Was denkt Ihr gerade? (38)

sommersonne

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Gerne, ist mir schon klar das auch andere sehr viel von dieser schönen Idee halten. Das würde auch dem sächsischen Oberhaupt gut gefallen.
 

Burebista

Well-Known Member
Immer wenn ich früher im Ausland war, sei es Ungarn oder CSSR oder Polen, habe ich sorgfältig darauf geachtet wenig zu sprechen aus Sorge als Deutsche erkannt zu werden und auf Ablehnung zu stoßen.
Das hat sich mittlerweile gelegt, aber einen Stolz deutsch zu sein kann ich immer noch nicht empfinden. In der DDR wurde man von Kind an erinnert was für Schuld Deutschland auf sich geladen hat. Das ist nur schwer abzuschütteln.
Ich glaube, dass auch die Westdeutschen dieselbe Sorge hatten, wenn sie in Holland, Frankreich etc. waren.

In Rumänien war nicht der Fall.
Erstens gab es damals noch eine mächtige deutsche Minderheit, deren Männer im Weltkrieg durch rumänischen Regierungsbeschluss Teil der Wehrmacht wurden (und nicht mehr der rumänischen Armee). Schon im Januar 1945 gab es die Russlanddeportation der Deutschen aus Rumänien. https://de.wikipedia.org/wiki/Verschleppung_von_Rumäniendeutschen_in_die_Sowjetunion
Die kehrten Mitte der 50ger zurück und wurden als Opfer angesehen, nicht als Täter und Schuldige. Ihre Häuser wurden von den ehemaligen Angestellten übernommen, so dass die Zurückgekehrten neue Wohnungen in den Scheunen bauen mussten. Es gab bei den Deutschen in Rumänien kein Schuldgefühl. Sie sahen sich als Opfer und wurden so auch von den Rumänen abgesehen. Bei der Russlanddeportation wurden die Deutschen von den Rumänen begleitet und die Rumänen weinten sehr auf den Bahngleisen für das Schicksal der Deutschen. Echt. Habe das von alten Menschen in der Kindheit gehört. Die Deutschen wurden nicht vertrieben, wie in der CSSR oder Polen. Man hat hier über ihr Schicksal geweint.

Zweitens war Deutschland als Alliiert angesehen (und es war auch so). Obwohl Ribbentrop den Pakt von 23. August 1939 unterzeichnet hat, hat der dt. Botschafter in Moskau die südliche Bukowina von den Russen gerettet (Stalin wollte die ganze Bukowina. Die heutige Grenze zur Ukraine in der Bukowina wurde wirklich von dem dt. Botschafter Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg in Moskau durchgekämpft).

Drittens, es gibt ein Schuldgefühl der Rumänen , weil Rumänien Deutschland durch den königlichen Staatsstreich von 23. August 1944 verraten hat. Die deutschen Soldaten (einfache Menschen, wie wir alle, aber in der Armee ihres Staates), Kammeraden, wurden auf einmal Feinde und wurden angegriffen. Es war nicht leicht, weil alle wussten, dass der eigentliche Feind Russland war (Sowjetisch oder sonst wie) und nicht Deutschland. Dieses Schuldgefühl gegenüber Deutschland gibt es noch heute. Viele Leute, die Antimonarchisten sind, beschimpfen den ehemaligen König Mihai wegen Verrat. Sogar der ehemalige Präsident Băsescu (2004-2014) hat den König als Verräter öffentlich beschimpft. Es ist so, dass man auch jetzt noch beschämt gegenüber den deutschen Politiker erscheint. Verrat bleibt Verrat.

PS. Die Rumänen haben die deutschen Soldaten angegriffen, von einer Stunde auf die andere. Die Sowjets haben aber den königlichen Staatsstreich von 23. August nicht wahrgenommen. Bis am 12. September 1944 (also fast 3 Wochen), als ein Waffenstillstand unterzeichnet wurde, haben die rumänischen Soldaten gegen die Russen nicht mehr gekämpft, wurden aber als Kriegsgefangene gefangen und angesehen und nach Sibirien geschickt. Hundert Tausende Soldaten in Gefangenschaft, weil sie auf einmal die weiße Fahne zeigten.

