Deutschtürken?

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Solipsist

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AW: Deutschtürken?

Gibt es so etwas wie Deutscher mit italienischen Wurzeln? Oder deutscher mit spanischen Wurzeln? Bezeichnen sich die anderen Minderheiten auch so? Sind sie auch so zerissen?
 

ray81

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AW: Deutschtürken?

Gibt es so etwas wie Deutscher mit italienischen Wurzeln? Oder deutscher mit spanischen Wurzeln? Bezeichnen sich die anderen Minderheiten auch so? Sind sie auch so zerissen?

Klar gibt es diese ... ich kann mir auch vorstellen, dass man ihnen eigene Bezeichnungen gibt ... allerdings habe ich bei google und Deutsch-Italiener bzw. tedesco nichts als ein Wörterbuch gefunden ...

Allerdings ist die Gruppe an Italiener und Spanier wesentlich kleiner als die türkischestämmige Bevölkerung, weiters, darf man nicht außer acht lassen, dass ein Unterschied auch die Religion darstellt, Italiener und Spanier sind Chisten, Türken nicht ... das spaltet, wo es eigentlich nicht per se eine Spaltung geben müßte ... für türkische Mitbürger ist es auch in der Regel leichter nur unter sich zu bleiben, in einer größeren Stadt kann ich nahezu alles auf türkisch regeln, ich lebe nahezu ein komplett "türkisches" Leben in Deutschland, arbeite türkisch, kaufe türkisch ein, habe nur türkische Freunde - eine große Auswahl, Bankgeschäfte werden in der türkischen Bank erledigt und zu guterletzt gehe ich in eine türkische Moschee zum Beten ... auf dem Amt gibt es Formulare in türkisch ... ein nahezu perfekter Mikrokosmos ... wenn ich nun hie und da aus diesem kleinen Mikrokosmos ausbreche - besonders wie junge Türkischstämmige, dann werden schnell Grenzen gesetzt ... man begibt sich aus dem türkischen Mikrokosmos auf echt deutsches Gebiet ... diese "Bürde" des Lebens zwischen zwei Welten zeigt sich auch bei der Schule ... wenn sie nun mehr und mehr aus diesem Mikrokosmos ausbrechen wollen, wie bei einer Arbeit nicht türkisch geprägten Umfelds werden sie abermals geprüft und oft erfahren sie im übertragenen Sinn ... hey Türke, was willst du denn hier? ... und müssen sich doppelt als qualifiziert beweisen, im Hinblick auf solch einen "schweren" Weg, resignieren nicht gerade Wenige ... das schafft oft Verbitterung und Aggression ... gegen eine Ungerechtigkeit, an dem alle und keiner die Schuld trägt ...

zurück zu Spanien und Italien ... theoretisch möglich, wahrscheinlich eher weniger ... aber den einen oder anderen Fall von Zerrissenheit wird wohl schon existent sein ...

... eines noch, keine Gruppe mit ausländischen Wurzeln, "kapselt" sich in den Augen der Deutschen so ab, wie die Türken ... Leute, die fast 40 Jahre in Deutschland sind und genauso sprechen wie nach ihren ersten sechs Monaten ... hat ja alles seine Beweggründe, was sind diese nun, die gemeinsame Geschichte, Türken wider das christliche Europa, kein Teil der EU, kaum Gemeinsamkeiten in der Sprache und ihrem Aufbau, Traditionen ... oder der immer gehegte Wunsch nach einigen Jahren zurück in die Heimat zurück zu kehren ... Jahre aus denen dann Jahrzehnte werden, wie kann ich meinen Kindern aber dann ein Vorbild sein, wenn sie sehen, dass die Eltern nach 40 Jahren immer noch gebrochen deutsch können ... das betrifft jetzt nicht alle Türken, aber es sind viele ... der Wunsch schnell wieder die Heimat zu sehen, hat sie davon abgehalten ... für die Jungen ist es aber fast ein Dogma ... für was soll man deutsch können, wenn man türkisch leben kann ...

mich schmerzt, dass ich türkisch als Kind nicht gelernt habe ... weshalb ich es bisher nicht gelernt habe, hat seine Gründe .. leider ...
 
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sommersonne

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AW: Deutschtürken?

Ich kann hier eigentlich gar nicht mitreden, aber beim Lesen deines Posts kam mir der Gedanke, dass die Diskrepanz primär auf einem Unterschied in Herkunft und Lebensweise basieren könnte. Z. B. werden sich vermutlich auch in der TR Familien unterscheiden, je nachdem, ob sie ihre Wurzeln in Großstädten haben oder ob sie ursprünglich aus einem kleinen Dorf stammen. Soviel ich weiß, stammten die ersten türkischen Gastarbeiter eher aus ländlichen Gebieten.

