Warum machst du mich für die einhellige Meinung in der Parteienlandschaft und der Politologen in D. verantwortlich?
Zu welcher Gelegenheit tat ich das?
Ich widersprach der Auffassung, daß die AfD mitsamt ihrer Merkelgalgen und Höckeschen Rhetorik Resultat der sogenannten Politikverdrossenheit ist. Bei der AfD handelt es sich nicht um das passive Abfischen von Enttäuschten, sondern um eine aggressive Rekrutierung sämtlicher Demokratiefeinde. Deren Wurzeln sitzen tiefer als in der wiedervereinigten, durch Kohl, Schröder und Merkel repräsentierten, Bundesrepublik. Nicht überall und nicht zu jeder Zeit, wurde die Vergangenheit sachgerecht aufgearbeitet. Im Westen kamen Nationalsozialismus und Shoa
erst in den späten 1970iger Jahren ins Curriculum, im Osten wurde beides bis 1989 nur als Problem "der Anderen" behandelt. Alte Herren der zweiten Generation, die ihre Lebensweisheiten an die junge Generation weitergeben und ihr einreden, sie würden von der etablierten Politik abgehängt, gibt es also zur Genüge. Und zwar in allen sozialen Milieus.
In dem Augenblick, in dem du sagst, das Versagen der etablierten Politik ermöglicht die AfD, stößt du ins gleiche Horn wir die AfD. Die etablierte Politik in der Bundesrepublik hält sich an demokratische Regeln, selbst ein Seehofer Horst und ein Oskar Lafontaine. Die AfD schafft das noch nicht einmal innerparteilich (siehe Auswahlverfahren für Listen, siehe Verfahrensfehler in Sachsen).