. Weiterhin haben EU-Gesetzgebungen zumindest Signalwirkungen auf die Gesetze der jeweiligen EU-Staaten.

Wenn man dann aber so etwas wie Ungarn jetzt mit mahnendem Schwermut toleriert, hat das eine negative Signalwirkung auf die Bevökerungen in den einzelnen EU-Staaten. So heisst es doch u.a. ...die Wahrung der gemeinsamen Werte und Interessen der Union, die Stärkung der Sicherheit und des Friedens, die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und die Stärkung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.
 

domovoj

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AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

Unter der Ratspräsidentschaft Ungarns? Bist du sicher?:confused:

Hmm, wenn ich mir Recht überlegen, dann darf derjeniger der die Ratpräsidentschafts führt die Themen setzen, worüber dann später alle gleichberechtigt reden. Dann wird das wohl nicht passieren. Aber es sind auch nur 6 Monate. Danach wird darüber gesprochen werden, falls es da was zu besprechen gibt.
 

TheCore

Moderator
AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

Inotai: ....
Mich persönlich irritiert das, weil die EU ja mehr als ein Wirtschaftsbündnis ist und die Moral schließlich nicht vor der Haustür (sprich bei den Aufnahme-/Eintrittskriterien) endet.

Man braucht nicht gleich Moral bemühen, um dieses Gesetz wirksam anzugehen. Es verstößt auch gegen die Waren- und Dienstleistungsfreiheit. Paneuropäisch agierende Verlagshäuser werden sich mit Angeboten, die anderswo problemlos vermarkten lassen, nicht aus Ungarn zurückziehen und sich vor Gericht durchsetzen.
 
M

Mein_Ingomann

Guest
AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

Die Fidesz - Partei hat einen ultranationalistischen, ausländerfeindlichen und antidemokratischen Wahlkampf geführt. Dieses Konzept ist aufgegangen und wird von vielen ähnlichen Parteien in Europa als Vorbild betrachtet.

Wer glaubt, dass Nationalisten nur das Wohl der eigenen Bevölkerung im Sinn haben, wird nun mit den Tatsachen konfrontiert. Es beginnt immer mit der Diskriminierung von Minderheiten und Einschränkung von Bürgerrechten. Solange sich hierfür eine Mehrheit findet, die meint, dass das schon in Ordnung sei, wird sehr schnell mit eingeschränkter Pressefreiheit und der Abschaffung demokratischer Strukturen 'belohnt'.

Die EU hat auf diplomatischem Wege die neuen Pressegesetze in Ungarn 'gerügt'. Es wird geprüft, ob dieses neue Gesetz gegen europäisches Recht verstösst. Bis dahin und wohl auch darüber hinaus, wird diese Zensur in Ungarn Realität.
 

Grk..

Active Member
AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

Man braucht nicht gleich Moral bemühen, um dieses Gesetz wirksam anzugehen. Es verstößt auch gegen die Waren- und Dienstleistungsfreiheit. Paneuropäisch agierende Verlagshäuser werden sich mit Angeboten, die anderswo problemlos vermarkten lassen, nicht aus Ungarn zurückziehen und sich vor Gericht durchsetzen.

Das ist nicht unrichtig was Du ansprichst und die angesprochenen Verlagshäuser werden sich hoffentlich vor Gericht durchsetzen. Jedoch ist die von mir eingeworfene Moral nicht als eine bloße Option zur Bekämpfung dieses Gesetzes anzusehen oder gar als letzter Strohhalm, sondern läuft parallel dazu und zielt (auch) auf die Grundhaltung derjenigen ab, die sonst die Einhaltung von Aufnahmekriterien neuer Beitrittsländer sonst mit Argusaugen beobachten. So benutzt der luxemburgische Außenminister Asselborn nicht die von mir eingeworfene Moral, sondern spricht von europäischen Werten:

...Der Österreicher habe nie versucht, die Medien unter staatliche Kontrolle zu stellen. „Diesmal kann auch niemand behaupten, ein Eingreifen der EU sei eine Einmischung in innere Angelegenheiten: Das geplante Gesetz verstößt gegen die festgeschriebenen Werte von 500 Millionen Europäern.“ Es dürfe nicht in Kraft treten...

So gesehen schließt die Betrachtung des einen nicht das andere aus. Das heisst die technischen Möglichkeiten um zu seinem Recht zu kommen und die Betrachtung von Moral oder Werten.
 