Was noch von der rumänischen Armee übrig blieb, kämpfte nun gegen Deutschland (auf einmal als Nazi angesehen. Vorher spielte das keine Rolle). Es gab große Schlachten um Budapest, in der Slowakei, in Tschechien. Die Russen stoppten die rum. Armee 70 km vor Prag. Es starben viele rumänische Soldaten in dieser 2. Periode des Krieges, wurden aber nicht berücksichtigt.
 
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Burebista

Well-Known Member
Die Deutschen bei euch waren vor allem zu weit weg von Deutschland, um eine Bedrohung zu sein. Anders als in Polen oder Tschechien. Es gab ja nie die Idee, auch nur Möglichkeit, Siebenbürgen zurückzuholen in irgend ein „Reich“.
Ja. Aber die Deutschen dort waren fast 90% der Bevölkerung. Die Polen und die Czechen haben Land gestohlen, Leute auf die Straße gestellt und verjagt. Die Bedrohung für diese Staaten war nur empfunden. Nicht gerechtfertigt.
Hätte Franz Ferdinand nicht gestorben... Sein Mitarbeiter Aurel Popovici hatte eine gute Idee für die Gestaltung der Donaumonarchie.
Sicher, die Ungarn hätten gegen gekämpft. Aber der Plan hätte viele Toten Verhindern können.
 

Burebista

Well-Known Member
Die Deutschen bei euch waren vor allem zu weit weg von Deutschland, um eine Bedrohung zu sein. Anders als in Polen oder Tschechien. Es gab ja nie die Idee, auch nur Möglichkeit, Siebenbürgen zurückzuholen in irgend ein „Reich“.
Wenn ich mir gut erinnere, hast Du einmal hier geschrieben, dass Du in 1990 oder 1991 hier in Sibiu/Hermannstadt warst. Fast hättest Du geglaubt, in der DDR zu sein.
Ja, man hörte damals noch Deutsch auf der Straße.
Das hat sich geändert. Die Deutschen sind weg. Die tüchtigen Rumänen sind auch weg. Sie Sozialen Fälle sind fast auch weg.
Nur die Alten sind hier geblieben.
 

Bintje

Well-Known Member
Ich glaube, dass auch die Westdeutschen dieselbe Sorge hatten, wenn sie in Holland, Frankreich etc. waren.
Also ich erinnere das aus den 1970'ern, teils auch noch später. In Holland wurden Deutsche kollektiv nur als "Moffen" bezeichnet (bei manchen noch immer, glaube ich), In Frankreich als "Boche"; meine Schwester lebte und arbeitete damals länger in der Touraine, hatte einen frz. Freund, auch Freundinnen, aber feilte penibel an einer möglichst akzentfreien Aussprache - eben deshalb.
 

Burebista

Well-Known Member
Es ist wieder Ende Juli und es wird wieder in Tușnad, Kreis Harghita, die ungarische Sommerschule organisiert. Und wieder wird Orban Viktorlein kommen. Aber dieses Jahr wird er böse sein. Habe gerade im TV gehört. Das rumänische Außenministerium hätte ihm mitgeteilt, was er sagen dürfte und was er nicht sagen dürfte. Sowasss! Als ob der darauf hören würde. Bin gespannt, wie das ganze stattfinden wird. Wieder ein Skandal im Sommer. Die Gemüter der Ungarn sind schon hoch. Ungarische Politiker aus RO sollen gesagt haben, dass die Ungarn nicht das Schicksal "der Sachsen von Klaus Johannis" erleben möchten. Sowasss! Ich bin da zuhaus, was dieses Schicksal bedeuten dürfte
 
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