AW: Geschäftsreise - Haussegen schief?
Jedenfalls glaube ich nicht unbedingt, dass Menschen unbedingt die gleiche Bildung, die gleichen Interessen oder gar die gleiche Kultur brauchen um ein gutes Paar abzugeben. Wichtig ist dass man hinsichtlich des Vertrauens ähnlich tickt. Es bringt nichts, wenn ein Mensch selbst 100% vertrauen kann und der Partner überhaupt nicht. Da werden beide nie glücklich.
Da mein Freund und ich beide ähnliche Probleme haben, passen wir, denk ich, ziemlich gut zusammen. Wichtig ist nur, dass wir uns beide unseres Problems bewusst sind. Dass wir wissen, dass dieses Misstrauen nicht berechtigt ist und nichts mit dem Partner persönlich zutun hat. Und wichtig ist, dass wir uns wegen dieser anstrengenden Gefühle nicht verachten, sondern uns Verständnis entgegen bringen. Auch wenn es manchmal noch so absurd erscheint.
Bei uns läuft das dann in der Regel so ab: Mein Freund muss heut Nacht jemanden vom Flugahafen abholen. Ich hab probleme ihm zu vertrauen. Ich weiß, dass er die Wahrheit sagt. Aber es kommen immer wieder die Gedanken: "was wenn er feiern geht und es mir verheimlicht? was wenn er sich mit einer Frau trifft? warum muss derjenige um 1 uhr nachts ankommen, an einem Flughafen, der über 250 km entfernt ist? "
Und ich spreche ihn dann drauf an: "Schatz, ich weiß dass es blödsinn ist. Ich weiß, dass du mich nicht betrügen wirst. Aber dieses Gefühl ist wieder in mir und frist mich auf. Ich schaffe es nicht alleine, es zu unterdrücken. Ich muss drüber sprechen." Und dann spricht er mit mir. Ich erzähle ihm von meinen paranoiden Gedanken. Und dann lachen wir beide drüber. Und dann macht er mir vorschläge, wie er mich beruhigen kann. Er ruft mich dann an, wenn er am Flughafen ist, damit ich die Lautsprecher durchsagen höre. Völlig beknackt. Aber allein die Tatsache, dass wir drüber sprechen löst schon etwas in mir.
Und ähnlich würde es auch verlaufen, wenn ich ihm sagen würde, dass ich auf eine dienstliche Reise muss. Diese Kontrollen finden selten wirklich statt. Er wird heute Nacht nicht anrufen, damit ich die Lautsprecher ansagen höre. Ich habe ihm nach dem Gespräch gesagt, dass es mir wieder gut geht und ich ihm vertraue und ich keinen Anruf möchte. Aber sollte es mich in der Nacht doch überkommen, dann kann ich jederzeit anrufen und mit seinem Verständnis rechnen. Allein die Tatsache beruhigt mich so sehr, dass ich mit Sicherheit nicht anrufen werde.
Wir verbieten uns nichts in dem Sinne. Aber wir müssen viel drüber reden und uns gegenseitiges Verständnis aufbringen. Das mag für die, die so gesegnet sind, keine tiefgreifenden Vertrauensprobleme zu haben, total anstrengend erscheinen. Wäre es auch und ich würde niemandem raten sich das freiwillig anzutun. Aber manche Menschen leiden eben an dieser, ich nenne es mal Psychose. Und da ist es vielleicht besser drüber zu reden und sich die Dinge klar zu machen...
Ansonsten wird man ewig auf der Suche sein, nach dem Menschen, dem man vertrauen kann. Und der wird nicht kommen, weil es wie gesagt Personenunabhängig ist. Es ist ein tiefgreifendes Selbstwertmanko. Nicht von wegen "ich bin nicht gut" und "ich bin nicht schön" und "keiner mag mich." Ich bin gerade auch in beruflichen Dingen sehr selbstbewusst und auch optisch sehr zufrieden mit mir. Aber bezogen auf die eine Person, die einem eigentlich am nächsten sein sollte (das was in der Kindheit eben die Eltern waren), da gibt es halt diese unkontrollierbaren Verlustängste, erstanden aus der Erfahrung die man gemacht hat in der Kindheit.
So, jetzt hab ich mich wieder selbst therapiert :biggrin: