Wie wichtig ist der türkischen Gesellschaft freie Meinungsäußerung?

dann hab ich das falsch verstanden.
jetzt würd ich es ähnlich wie alteglucke verstehen, aber das wird wohl auch nicht ganz treffen wie es gemeint war? :confused:

Möglicherweise liegt es auch an meiner chaotischen Ausdrucksweise.

By the way, ich engagiere mich seit einem Jahr für die Pressefreiheit in der Türkei und es könnte durchaus passieren, dass ich irgendwann nicht mehr einreisen kann. Zwar sind meine Aktionen nicht nennenswert, aber es kann ausreichen.

In diesen Diskussionen ist klar definiert:
Spiritualität = Religion(en) = AKP bzw. Erdogan = Gegner Pressefreiheit bzw pro Unterdrückung.

Bäh!
 
Dem Türken ist die freie Äußerung seiner eigenen Meinung wichtig.
Nicht die seines Gegenübers. Das ist eine grundsätzliche Haltung die sich querbeet durch alle politischen Gruppen zieht.
 
Möglicherweise liegt es auch an meiner chaotischen Ausdrucksweise.

By the way, ich engagiere mich seit einem Jahr für die Pressefreiheit in der Türkei und es könnte durchaus passieren, dass ich irgendwann nicht mehr einreisen kann. Zwar sind meine Aktionen nicht nennenswert, aber es kann ausreichen.

In diesen Diskussionen ist klar definiert:
Spiritualität = Religion(en) = AKP bzw. Erdogan = Gegner Pressefreiheit bzw pro Unterdrückung.

Bäh!

bei diesen hier oder bei jenen da oder bei allen allgemein oder wie oder wer oder ich bin nun vollendst raus o_O
 

Danke. Aber, es ist eher eine Verpflichtung gegenüber meinen Nachbarn, als ein politisches Statement.
Der Mann meiner besten Freundin starb vor 3 Jahren. Er war Chefredakteur einer bekannten Zeitung (nach ihm wurde eine Straße in Izmir benannt). Ein anderer Mensch, den ich sehr mag arbeitet beim MIT, wurde aber gnadenlos degradiert, da er nicht linientreu ist, bzw. der CHP den Vorzug gab.... Einen Weg unter mir lebt eine alte Kommunistin, die seit gefühlten 100 Jahren gegen den Staat kämpft. Usw...

Alles progressive Leute.... aber die Kurden, die bei uns arbeiten halten sie lieber auf Distanz. Ebenso das wenig gebildete Fußvolk aus dem Köy. Könnte diese Widersprüche endlos fortsetzen...

Im Dorf bei den Fischern geht es im übrigen wesentlich entspannter zu. Zudem füttern sie Straßenhunde :)

Es ist alles in allem die Türkei in Miniaturausführung, ohne Kriegsschauplätze. Weder ist der AKP Mensch schlecht, noch sind die Progressiven gut. Der Bürgermeister hat mir vor einem Jahr einen Auftrag vermittelt, obwohl er wußte, dass ich diesen Auftrag rein rechtlich nicht ausführen durfte. Im Dorf herrschen andere Gesetze als in der Stadt. Und im Gegensatz zu früher wird die Türkei nun von "Dorfleute" regiert. Thats all.
 
