Was ärgert Euch gerade (3)

Almancali

Well-Known Member
Ich finde, @Almancali steckt da im Moment zu tief drin, um solche Grundsatzfragen jetzt zu lösen: Da hilft momentan nur „Augen zu und durch“. Kann er mal drüber nachdenken, aber er kommt nicht einmal mehr zu seiner Arbeit, wie dann zu einer Sozialberatung, wo er seine Situation mal grundlegend durchsprechen könnte?
Es ist sogar noch etwas komplizierter. Mutti hat eine Reha anfangs abgelehnt und uns (den Rest) damit in richtige Herausforderungen gebracht. Sie wollte aus persönlichen Gründen keine Reha, hat aber die Alternativen und Konsequenzen nicht zuende gedacht.

Im Krankenhaus hat man ihr dennoch zu einer Reha geraten, da der Laufapparat auch trainiert werden möchte usw.. Auch muss ja nachbehandelt werden usw.. Dann fiel ihr ein, dass sie auch eine ambulante Reha machen könnte. Das brachte die Sozialberatung im Krankenhaus richtig in Bedrängnis. Also wir stehen da schon im Kontakt mit der Sozialberatung. Ein nächster möglicher ambulanter Reha Termin wäre erst Mitte Juni.

In der Zwischenzeit liegen aber 5 Wochen, wo wir Mutti dann am "Hals" hätten. Alles was vorher ein Automatismus war. Also OP gefolgt von Reha, wo alles vorbereitet ist: Orthopädie, Essen, Schlafen, Ruhe, Eigenes auf die OP anbgestimmte Zimmer, tiefe Einstiegsmöglichkeiten für Duschen und Bad, Toiletten mit Haltemöglichkeiten und Griffen an der Wand um wieder hochzukommen.

Alles das haben wir hier im Haus nicht!

Was meinst du, wie ich mit der Sozialarbeiterin aus dem Krankenhaus am rotieren war. Wo soll Mutti schlafen, wo waschen, wo dies und jenes. Fragen auf die ich bedingt Antworten hatte. Schlafzimmer und Bad im ersten Stock. Nun haben wir uns darauf verständigt, dass Mutti Treppensteigen lernt (im Krankenhaus durch den Orthopäden - Mobilisierung). Damit kann sie Abends nach oben und dort schlafen, duschen usw.. und Morgens wieder runter. Dazu kommen externe Orthopädie und Gymnastiktermine, wo mein Vater sie hinkarren wird (Der Chirurg meiner Mutter hat genau so eine Praxis und wäre da genau richtig aufgehoben).

Allerdings waren diese Prozesse auch mit Arbeit (vermeidbarer Arbeit) verbunden. Alles das, was ein Automatismus in einer Reha wäre, müssen wir nun selbst organisieren.

In den 5 Wochen sehen wir dann, ob eine weiterführende ambulante Reha noch notwendig wird. Allerdings ist meine Mutter bereits wieder mobil auf dem Flur des Krankenhauses unterwegs, so dass das wohl besser laufen könnte, als wir jetzt dachten.

Allerdings einen Rat an alle hier:

Wenn ihr irgendwie eine OP macht + Reha... Dann um Gottes Willen macht die Reha!

Was meine Arbeit betrifft. Das ist recht schwierig, wenn man mit einer unterschiedlichen Generation im gleichen Haus lebt. Meine Eltern kennen Arbeit nur im Sinne von "Arbeitsleistung". Man steht morgens auf, klotzt und kommt Abends verschwitzt und verschmiert nach Hause und klappt zusammen.

Das ich hier von XX Uhr bis XX Uhr vor dem Rechner sitze... In Wohlfühlsachen wie einer Sporthose und am Rechner rumklimper... Das passt nicht in ihr Konzept von Arbeiten... Das Konzept des Homeoffice, der Selbstständigkeit, der geistigen (statt körperlichen) Arbeit wird nicht verstanden. Es wirkt eher auf sie, als würde ich am Rechner rumsitzen und nix tun... Wer nix tut kann sich nützlich machen...

Hinzu kommt noch - und das habe ich meinen Vater die letzten Tage versucht zu erklären - das wir nicht in der Türkei sind... Die 1960-1970 sind auch schon lange vorbei... In der Türkei (in ländlichen Provinzgegenden) erwartet man, dass die Kinder (und Enkel ... oder der ganze Clan) ein Rundumsorglospaket für die Älteren schnüren. Da ist immer einer da, der flitzt und sich kümmert. Bis zu einem gewissen Grad funtkioniert das auch.

Allerdings ist das hier in der BRD etwas anders. Bürokratische Zwänge geben u.A. auch den Takt vor. Ich kann nicht einfach so meine Eltern pflegen und meine Arbeit vernachlässigen, wenn keine Pflegestufe vorliegt. Wie rechtfertigt man einen Verdienstausfall, wenn keine Maßnahmen des MDK ergriffen wurden und sich hier keiner kümmert. Wie kommuniziert man - als Aufstocker - dem Amt gegenüber, dass man keine Zeit zum Arbeiten hat, da man sich um pflegebedürftige Eltern zu kümmern hat (wo keine Pflegestufe oder sonstige Bescheinigungen vorliegen). Das interessiert denen - wenn man es nicht nachweisen kann - nicht die Bohne. Dort im Amt wird das dann so bewertet, als würde man mit seiner Arbeit nicht vorwärts kommen und steckt dich ggf. in andersartige Maßnahmen, die dann alles andere konterkarieren.

In der Türkei wäre das in einem Clan etwas anderes. Da ist immer jemand... Frauen sind in der Regel eh zu Hause und hätten dann Zeit. Kinder sind schon lange da, erwachsen und haben selbst vielleicht schon Kinder... Alles halt irgendwie in trockenen Tüchern... Diese alten Konzepte funktionieren in der BRD nur bedingt. Auch in der Türkei verabschiedet man sich bereits davon (es gibt neuerdings auch Altenheime dort). Ein Konzept, das von meinem Vater nur widerwillig akzeptiert wird. Statt, dass das vernünftig verstanden wird, wird es als: "Meine Kinder haben mich verlassen und abgeschoben" aufgefasst. Ich kann leider auch meine Klappe nicht zu weit aufreissen hier im Haus, sonst werde ich vor die Tür gesetzt.

Aber erstmal muss Mutti wieder herkommen... Dann sehe ich weiter...
 

lilyofthevalley

Well-Known Member
Hoffentlich achtest du ständig darauf, dass deine Mutter ihr Knie schont!

Eine gute Freundin hatte auch keine Lust auf eine AHB. Sie hatte nach der ambulanten Reha noch monatelang ganz große Probleme mit dem Knie. Schmerzen ohne Ende.
Als nach einem halben Jahr das andere Kniegelenk fällig wurde, hat sie sofort der angedachten AHB zugestimmt. Der Erfolg der Rehamaßnahme unterschied sich gravierend!
 

beren

Well-Known Member
ein Ende wird diese Situation zwar haben, aber nur erstmal.
wie gut seine Mutti mit den neuen Teilen zurecht kommt, Ist nicht abzusehen. Es wäre ein guter Moment ihr Hilfe -erstmal nur eine Putzfrau- anzudrehen.
denn diese Situation ist eine Vorschau auf n Zeit.

aber das weiß er jetzt und wird hoffentlich demnächst Zeit haben sich mit seiner Schwester einen Plan zu überlegen.
ansonsten wird das wahr, was sich meine Eltern im Moment für mich vorstellen (weil ich ja keine Kinder hab :rolleyes: ):
neuer Karriereweg. Altenpfleger für Mama und Papa.



Hier muss ich eine kleine Geschichte erzählen.

Zu Ostern war mein Bruder mit den Kindern da. Meine Nichte, die demnächst 5 Jahre alt wird, war auf der Toilette und rief nach dem Papa. Meine Mutter rannte sofort zu der kleinen, um zu Helfen. Da hatten beide wohl das Gespräch ihres Lebens. Meine Mutter ist davon hin und weg und erzählt das jeder ihrer Freundinnen weiter. Meine Nichte meinte wohl:"Jetzt hilfst du mir, und später, wenn du älter bist und Hilfe brauchst, dann werde ich extra nach Berlin kommen und dir Helfen. Wir sind nämlich eine Familie!"
 

Almancali

Well-Known Member
Ja! Das sage ich irgendwann auch mal zu meiner Familie, wenn ich eines Tages vollkommen alleine vor dem Fernseher verrecken werde und man mich 3 Wochen später aufgeplatzt vom Sessel kratzt... :):D

Oh wait! Hatte ja keine Zeit eine eigene Familie zu gründen, da ich mich um meine Eltern kümmern musste... :rolleyes:o_O
 

beren

Well-Known Member
@Almancali

Du, in der Türkei ist das auch nicht mehr so. Die Frauen, wenn es die Schwiegertöchter sind, die pflegen selten, da wir schon jemand zur Pflege eingestellt. Ansonsten sind es meist die eigenen Töchter, die selber helfen, wenn sie es denn können. Fremde Hilfe wird selten angenommen, es sei denn, die Familie unterstützt sie finanziell. Auch können sich Geschwister abwechselnd drum kümmern. Das habe ich auch schon mitbekommen.
 

beren

Well-Known Member
Ja! Das sage ich irgendwann auch mal zu meiner Familie, wenn ich eines Tages vollkommen alleine vor dem Fernseher verrecken werde und man mich 3 Wochen später aufgeplatzt vom Sessel kratzt... :):D

Oh wait! Hatte ja keine Zeit eine eigene Familie zu gründen, da ich mich um meine Eltern kümmern musste... :rolleyes:o_O


:D jetzt musste ich lachen, obwohl das nicht zum Lachen ist.
 

EnRetard

Well-Known Member
@Almancali
Du wirst *nicht* in Ruhe arbeiten können, wenn dein Homeoffice dein altes Kinderzimmer ist, du dort in Jogginghose herumsitzt und deine Eltern gerade finden, sie bräuchten jetzt sofort diese und jene Unterstützung. Wie sollen sie das auch begreifen? Sie haben, wie du sagst, einen anderen Begriff von Arbeit. Gibt es bei dir in der Gegend nicht die Möglichkeit, sich Büroraum mit anderen Freiberuflern zu teilen, was dir ermöglichen würde, morgens das Haus zu verlassen und nach 8 Stunden zurückzukommen?
 

Almancali

Well-Known Member
Gibt es bei dir in der Gegend nicht die Möglichkeit, sich Büroraum mit anderen Freiberuflern zu teilen, was dir ermöglichen würde, morgens das Haus zu verlassen und nach 8 Stunden zurückzukommen?
Nein! Und die könnte ich mir auch garnicht leisten!

Exkurs:

Ich bin (oder gehe in die Richtung) selbstständiger Finanzhändler (Vorsichtig mag ich "Daytrader" schreiben). Mein Einkommen nennt sich Kapitalertrag und fällt daher weder unter die Einkommens- noch Gewerbesteuer. Es fallen lediglich nur Abgeltungssteuer von 25% auf meine erzielten *hust* Gewinne an.

Zeitlgeich bin ich Aufstocker, da ich mich von den *hust* Gewinnen noch nicht selbst tragen kann. Die Einnahmen fallen jedoch auch als Aufstocker unter die Kapitalerträge, so dass ich die Freibeträge vom "Amt" nicht angerechnet bekomme. Leider darf ich auch nicht allzuviel Kapital haben, da das überschüssige Kapital auf die Summe des Aufstockens verrechnet wird.

Meine Einkünfte sind daher marginal und recht unterschiedlich, da ich auf die Vorgaben des Marktes reagieren muss. Nicht ich sage dem Markt, was ich verdiene, sondern der Markt sagt mir, wann Möglichkeiten bestehen. Meine Selbstständigkeit ist eher als "konstruktiver Zeitvertreib" zu verstehen, da ich erstmal eine Zeit X mit dieser Arbeit warm werden möchte und auch sehen möchte, wo es hingehen könnte.

Auf Grund meiner Kapitalobergrenze kann ich keine allzu waghalsigen "Investitionen" tätigen, so dass die Erträge überschaubar sind. Gewinne werden, nach Abzug der Abgeltungssteuer, zu 100% auf mein aufzustockendes Einkommen angerechnet. Verluste sind mein eigenes Risiko.

Daher kann ich kein Büro anmieten, da die Ausgaben die Einkünfte auffressen würden. Ich könnte mich vom "Amt" trennen und abmelden. Allerdings würden mich dann im Gegenzug die KV & PV Beiträge der Krankenversicherung killen. In der BRD herrscht KV & PV Zwang. Als Selbstständiger hätte ich auf Grund meiner Beitragsbemessungsgrenzen einige hundert Euro im Monat an KV & PV Beiträge zu zahlen. Also würden hier abermals die Ausgaben die Einkünfte auffressen.

Ich muss dazu schreiben, dass ich Quereinsteiger in diesem neuen Segment bin und auch erstmal Erfahrung sammeln möchte. Trotz Businessplans und Kalkulationen (inkl. Tragfähigkeit), bin ich an gesetzliche Auflagen und Limitationen gebunden. Diese Limitationen verhindern bzw. begrenzen meine Handlungsräume.
 

EnRetard

Well-Known Member
Mir fehlt die Fachkenntnis, um beurteilen zu können, ob das, was du da machst, eine gute Idee ist und ein Urteil steht mir auch nicht zu. Was die Krankenversicherung betrifft, so stimmt "einige hundert Euro nicht". Wenn du nix verdienst, muss deine GKV dich zum Mindestbetrag freiwillig versichern. Das ist unter 200 € (Summe aus KV und PV). Du musst dann jedes Jahr der Krankenkasse dein Einkommen erklären.
Da deine Eltern dich aber nicht in Ruhe lassen werden und sie mit der Zeit immer hilfebedürftiger werden, kannst du nun Haare raufend zusehen, wie dich die Zustände ruinieren, oder du unternimmst etwas:
z.B. Wohnung suchen und Job Center löhnen lassen, denn du bist ja älter als 25. Also müssen sie Unterkunftskosten übernehmen.
Schwester massivst unter Druck setzen - oder hat sie kleine Kinder, die sie daran hindern, sich hälftig um die Eltern zu kümmen? Mit Streik drohen. So wie ich das sehe, stiehlt sie dir die Hälfte deines Lebens.
 
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