Diyanet wettert gegen neue Berliner Moschee

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von Doris, 21 Juni 2017.

  1. Mendelssohn
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    Du glaubt doch nicht im Ernst, daß eine ordentliche Universität einen verbeamteten Universitätsprofessor wegen einer Fatwa entläßt? Kairo wird sich hüten, den deutschen Staatsschutz zu aktivieren.
     
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  2. Alubehütet
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    Mit Goethe habe ich aber meine Schwierigkeiten. Er hat zwar dem Islam hohe Sympathien entgegengebracht, kam im Christentum mit der Trinität nicht klar. War aber kein praktizierender Muslim, hat z.B. nicht gen Mekka gebetet.
     
  3. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Prof. Eugen Drewermann wurde von seinem Lehrstuhl für Religionspädagogik suspendiert. Da verbeamtet, hat er dann einen für Religionssoziologie übernommen. Waren die Scheine, die er vorher ausgestellt hat, z.T. verbindlich für Studenten, die Priester oder Religionslehrer werden wollten, so wurden sie jetzt für diese wertlos.

    Mit Kirchens ist das seit den Tagen des Kulturkampfes immer wieder ausgehandelt worden. Das ist inzwischen alles verrechtlicht, reguliert. Mit dem Islam beginnt dieses politische Aushandeln erst.

    Das Problem war bislang bei Imanen, die aus dem Ausland kamen und dort ausgebildet waren, daß sie in aller Regel nur für wenige Jahre kamen, oft nicht einmal Deutsch lernten und somit einen Schwerpunkt legten eben nicht auf Integration, sondern auf Bewahrung der Identität.

    Das Angebot: Wir bilden Imane aus an Universitäten. Wir bezahlen die Ausbildung, und sie geschieht auf wissenschaftlichem Niveau. Dafür reden wir allerdings selbstverständlich mit.

    Eine wichtige, auch Machtfrage: Wer repräsentiert denn überhaupt den Islam? Das ist ja überhaupt die Grundfrage, da der Islam eben bewußt nicht organisiert ist wie die Katholische Kirche, wie ungefähr auch der Protestantismus. Mit Sicherheit repräsentiert den Islam, wer die Imane anschließend übernimmt, bezahlt. Wenn die DiTiB sagt, von Khorchide ausgebildete Imane stellen wir nicht ein: Wer studiert denn dann noch bei Khorchide – Um dann ehrenamtlich an der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee zu wirken? Und ein Votum aus Kairo kann da in der Tat verheerend wirken. Dann müßte Khorchide wohl wechseln auf einen Lehrstuhl für Islamwissenschaft.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2 August 2017
  4. EnRetard
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    Ich auch nicht. Geht aber auch ohne.
     
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  5. Mendelssohn
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    Besser wäre es gewesen, sie Ibn Rushd/Kant Moschee zu nennen, ohne Zweifel. Nicht weil Kant den Islam studiert hätte, sondern weil er die Religionsfreiheit um den Preis der Publikationseinschränkung bezahlt hat. Bitterlich beklagt er das Verbot seiner Religionsschrift durch den Nachfolger des Alten Fritz und setzt in seiner Schrift zum Streit der Fakultäten noch einen drauf. Als bloße Berufswissenschaft habe sich die theologische Fakultät wie die medizinische und die juristische der philosophischen unterzuordnen. Was philosophisch nicht stimmig ist, kann auch theologisch, juristisch oder medizinisch nicht stimmig sein. Die preußischen Theologen, Vorläufer jener Lehrstühle für christlich germanisches Recht und christlich germanische Medizin, haben getobt. Doch Kant war inzwischen zu alt fürs Schafott und die Revolution an Potsdam vorbeigegangen.
     
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  6. Mendelssohn
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    Drewermann wurde die Lehrerlaubnis in katholischer Theologie vom Vatikan entzogen, aber nicht von der Universität. Im Unterschied zu den Seminaren der katholischen Theologie, die unter der Autorität des Vatikan stehen, steht das Institut für Islamwissenschaft nicht unter der Autorität des Mufti von Kairo oder der türkischen Religionsbehörde, sondern einzig und allein unter der Autorität der Universität und der Landesverfassung. Der Mufti von Kairo hat keine Möglichkeit, Khorchide die Lehrerlaubnis an einer deutschen Universität zu entziehen. Der Vatikan hat es auch nicht, nur innerhalb der von ihm kontrollierten Fakultät. Dies hat aber mit besonderen Rechten der christlichen Kirchen innerhalb der universitären Lehre zu tun. Über diese besonderen Rechte verfügt keine islamische Religionsbehörde. Darum kann Khorchide weder entlassen, noch in eine andere Fakultät auf Drängen eines Mufti versetzt werden. Du vergleichst Unvergleichbares.
     
  7. Alubehütet
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    @Mendelssohn
    Ich hatte doch geschrieben, worin die Probleme bestehen, Katholizismus und Islam zu vergleichen: Der Klärungsprozeß Kirche/Universität ist abgeschlossen, der von Islam/Universität beginnt überhaupt erst. Und: Der Islam kennt eben kein verbindliches Lehramt, damit aber auch auch nicht so ohne weiteres einen Ansprechpartner. Das will alles erst ausgehandelt werden.

    Khorchides Vorgänger, Sven Kalisch, war ausweislich eines FAZ-Interviews 2008 gestartet zum Beispiel mit den Thesen: Auf Apostasie (Abkehr vom Islam) steht traditionellerweise der Tod. Hierzu ist zu sagen, daß dies im Koran nicht geboten sei, sondern zurückgeführt wird auf die Praxis des Propheten. Da wäre erstens zu fragen, ob das historisch-kritisch überhaupt so haltbar ist; hat der Prophet das so gesagt und praktiziert. Zweitens, selbst wenn, ist das für alle Zeit so verbindlich oder nicht nur im zeitlichen Kontext zu sehen. Dann fragt Kalisch: Wie geht der Islam damit um, daß der auch im Koran beschriebene Exodus (Auszug der Juden aus Ägypten unter Moses) historisch nach aller Erkenntnis so nicht stattgefunden hat. Das, finde ich, sind legitime Fragen, die müssen muslimische Religionslehrer ihren Schülern ja auch beantworten.

    Später aber geht Kalisch dazu über, die historische Existenz des Propheten Mohammed überhaupt zu bestreiten. – Ich halte das Projekt der Saarbrücker für unbedingt notwendig, für eines der ganz großen Abenteuer der Geisteswissenschaft. Es wird die Große Abrißbirne angesetzt auf ein Denkmal, und wir schauen mal, was dann überhaupt noch von stehen bleibt: Das haben wir mit Jesus von Nazareth schon gemacht, mit dem griechischen Dichter Homer, gegenwärtig mit dem chinesischen Denker Laodse, und es hat uns bislang immer noch weiter gebracht. Niemand kann jetzt schon absehen, wohin das führen wird, was die Saarbrücker da machen. Wie viel da entgipst werden wird, wie viel aber auch bestehen bleiben muß.

    So etwas gehört unbedingt an die Universitäten. Diese Diskussionen gehören aber keineswegs jetzt schon in Gemeinden oder Schulklassen. Zumal es noch überhaupt keine Theologie gibt, wie ein Islam ohne die historische Existenz des Propheten Mohammed aussähe. Und wenn Kalischs Studenten erklären: Wer nimmt uns denn noch, wenn wir so Zeugs studieren, dann haben sie Recht. Der ist zu Recht abgeschossen worden. Ist ja übrigens nach wie vor als Professor tätig, nur eben nicht mehr in der Lehramtsausbildung. („Im Juli 2010 entfernte das Rektorat Kalisch aus dem "Centrum für religiöse Studien". Er bleibt Professor im Fachbereich Philologie; seine Professur wurde umbenannt in "Geistesgeschichte im Vorderen Orient in nachantiker Zeit"“,Wikipedia.) Um mal wieder auf den Thread zurückzukommen *HUST*, hier hat sich meiner Meinung nach auch die Ates falsch positioniert.

    Wie m.E. Drewermann übrigens auch zu Recht abgeschossen wurde. Bei allem Respekt, den Mann wird man als einer der wenigen Denker unserer Zeit auch in 200 Jahren noch lesen. Aber der Kern der Theologie Drewermanns ist durch und durch protestantisch. Da habe ich überhaupt nichts gegen. Aber das ist eben nicht katholisch, und eine Schule muß die Möglichkeit haben, zu sagen: not in my name, das, was hier vertreten wird, mag im Rahmen unserer Religion abgedeckt sein, aber nicht mehr in der Tradition, die wir vertreten. (Drewermann war übrigens nicht vom Vatikan geschasst worden, sondern auf Betreiben des Vatikans, nämlich Ratzingers, durch den Paderborner Erzbischof Degenhardt. Ratzinger hat gekniffen. Degenhardt – übrigens verwandt mit dem Liedermacher Franz Josef Degenhardt – war einem Drewermann, vorsichtig ausgedrückt, nicht ansatzweise gewachsen. Die haben komplett aneinander vorbei geredet.)
     
  8. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Und da ist schlicht die Frage, wie man das ändert. Denn natürlich kann nicht jeder Blödsinn an der Universität gelehrt werden im Namen einer Religion. Eine Religionsgemeinschaft muß da sagen können: Macht den Blödsinn weiter, aber nicht in unserem Namen; Imane, die von dem da ausgebildet werden, kriegen bei uns keine Stellung – das ist noch einfach –, und wir wollen nicht, daß unsere Kinder in der Schule unterrichtet werden von Lehrern, die von dem da ausgebildet worden sind.

    Das Problem beim Islam: Wer ist dieses „wir“. Wer ist befugt, im Namen der Religion zu sprechen, wenn man sie den christlichen Kirchen gleichstellen will.
     
  9. EnRetard
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    Dafür haben NRW und Niedersachsen den Beirat aus Vertretern der muslimischen Verbände erfunden.
     
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  10. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Wenn an deutschen Universitäten Blödsinn gelehrt wird, kann sogar ein Professor rausfliegen. Ich erinnere mich an den Fall eines Professors für Sozialpädagogik an einer FH, der sein Seminar über sexuellen Mißbrauch gruppendynamisch gestaltete.
    Also alles geht nicht, ganz unabhängig von Vatikan oder Fatwa.
    Um es noch einmal ganz klar zu sagen: in Deutschland ist es seit Mitte des 19. Jahrhunderts so, daß die beiden Kirchen, Lehrern und Hochschullehrern die Missio erteilen und entziehen können, aber sie nicht entlassen können. Der Beirat, die in NRW einzig anerkannte Instanz in islamischen Religionsdingen, verfügt aber nicht über das Recht, die Lehrerlaubnis zu erteilen oder zu kassieren. Hier gibt es im Unterschied zu den Kirchen keine vertraglichen Vereinbarungen.
     
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