Was denkt Ihr gerade? (38)

Bintje

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Ich werde es mir merken müssen denn heute wird es nichts mit dem Kino. Ich habe heftige Kopfschmerzen. Ich schiebe sie auf das stürmische Wetter. Drei Stunden mit Kopfschmerzen in einem Kino mit so lautem Ton, das schaffe ich heute nicht. Es wird ja bestimmt noch länger gespielt. Schade, hatte mich eigentlich gefreut, aber ich hätte heute nichts davon.
Ach je, gute Besserung!! Seit gestern Abend lief eine Unwetterfront durch; ein Freund aus Hamburg rief an und saß gerade mittendrin. Hier ist es vorbeigezogen. Leg dich am besten hin und ruh dich aus, wenn du kannst.
 

Bintje

Well-Known Member
... ich hab schon geschlafen. Dann musste ich Gizmo und mich vor einer Hornisse retten, die sich verflogen hatte und unter meinem Bett randalierte; ihr glaubt nicht, wie laut die war. Es dauerte ein bisschen, aber schließlich hab ich sie mit einem Fangglas erwischt und über den Balkon vorne ausgewildert.
Wehe, sie kommt hinten durchs Schlafzimmerfenster wieder rein! o_O
 

Burebista

Well-Known Member
Ich will ES übertreiben. Die Bomben an der Donau in Südbessarabien, gesehen aus der Dobrudja, können mir aus dem Kopf nicht verschwinden.
Dort ist nur ein Strom/Fluss die Grenze.
Und dachte, wie wäre es, wenn nur eine Straßenbreite die Grenze sei?
Karte 2. Straßenatlas von (Ost)berlin 1988. Mit der Grenze von damals
Karte 1. Die von mir gezeichnete Grenze auf den Karten eines Reiseführers von 1929.

Glaubt mir. Nachdem ich die D-D Grenze als 15.Jähriger auf den Karten von 1929 gezeichnet habe, sah ich damals nur möglich und unmögliche Grenzen und Mauern in Mediasch... :(

Deswegen ist für mich Berlin fantastisch. Eine Mauer innerhalb einer Stadt. Habe gehört, dass sich auch der Akzent der Sprache geändert hat. Dass man Anfang der 90ger wusste, dass einer aus W und einer aus O kam. Unfassbar.

Vor einigen Jahren traf ich Touristen in Hermannstadt/Sibiu. Sie waren aus Berlin. Und ich fragte, ob sie aus W oder aus O waren. Sie schauten auf mich wie auf einen Blöden. Für mich ist es aber nicht dasselbe. Für mich ist die Trennung noch im Kopf. Und auch die Laternen sind (noch) anders: weiß im W und orange im O.
 

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Burebista

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Ich habe mich mit den Gedanken hinreißen lassen. Die Donau ist die Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine, nicht mehr eigentlich innenrumänische Grenze zwischen Dobrudscha und Bessarabien. Der Vergleich mit Berlin ist übertrieben. Ich bin kein Fan von Großrumänien (gar kein Fan von Rumänien, als Staat). Aber, die Gedanken stehen tief im Kopf. Wobei ich auch denke, dass meine Vorfahren aus der Nordbukowina stammen...

PS. Aber habt Ihr die Namen der Ortschaften bemerkt? Izmail (wie in der türkischen Sprache ausgesprochen), oder Ceatalchioi? Die letzte Ortschaft hieß eigentlich Çatalköy. Fast nur türkische Namen, dort bei der ehemaligen innenrumänische Grenze zwischen Dobrudscha und Südbessarabien :)
 
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Bintje

Well-Known Member
Deswegen ist für mich Berlin fantastisch. Eine Mauer innerhalb einer Stadt. Habe gehört, dass sich auch der Akzent der Sprache geändert hat. Dass man Anfang der 90ger wusste, dass einer aus W und einer aus O kam. Unfassbar.
So phantastisch war die Mauer nicht, keineswegs. Bedeutete zum Beispiel, dass man als Westdeutscher einen Pass brauchte, um nach Westberlin zu fahren. Personalausweis reichte nicht. Was die Sprache betrifft, war es kein anderer Akzent, nur verschiedene regionale Dialekte, wie sie überall vorkommen - aber die Stilistik war eine ganz andere: Die gleichen Wörter waren teilweise anders konnotiert und wurden abhängig von Kontext und Situation völlig anders verwendet. Da musste ich mich erst reintasten nach der Wende, häufiger nachfragen, weil es sonst krasse Missverständnisse geben konnte.

Lustiger waren sprachliche Neuschöpfungen, die wir im Westen gar nicht kannten und die in der DDR verwendet wurden, um sich abzugrenzen:
"Engel" waren im offiziellen Sprachgebrauch zum Beispiel "geflügelte Jahresendfiguren". Bürokratischer ging's nicht.
Daneben gab es noch andere Begriffe wie "Rennpappe", fällt mir gerade ein: Eine ironische Bezeichnung für Trabis, Trabant-Autos, die aus irgendeinem Kunststoff (?) bestanden und höchstens 125 km/h erreichten. Diesen Geschwindigkeitsrausch habe ich allerdings nie erlebt. :D
Die betagten Trabis, in denen ich bei Kollegen oder Freunden von Freunden mitfuhr, zuckelten gemächlich mit allerhöchstens 80 oder 90 durch die Gegend. Und das war schon viel.