M

Mein_Ingomann

Guest
AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

Die EU hat seinerzeit Östereich wegen der Regierungsbeteiligung von Haiders Burschen gerügt. Wirkliche Sanktionen gab es nicht und es fraglich, ob es diese im Fall Ungarn geben wird.

Kataloge von Unternehmen und deren websites werden auch nicht der Zensur unterliegen. Es geht um Presseorgane und den willkürlichen Vorwurf nicht 'ausgewogen' zu berichten.
 

TheCore

Moderator
AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

So gesehen schließt die Betrachtung des einen nicht das andere aus. Das heisst die technischen Möglichkeiten um zu seinem Recht zu kommen und die Betrachtung von Moral oder Werten.

Nein, es schließt sich nicht unmittelbar aus und ist wohl auch individuell oft von ehrbaren Motiven getragen. Ich halte trotzdem nichts von der - in ihrer Intensität doch etwas fadenscheinigen - Renaissance der Moral und Werte in der Politik. Moral und Werte sind etwas für Individuen. Europapolitiker, die besonders in der Gefahr stehen, von der Geschichtsträchtigkeit ihres Handelns benebelt zu werden, schreiben gern mal etwas in der Richtung fest, wo man sich dann als Anwender fragen muss, was nun Moral und was Gesetz ist. Um aus der Existenz so schwammiger Floskeln abzuleiten, 500 Millionen Europäer hätten sich demokratisch auf eine gemeinsame Moral und gemeinsame Werte geeinigt, muss man eine besondere Liebe zu diesem Makel der europäischen Legislative haben, sonst wäre es vermessen. Demokratische Prozesse richten sich primär auf Rechtssetzung oder auch Rechtsakte. Recht hat mit Moral und Werten nur insofern etwas zu tun, als dass die Demokratie dafür sorgen kann, dass die Rechtsanwendung größtmögliche Akzeptanz findet, wenn sie auf die persönliche Moral und die persönlichen Werte jedes Einzelnen trifft. Der Gedanke, man könne die trockenen Paragraphen doch einfach mal beiseite wischen und die komplexe Rückkopplung zum allgemeinen Empfinden etwas verkürzen, hat etwas Verlockendes, führt aber zu nichts Gutem. Ihn immer öfter und besonders gern, wenn es um "was wichtiges" geht, anzuregen, wirkt politisch bodenständig, ist aber reine Demagogie.
Es zählt zu den großen Errungenschaften der Rechtsstaaten, Wertvorstellungen aus der Rechtsfindung, und damit den individuellen und staatlichen Freiheiten, jedenfalls auf der materiellen Ebene auszuschließen. Leider hat das BVerfG selbst dies für das Grundgesetz durch das Postulat der "objektiven Werteordnung" konterkariert, was bislang aber unschädlich blieb. Wenn auf Moral und Werte zurückgegriffen wird, dann regelmäßig zur Rechtsbeugung. Die mag man manchmal ganz angenehm finden, das ist sie aber der Sache nach nicht.
Die tatsächliche Wirkung des moralisierenden Vorgehens in der Politik ist, dass eine effektiv ausgelegte, quasi betriebsbereite, politische und rechtliche Mechanik gehemmt wird. Selbstverständlich können auch die Kommission oder Mitgliedsstaaten gegen Ungarn klagen. Es lässt sich bei strikter Auslegung sogar eine Rechtspflicht dazu finden. Dass ich es in meinem Kommentar mal bei der Privatwirtschaft bewenden ließ, hat mit meinem Realismus zu tun. Das ungarische Mediengesetz verletzt schlicht jeden EU-Bürger, da er morgen schon ein Medienunternehmen in Ungarn gründen kann. Anstatt nun also die rechtlich geschützten Interessen der EU-Bürger wirksam zu vertreten, heuchelt man lieber Hilflosigkeit, mahnt und appelliert. Am Ende der Profilierungsshow steht vermutlich ein diplomatischer "Durchbruch", der seinerseits unkritisiert rechtswidrig und insgesamt suboptimal - eben ein Kompromiss - sein darf.
Das ist im Übrigen nicht die einzige Baustelle. In der Finanzmarktregulierung wurden viele potenziell hilfreiche Gesetze allein durch das medienwirksame Beklagen der fehlenden Moral (juristischer Personen!) eingespart.
 
M

Mein_Ingomann

Guest
AW: Ungarn: Pressefreiheit ade

Das subjektive Moralempfinden einzelner führte aber genau zu diesem 'Mediengesetz' in Ungarn.

Objektiv gibt es ein demokratich legimiertes Recht der sog. 4. 'Gewalt' im Staate, nämlich die unabhängige Presse.
 
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