TÜRkenkalender oder die Zeit zur Ruhe zu kommen...

Doris

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Türchen 10

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Feuerzangenbowle

„Eine Feuerzangenbowle hat es in sich! Nicht wegen des Katers. Das ist eine Sache für sich. Eine Feuerzangenbowle ist keine Bowle. Sie ist ein Mittelding zwischen Gesöff und Hexerei.“ (Zitat aus dem Film „Die Feuerzangenbowle“)

Zutaten


1 Orange (unbehandelt)
1 Zitrone (unbehandelt)
2 Zimtstangen
4 Kapseln Sternanis
2 Nelken
2 Liter trockener Rotwein
375 ml Rum (54%)
1 Zuckerhut (250 g)

Zubereitung

1. Von der Zitrone und Orange die Schale dünn abschälen und den Saft auspressen. Saft durch ein Sieb in einen Topf gießen. Zitrusschalen, Zimtstangen, Sternanis, Nelken und Rotwein zugießen. Zutaten erhitzen, aber nicht aufkochen. Rum leicht erwärmen.

2. Zuckerhut auf einer Feuerzange über den Topf legen, mit etwas Rum beträufeln und anzünden. Ehe die Flamme verlöscht, mit einer Schöpfkelle den Rum nachgießen. Feuerzangenbowle in Tee- oder Punschgläsern servieren.
 

Hanni Heini

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20 März 2015
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Türchen 11

Manchmal
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muß man
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die Perspektive wechseln,
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um den Himmel zu sehen.
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Verein "Andere Zeiten" Fotos: Achim Nitschmann
 

Doris

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Türchen 12

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Dei lütt Wihnachtsmann

Ein plattdeutsches Weihnachtsgedicht von Richard Giese

Nu kiekt doch blots dit’n Kierl juch an,
Is dat förwohr nich’n statschen Mann?
Hett üm den Buk ’n dicken Strang,
Dei em dei Büx höllt, wiet un lang.
Wild wast’n Bort em üm’t Gesicht,
As’n Kattenfell, so witt un dicht.
Un ierst sien Stäwel, zapperlot,
Dei sünd woll twintig Miel tau grot!
As Elwkaehn führn’s em dörch den Snei,
Un beide Snuten sünd intwei.
Sien Haut is as’n Rägendack
Un blots in’t Köppels ’n bäten lack.
Hei stampt dörch Snei un Dreck un Schiet,
Ja, ja, sien Weg is deip un wiet.
Un dorbi släpt hei swore Last,
Hett’n prallen Thomassack up’n Ast,
’n Sack mit Pierd un Käuh un Schap,
Grient dor sogor nich ok noch’n Ap?
Un Autos, Wagens un’n poor Schäp,
Twei Iserbahnen un ’ne Swäp,
Ick kann’t nich all vertellen mal,
Wat hei dei Strat släpt up un dal.
Dei Hauptsak aewer von den Tand
Is doch dei Raud in sien lütt Hand,
Sei ist dat Zepter, ji verstahn,
Von’n lütt’n un groden Wiehnachtsmann!
 

Hanni Heini

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20 März 2015
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Türchen 13

Türen der Erinnerung

Heute und morgen ziehe ich mit dem Fotoapparat los. Suche Häuser, die meinen Lieben vertraut sind. Ich fotografiere ihre Türen und lasse Abzüge entwickeln.

Wenn wir dann Weihnachten mit vollen Bäuchen und einem guten Glas Wein zusammensitzen, will ich sie überraschen.

"Kommt diese Tür hier irgendwem bekannt vor?" Die hölzerne Tür vom Reitstall für meine Freundin, das gusseiserne Kirchentor für meine Mutter. Unser Sohn wird den gläsernen Schwinger seines Kindergartens erkennen. Mein Mann die graue Wohnungstür mit Guckloch unserer Freunde. Und wir alle die Drehtür vor dem Freibad. Durch diese Türen sind wir in diesem Jahr gegangen.