Man muss hier jetzt nicht mit Israel vom eigentlichen Thema ablenken. Davon abgesehen steht Israel nur auf Platz 101 der Rangliste der Pressefreiheit, während die Türkei auf Platz 149 der Rangliste steht. Noch hinter Staaten und Länder, deren Namen ich teilweise in meinem Leben zuvor nicht gekannt hatte.
Ich weiß gar nicht, was du willst ... die Türkei hat fünf Plätze gut gemacht, vom #154 auf #149. Und dreißig andere Länder wie China, NK, Iran, Saudi und Rußland stehen noch dahinter. So gesehen ist für den türkischen Hausvater doch alles ok, solange der Sohn seinen Job nicht verliert, das Geschäft des Schwiegersohns läuft und das Auto bezahlt ist.
Noch einmal ganz ohne Ironie: eine funktionierende Öffentlichkeit ist wie eine funktionierende Gerichtsbarkeit ein Standortvorteil, wenn die Investoren und Touristen nicht gerade aus jenen Staaten kommen, die noch unter der Türkei in Sachen freie Meinungsäußerung stehen.
Es kann nicht sein, daß irgendeine grenzwertige Satire als Legitimation für eine eingeschränkte Meinungsfreiheit gebraucht wird. Natürlich ist es nicht koscher, etwas in Deutschland Verbotenes zu kommunizieren unter dem Hinweis, daß so etwas in Deutschland verboten sei und nicht kommuniziert werden dürfe. Da ist die Logik auf den Kopf gestellt. Und dies wird der Punkt sein, mit dem sich die Richter beschäftigen müssen in der Frage ob sie eine Anklage zulassen oder nicht, unabhängig davon, ob eine Privatperson oder der türkische Staat klagt.
Und die Frage bleibt: wie wichtig ist der türkischen Gesellschaft, daß Kommunisten, Schwule, Liberale, Nationale, Religiöse, Atheisten, Kurden, Aleviten und Frauenrechtlerinnen ihre Publikationsorgane haben, in denen sie unzensiert schreiben können?
Die Böhmermann-Satire kommt Erdogan zupaß: Da seht ihr, sagt er und sticht mit dem Finger in den Ziegenficker (und meint eigentlich den Kurden-IS Passus), wohin die freie Presse führt und wie euch der Westen sieht! Nur ich kann eure verlorene Ehre wiederherstellen! Und dann geht auch der Wirtschaftsboom weiter. Nur noch die Verfassung ändern, dann machen uns die Saudis wieder frisch!

Noch etwas, Almancali hat darauf hingewiesen: Erdogans message richtet sich an die Deutschtürken. Er sagt, daß sie immer noch die Parias der deutschen Gesellschaft sind und nur er ihre Würde in Deutschland schützen kann. Er möchte keinen negativen Einfluß auf die Dörfer via türkisch-deutscher Liberalität.
 
Hier für meine Pressefreiheit Freunde und Menschenrechte Liebhaber:
Der Artikel ist eben auf Zeit Online erschienen. Autor = Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof

ZITAT: (Letzte Seite des Artikels)

"Wenn ich es richtig verstanden habe, soll Herr B. versucht haben, den Eindruck zu erwecken, als wolle er Herrn E. beleidigen. Kaum hatte er das getan, indem er Herrn E., einen insoweit unbescholtenen Mann, als perversen, zoophilen Kinder- und Ziegenschänder bezeichnete, versuchte er, den Eindruck zu erwecken, er habe keinen rassistischen Dreckkübel über Herrn E. ausgeschüttet, sondern ein mildes Werk der Aufklärung vollbracht, welches dem Herrn E. und dessen ziegenhütenden Landsleuten nahebringen sollte, dass man in Deutschland nicht öffentlich Menschen als perverse Ziegenficker bezeichnen darf, ohne dafür bestraft zu werden. Das hätte der Spaßmacher B. dem Herrn E. eigentlich gar nicht erklären müssen, denn dieser wusste es schon: Bei ihm zu Hause ist es auch strafbar.

Da erschrak Herr B. nun sehr und sagte, dass er eigentlich gar nichts versucht habe außer einem kleinen Scherz – er sei nun mal ein Scherzbold und wolle auch nie etwas anderes sein als der allerwitzigste Ziegenwitz-Erzähler des deutschen Fernsehens. Das Ganze sei vermutlich bloß ein Versuch gewesen, den Menschen auf der ganzen Welt zu zeigen, dass Satire wirklich alles darf, außer in Deutschland, wo es strafbar ist, andere Mitmenschen perverse Ziegenficker zu nennen.

Da war das Kind aber schon im Brunnen, denn die Bundeskanzlerin hatte schon ihren "schweren Fehler" gemacht und dem Ministerpräsidenten des E.-Landes am Telefon gesteckt, es habe sich bei dem Jahrhundertwitz um eine "bewusst verletzende" Beleidigung gehandelt. Da war der Ministerpräsident natürlich sehr erstaunt, weil er das noch gar nicht wusste. Gleich erzählte er es dem Herrn E. höchstselbst, und so kam die Sache ins Rollen.

Herr E. versuchte nun, Herrn B. "anzuklagen", und zwar da, wo die Sache hingehört, nämlich in Mainz. Jetzt war natürlich der Teufel los, denn so ein Dahergelaufener aus dem Land der Ziegen und Kurden soll sich gefälligst erst einmal anständig zu benehmen lernen, statt bei deutschen Behörden irgendwelche Anträge zu stellen, die ihm das Gesetz ausdrücklich erlaubt. Herr B. war – versteht sich – auch hiervon erneut total überrascht und mit ihm täglich mehr freiheitsliebende Satirefreunde aus CDU, CSU und AfD, und gewaltig brandete die Welle des "Je suis B." übers Land.

Die Kanzlerin, die zunächst zwei Wochen lang mitteilen ließ, sie habe sich in gar nichts eingemischt und dem Ministerpräsidenten allenfalls gesagt, was der Herr B. selbst gesagt habe, überlegte sich die Sache noch einmal gründlich: Dann versuchte sie, einen vierfachen Axel plus Todesspirale zu springen:

1) Dem Antrag des Herrn E., die Strafverfolgung von B. zuzulassen, gab sie statt;
2) Das Telefongespräch mit dem Ministerpräsidenten erklärte sie zu einem "Fehler";
3) Das deutsche Satire-Recht und vor allem die Meinungsfreiheit des Herrn B. unterstützt sie seit letzter Woche mit äußerster Kraft;
4) Daher hat sie gesagt, jene Vorschrift, nach der Herr B. bestraft werden könnte (Paragraf 103 StGB), sei total überflüssig und müsse daher ganz schnell gestrichen werden (sodass Herr B. nachträglich straffrei würde und der unverschämte Herr E. sich mal ins deutsche Privatklageverfahren wegen stinknormaler Beleidigung einarbeiten müsste);
5) Schließlich, als dieser Versuch einer nacheilenden Strafvereitelung durch Gesetzgebung lauthals angekündigt war, fuhr sie ins E.-Land, um dort endlich den Vortrag über Kurt Tucholski zu halten, den sie schon lange einmal irgendwo halten wollte.

Und natürlich auch um nachzuschauen, ob dieser Herr E. anständig mit den von Deutschland verkauften Flüchtlingen umgeht. Und wehe, wenn nicht! Dann nimmt sie sofort das Geld zurück und die Flüchtlinge. Obwohl der Deal echt preisgünstig war: Zwar ist es ungewöhnlich, dass der Verkäufer Geld und Ware liefert – hier aber war es geboten: Sechs Milliarden = 6.000 Millionen für 18 Millionen, also 333 Euro pro Mensch. Das ist wirklich billig, liebe Leser, wenn man bedenkt, was hierzulande allein die Versorgung mit Jogginganzügen und menschenrechtlich einwandfreien Frühstücksflocken verschlingt.

Aber die Menschenrechte sind, ein jeder Deutsche weiß das, "unverhandelbar". Ebenso wie die Pressefreiheit und natürlich die Satire. Da kennt der Deutsche keinen Humor. Mit Despoten, die die Freiheit der satirischen Kunst nicht achten, macht ein Deutscher keine Geschäfte, weder über Waffen noch über Menschen. Wenn man das bei der Titanic lernen konnte, muss das in E.-Land auch gehen. Danach knöpfen wir uns die Saudis vor.

ZITATENDE

QUELLE
 
Noch etwas, Almancali hat darauf hingewiesen: Erdogans message richtet sich an die Deutschtürken. Er sagt, daß sie immer noch die Parias der deutschen Gesellschaft sind und nur er ihre Würde in Deutschland schützen kann.
Zum Teil richtig! Allerdings richtet sich mein Ansinnen nicht an Erdogan, der unsere Würde in Deutschland schützen soll. Mir ist Erdogan ehrlich gesagt vollkommen egal. Mir geht's eigentlich nur darum, dass ich das Schmähgedicht von Böhmermann sehr geschmacklos finde und den Typen auch sonst so nicht wirklich mag. Das liegt aber auch daran begründet, dass er vor Monaten diesen Quatsch mit Varoufakis abgezogen hat.

Allerdings! Wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Tage in der Türkei so ansehe und die Art und Weise, wie dort Regierungsfunktionäre überall ekelhaft anecken, dann sollte ich meine Ansichten bzgl. Böhmermann durchaus nochmals überdenken. Meine Gedankengänge beschleunigen sich sogar, wenn ich mir den Quatsch mit der Verfassungsänderung hin zum "Islamischen Staat" von Heute in den Medien antun musste.
 
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