In DE wurden die traditionellen Werte dieser Familien weiter gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben bzw. - wie du schon sagst - mit einer Frau aus dem Dorf der Vorfahren aufgefrischt und somit gegen allzu weltliche Einflüsse aus dem deutschen Umfeld verteidigt.



... und es hat keine Entwicklung stattgefunden, in der Türkei aber schon.

Durch das Abgrenzen der Gastarbeiter und der Aufbau einer eigenen kleinen türkischen Welt, am Anfang vielleicht eine Notwendigkeit, sind sie immer in dem Status geblieben den sie mitgebracht hatten. Und wie Farina schreibt, haben ihn immer an ihre Nachkommen weitergegeben. (Ich verallgemeinere jetzt mal stark.)

Ich denke sie haben das Gefühl in der Türkei werde der Glaube verwässert, verwestlicht und sie müssten ihn "retten".

Andererseits sind sie aber doch durch das "deutsche" Leben hier beeinflusst und finden nun ihre Landsleute in der Türkei in Sachen Moderne und Technik rückständig.

Sie sind verunsichert und ihre angebliche Arroganz den Menschen in der Türkei gegenüber resultiert aus Unsicherheit. Sie möchten sich nicht mit den Deutschen identifizieren und können sich aber auch nicht wirklich mit den Menschen in der Türkei identifizieren.

Das ist ein ziemliches Dilemma in dem sie stecken. Sie stehen quasi zwischen zwei Welten. Das ist nicht angenehm.

Lösen lässt sich das nur durch viel Zeit und dadurch dass sie in allen Belangen des Lebens in Deutschland so wie wirkliche deutsche Staatsbürger behandelt würden, ohne Unterschied.
 
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sommersonne

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AW: Deutschtürken?

Gibt es so etwas wie Deutscher mit italienischen Wurzeln? Oder deutscher mit spanischen Wurzeln? Bezeichnen sich die anderen Minderheiten auch so? Sind sie auch so zerissen?

Ich denke sie sind nicht so zerissen weil bei ihnen der Glaube auch christlich ist. Vielleicht leben sie ihn anders, aber die Grundrichtung ist gleich.
Das hat ihnen das Leben in Deutschland erleichtert. Sie hatten nicht das Gefühl sie müssten um ihren Glauben kämpfen.

Viele Griechen und Italiener haben auch das gemacht was sie sich vorgenommen hatten. Sie haben hier ein paar Jahre gearbeitet und haben mit dem Erlös etwas in Italien oder Griechenland aufgebaut. Die wenigstens sind hier geblieben.

Warum die Türken das nicht gemacht haben, weiss ich nicht. Ich glaube die meisten Türken hatten es sich auch so vorgenommen. Keine Ahnung was dazwischen gekommen ist.
 

solresol

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AW: Deutschtürken?

Über den Akzent habe ich mich auch schon gewundert, z. T. selbst bei welchen, die gar nicht richtig Türkisch sprechen können. Kommt mir manchmal mehr wie eine "Modeerscheinung" vor.

Mir fällt sofort beim Lesen den elsässischen Akzent ein, den ich sogar auf Deutsch (ohne elsässische Wörter zu gebrauchen: ich kenne sie nicht, ich bin nicht Elsässer noch Lothringer!) zum Lachen wiedergeben kann (obwohl ansonsten die Elsässer meistens ein sehr korrektes Französisch sprechen! nur, mit Akzent eben...)
 

solresol

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AW: Deutschtürken?

Türken in der USA sind nicht so, schon in der zweiten Generation brechen sie den Konakt ab und werden Amerikaner.

in Frankreich genauso. wenn Du auf dem französischsprachigen türkischen Forum Athetürk teilnehmen würdest, würdest Du feststellen, dass sie sich da ENORM VIEL lockerer als in Deutschland verhalten :mrgreen: ! Daher auch, am Schluss, 'Athe', das kommt nicht von ungefähr: sie kamen auch als Muslime nach Frankreich, konnten aber in einer Moschee, wo marokkanische Darija gesprochen wird, mit ihrem Türkisch nicht so viel anfangen, haben sich also wesentlich häufiger von der Religion gelöst. da viele Türken eher wie Nachkommen von Kreuzrittern oder Römern als wie Araber aussehen, tauchen dann in die Masse der Franzosen unter. Fertig ist die Integration :wink: und sie sind keine vehemente Muslime mehr, die jeder Zeit einen heiligen Krieg gegen Frankreich starten würden...
 

solresol

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AW: Deutschtürken?