Vielleicht reizen sie uns zum Erzählen: Sind wir fröhlich, aufgeregt hindurchgelaufen, was haben wir dahinter erlebt, was hat uns zum Lachen gebracht und was berührt? Ich möchte auch Türen von Menschen fotografieren, die in unserer Erinnerung leben. Die Haustür, hinter der meine Oma damals gewohnt hat. Die Schultür, durch die mein Vater täglich als Lehrer gegangen ist.


Iris Macke
 
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Doris

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Tannengrün bis Porzellan: Ein Kranz erobert die Welt


Tannengrün mit vier Kerzen - so sieht der typische Adventskranz heute aus. Erst um 1860 wurde der Kranz auch mit Tannengrün geschmückt und setzte sich in den evangelischen Kirchen und Privathaushalten bis Anfang des 20. Jahrhunderts allgemein durch. 1925 soll auch erstmals ein Kranz in einer katholischen Kirche in Köln gehangen haben. Spätestens ab der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg findet man ihn in aller Welt und in allen möglichen Formen. Heute gibt es Kränze aus Frottee, aus Plastik, aus Porzellan, ausklappbare Kränze für die Reise und vieles mehr. Eines haben sie alle gemeinsam: Im Gegensatz zum Wichern-Kranz stecken darauf nur noch vier Kerzen - für die Adventssonntage. Die restlichen Kerzen sind im Laufe der Zeit auf der Strecke geblieben, denn um mehr als 20 Kerzen unterzubringen, müsste ein Kranz einen Durchmesser von ein bis zwei Metern haben.

Im Rauhen Haus in Hamburg allerdings wird die Wichern Tradition aufrecht erhalten. Hier gibt es in der Vorweihnachtszeit noch den originalen Adventskranz, wie ihn Johann Hinrich Wichern 1839 erfunden hat.

(Cornelius Kob)
 
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Hanni Heini

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Ein Dromedar

Warum Herr Hopp am frühen Morgen ein Dromedar spazieren führt?
Warum nicht? Wer hätte nicht mal Lust darauf?

Aber die meisten Menschen sterben, liegen da und denken:
Nicht ein einziges Dromedar hab ich in meinem Leben ausgeführt.
Das hätte mir auch mal früher einfallen können. Aber dann ist es zu spät.

Vielleicht sagen sie aber auch: Ich bin zu wenig Riesenrad gefahren,
zu selten durch Laubhaufen gelaufen.

Herr Hopp lebt jedenfalls für solche Menschen, und er lebt nicht schlecht.
Denn immerhin gibt es nicht wenige, denen es nicht reicht, abwechselnd zur Arbeit,
ins Bett, zur Bank und in Ferien zu gehen, und wenn sie damit durch sind,
fangen sie von vorne wieder an.

Nein, solche Leute haben vielleicht plötzlich Lust auf den Anblick eines Dromedars,
das knien, oder auf einen Schimpansen, der Karten spielen kann,
oder auf eine Dressurreiterin, die im rosa Röckchen auf dem Rücken des Pferdes steht
und mit vollen Händen Küsse in die Menge wirft, und das mit einem Lächeln, schön wie eine Fensterscheibe voll Eisblumen.

Ja, wenn dies alles eine Pizza wäre, man könnte es sich kommen lassen.

Aber ein Dromedar?
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Roger Willemsen

 

Doris

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Der Weihnachtsfrieden

Der Weihnachtsfrieden war eine von der Befehlsebene nicht autorisierte Waffenruhe während des Ersten Weltkrieges am 24. Dezember 1914 und an den folgenden Tagen. Sie fand an einigen Abschnitten der Westfront statt, wo es vor allem zwischen Deutschen und Briten in Flandern zu spontanen Fraternisierungen kam. Auch an Teilen der Ostfront gab es zu diesem Zeitraum keine Schusswechsel. Der Weihnachtsfrieden des Jahres 1914 bezeichnet heute vor allem die Ereignisse an der Front zwischen Mesen und Nieuwkapelle, an der sich Deutsche und Briten kriegerisch gegenüberstanden.

Der Morgen des 24. Dezember brachte einen klaren Tag. Der ständige Regen hatte aufgehört, an einigen Stellen des Sektors wurde zwar noch geschossen, an den meisten jedoch war Stille eingekehrt, die nur durch Zurufe der einander gegenüberliegenden Soldaten unterbrochen wurde. Erste Männer riefen den Gegner an, dass sie ihre Gefallenen bergen wollten. Es wurde nicht geschossen, als sie unbewaffnet ins Niemandsland gingen. Nachdem die Toten beerdigt waren, begannen die Soldaten miteinander zu sprechen, vor allem auf Englisch, da viele Deutsche durch die vom Kaiser propagierte Nähe zu England die Sprache gelernt oder sogar in Großbritannien gearbeitet hatten.

(aus Wikipedia)​
 

Hanni Heini

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20 März 2015
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Göttliche Tragödie

Neulich traf ich Gott am Flaschencontainer, er wohnt hier im Viertel, aber wir hatten uns lange nicht gesehen. Der müde Zug um seine Augen war noch müder geworden, seine weißen Haare hätten einen Schnitt vertragen, und er trug wieder den alten grauen Wollmantel, auch Lederhandschuhe; es ist nun kalt geworden, und er scheint empfindlich zu sein.

Wir gingen einen Kaffee trinken. Ob es ihn nicht jucke, fragte ich: mal dreinzuhauen, den Mordgestalten zu zeigen, wo der Hammer hänge, Stichwort Sintflut, Stichworte Sodom, Gomorra.

Ja, aber wo fange man an, höre man auf? Tag für Tag sei das Übel in der Welt, überall, da hätte er viel zu tun. Er habe das Böse geschaffen, weil er gedacht habe: Wie solle man das Gute erkennen, wenn es das Böse nicht gebe? Wie könne man den Tag begrüßen, wenn man die Nacht nicht habe? Wie sei es möglich, das Leben zu schätzen, wenn es keinen Tod gebe? Nicht falsch, oder? Aber es quäle ihn, er sehe, was er angerichtet habe, bis zum Urknall zurück reue es ihn. Was solle er tun? Er sei Schöpfer, Rückbau sei seine Sache nicht, er wisse gar nicht, wie das gehe.

Was er überhaupt hier mache, im Viertel, fragte ich.

Das sei eben die andere Seite, sagte er. Das großartige Leben, das wir hier geschaffen hätten, die Zivilisation, die Toleranz, die Kultur. Die kühlen Getränke. Er habe es nicht mehr ausgehalten draußen, er sei quasi hierher geflüchtet, rief er, nun lauter, und warf mit rudernden Armen beinahe seine Tasse um.
Er sei ein Universumsflüchtling. Das Alleinsein. Die Ewigkeit. Die Weite. Dieses haltlose Herumschweben.
Das könne sich kein Mensch vorstellen. Ob ich wisse, wie langweilig die Unendlichkeit sei?

Und deshalb sei er hier, weil er endlich einmal etwas haben wolle von dem, was er selbst geschöpft habe, ja, so drückte er sich aus, »geschöpft«, sagte er und fügte hinzu: Endlich sei er hier!

»Blöder Zeitpunkt«, sagte ich.

»Kannst du laut sagen«, sagte er. (Immer duzt er mich, und ich sieze ihn, so ist das.) »Macht mich fertig, ehrlich gesagt, nicht, weil es mich in meinem Lebensgenuss stört, versteh das nicht falsch. Aber erstens bin ich schuld an allem, letztlich, zweitens kann ich euch nicht helfen. Echt nicht.

Ihr müsst euch selbst helfen. Könnt ihr auch. Werdet ihr.

Axel Hacke
 

Doris

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Weihnachten

(Author unbekannt)

Ich sehn' mich so nach einem Land
der Ruhe und Geborgenheit
Ich glaub', ich hab's einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.
Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
daß alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei's Sonnnenstrahl,
daß Regen, Schnee und jede Wolk,
daß all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön
Ich muß gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön'
ein's jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd' still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.
Ich glaube, daß war der Moment,
den sicher jeder von euch kennt,
in dem der Mensch zur Lieb' bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!​