@sommersonne wird dir sehr viel mehr erzählen können, @Skeptiker sicherlich auch.
 

sommersonne

Well-Known Member
"Engel" waren im offiziellen Sprachgebrauch zum Beispiel "geflügelte Jahresendfiguren".
Ja, kann ich, diesen Begriff nie gehört.
Die betagten Trabis, in denen ich bei Kollegen oder Freunden von Freunden mitfuhr, zuckelten gemächlich mit allerhöchstens 80 oder 90 durch die Gegend. Und das war schon viel.
Na die konnten schon mehr. Man fuhr damit bis nach Bulgarien unter Umständen. Rennpappe kenne ich aber auch. Meine Freundin hatte eine. Keiner wollte damit aber bis nach Bulgarien. Eigentlich waren sie dafür auch nicht gedacht. Die DDR war ja klein.

Wenn ich manchmal so Dokus über das Leben in der DDR sehe denke ich oft ich muß doch in einem noch anderen Land gelebt haben. Sehr viel entspringt der Phantasie oder wurde irgendwie missverstanden von Leuten die hier nicht gelebt haben.

Ich habe die Grenze in Berlin in keiner guten Erinnerung. Für kurzfristige Dienstreisen habe ich mich immer gemeldet weil man da nebenbei noch Dinge einkaufen konnte die es in Leipzig nicht gab. Einmal mußte ich etwas persönlich abliefern und habe mich verlaufen und kam der Grenze sehr nahe. Ich habe das Suchen aus Angst vor den Grenzern aufgegeben und habe auf der Post den Briefumschlag aufgegeben. Ich war noch jung und die Grenzer galten als schießwütig. Natürlich habe ich das am nächsten Tag in Leipzig gebeichtet und keinen Ärger bekommen. Ich war wohl nicht die Einzige die Respekt vor der Grenze hatte.
 

Burebista

Well-Known Member
So phantastisch war die Mauer nicht, keineswegs. Bedeutete zum Beispiel, dass man als Westdeutscher einen Pass brauchte, um nach Westberlin zu fahren. Personalausweis reichte nicht. Was die Sprache betrifft, war es kein anderer Akzent, nur verschiedene regionale Dialekte, wie sie überall vorkommen - aber die Stilistik war eine ganz andere: Die gleichen Wörter waren teilweise anders konnotiert und wurden abhängig von Kontext und Situation völlig anders verwendet. Da musste ich mich erst reintasten nach der Wende, häufiger nachfragen, weil es sonst krasse Missverständnisse geben konnte.

Lustiger waren sprachliche Neuschöpfungen, die wir im Westen gar nicht kannten und die in der DDR verwendet wurden, um sich abzugrenzen:
"Engel" waren im offiziellen Sprachgebrauch zum Beispiel "geflügelte Jahresendfiguren". Bürokratischer ging's nicht.
Daneben gab es noch andere Begriffe wie "Rennpappe", fällt mir gerade ein: Eine ironische Bezeichnung für Trabis, Trabant-Autos, die aus irgendeinem Kunststoff (?) bestanden und höchstens 125 km/h erreichten. Diesen Geschwindigkeitsrausch habe ich allerdings nie erlebt. :D
Die betagten Trabis, in denen ich bei Kollegen oder Freunden von Freunden mitfuhr, zuckelten gemächlich mit allerhöchstens 80 oder 90 durch die Gegend. Und das war schon viel.

@sommersonne wird dir sehr viel mehr erzählen können, @Skeptiker sicherlich auch.
Nicht die Mauer war fantastisch, sondern die ganze Stadt. Sprach man 100 Jahre vorher über Paris, so spricht man heute über Berlin. Liberal, weltoffen (ja, leider, auch Diebeliebstadt: habe einen Samsung Galaxy 6 dort durch rumänische Diebe verloren, 2016). Aber trotzdem, weltoffen, Stadt zwischen Welten, die ich seit der Kindheit auf den Karten kennengelernt habe. Mit einem großen Zentrum, das sich zwischen 2 ehemaligen Zentren entwickelt hat: KuDamm und Alexanderplatz. Vielleicht bin ich zu enthusiastisch. Ich weiß nicht, ob ich dort leben könnte. War nur 3x. Hotels sind auch teuer.
 

sommersonne

Well-Known Member
Kuhdamm, da habe ich kurz nach der Wende einen Kulturschock erlebt. Ich hatte ja eine Tante in Teltow und als die im Krankenhaus lag hatte ich sehr viel Zeit und fuhr immer mal ein wenig in Berlin herum. Auf dem Kuhdamm sah ich dann wie ein Auto an ein Geschäft fuhr. Eine Dame im Pelzmantel saß darin und aus dem Laden kam ein Mann und brachte ihr unter Verbeugungen etwas ans Auto. Das war zuviel für mein sozialistisch erzogenes Gemüt, hatte ich noch nie erlebt. Ich war etwas erschüttert, mittlerweile läßt es mich kalt wenn ich so etwas erlebe.
 

Burebista

Well-Known Member
Ich war im Jahr 1992 erstmals in der BRD und auch in der ehemaligen DDR. Bei mir waren noch die 2 Staaten im Bewusstsein.
(Weil mein Vater im D. Reich geboren wurde, bekam ich ein Visum in 3 Tagen, nicht wie die anderen Rumänen. ich habe keinen dt. Pass).
Ich hatte in Westdeutschland auch einen sehr großen Kulturschock. Es waren eigentlich mehrere Kulturschocks. Erstens die Straßenfahrt. Konnte nicht verstehen, wie man auf den Straßen fährt. Ich bin 1992, 1994 und 1995 durch D. und A. geträmpt (per Daumen gefahren). Das primitivste, das ich mich erinnere: ich stand vor dem Kartenautomaten in München, um zu sehen, ob der Automat wirklich Restgeld gibt. Erst danach kaufte ich eine UBahn Karte :) Oh, es gäbe viel zu erzählen über den Kulturschock.
 
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