Deutscher mit türkischen Wurzeln ist OK, das ist was man in dritter/vierter Generation erwartet.

nein, protestiere, man erwartet das nicht, aber es ist so.

nur sind die Türkennachfahren aus der 4. Generation aus Mischehen immer noch extrem selten!

die ersten Frauen, die nachkamen, sprechen heute immer noch nicht Deutsch, auch wenn sie ihr ganzes Leben hier verbracht haben, auch wenn ihre Töchter und Söhne Akademiker sind und einwandfrei zur deutschen Mittelklasse gehören sollten, wenn alles richtig gelaufen wäre! sagen wir es so, diese Mütter sind ein richtiger Bremsklotz gewesen!

Sie scheinen mehr eine eigene Kultur entwickelt zu haben.

eine Kultur ist es nicht, sondern bestenfalls eigene Bräuche... Das ja!
 

solresol

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AW: Deutschtürken?

Gibt es so etwas wie Deutscher mit italienischen Wurzeln? Oder deutscher mit spanischen Wurzeln? Bezeichnen sich die anderen Minderheiten auch so? Sind sie auch so zerissen?

Deutsche mit polnischem Namen fühlen sich Nur-Deutsch!

Preussen (war ein völlig andere Kultur als die deutsche Kultur) sind deutscher als deutsch geworden...

In 500 Jahren wird es vielleicht auch so mit den Türken gegangen sein :mrgreen: ?

nach einem mühseligen :wink: Start eben!
 

solresol

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AW: Deutschtürken?

zurück zu Spanien und Italien ... theoretisch möglich, wahrscheinlich eher weniger ... aber den einen oder anderen Fall von Zerrissenheit wird wohl schon existent sein ...

... eines noch, keine Gruppe mit ausländischen Wurzeln, "kapselt" sich in den Augen der Deutschen so ab, wie die Türken ... Leute, die fast 40 Jahre in Deutschland sind und genauso sprechen wie nach ihren ersten sechs Monaten


mich schmerzt, dass ich türkisch als Kind nicht gelernt habe ... weshalb ich es bisher nicht gelernt habe, hat seine Gründe .. leider ...

also ich kann Dir berichten, dass in Spanien Leute die seit 500 Jahren dort leben und sogar international kennzeichnend für Spanien, so was wie Maskottchen von Spanien, geworden sind, wie die Gitanos, immer noch nicht integriert sind, wobei die Hautfarbe nicht unbedingt ausschlaggebend war: auch die Muslimen im Süden (in ihre Nachfahren: Sklavinnen!) waren nicht vollkommen hell...

wenn ein Volk sich absondern will, und wenn die Anderen die Neigung verstärken, dann geht es wirklich leicht!

an der Sprache allein misst man nicht die Integration: Juden geben ein glänzendes Beispiel dafür, dass man beides kann! sie sind integriert... die Reibung in der Geschichte sind nicht aus Mangel an Integration gekommen, sondern aus Neid! Juden waren besser gebildet, waren Künstler, Wissenschaftler, die Mächtigen unserer Welt mochten sie lieber als die eigenen groben und ungebildeten :mrgreen: Leute!

von daher ist der Platz der Türkennachfahren in der deutschen Gesellschaft ziemlich unkritisch: wenn sie nie was falsches tun, wird man sie überwiegend in Ruhe lassen, weil sie sich ja freiwillig mit der untersten Stufe der Gesellschaft begnügen! nur wenn sie toben, unbillige Ansprüche stellen (Deutschland mit Minaretten vollpflastern wollen :mrgreen: , nur Trauerbekleidung tragen). Erst wenn die Mehrzahl umschwenken sollte, und die Front der gebildeten Jugend erobern sollten (wie beispielsweise in England oder Frankreich, wo es ganze Gymnasien gibt, wo nur Einwanderungskinder lernen, und, natürlich, teilweise auch eine sehr gute Bildung erwerben, die sie befähigt, hinterher, wie die ehem. schwarze Ministerin Rama Yade, ein hervorragendes Studium abzulegen, wird vielleicht mal Neid entstehen können. da viele dieser Studente aber in Branchen studieren, wo man sie wirklich braucht, wie Medizin, verschiebt es stark das Aufkommen des Problems, wenn überhaupt. und deren Kinder werden auf Grund der neuen Stellung der Eltern das Problem nie kennen, wenn sie ein Bisschen vernünftig sind).

wir brauchen dringendst

eine obere Mittelklasse unter den Türkennachfahren!
 
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