Der Artikel geht am Kern der Diskussion vorbei bzw. versucht diesen zu verschleiern, indem er den Eindruck erweckt, es ginge aus heutiger Sicht lediglich um die Fiktion einer zeitgenössischen Aufarbeitung der damaligen Vorgänge. Die Bezugnahme auf historische rechtliche Einordnungen und außenpolitische Manöver (insbesondere die USA hatten den Sachverhalt bestens dokumentiert) führt in die Irre. Sie ficht die Genozid-Behauptung und darauf gerichtete Resolutionen nicht an, da diese eine Einordnung der Geschehnisse anhand des modernen Völkermord-Begriffes zum Gegenstand haben und auch nicht mehr als dieses Anerkenntnis der türkischen Außenpolitik antragen. Dass dahinter kein Wahrheitsstreben steht, sondern ebenso handfeste Interessen, wie einen EU-Beitritt der Türkei zu torpedieren, liegt allerdings auch auf der Hand.
Da bist du falsch informiert. Ein Völkermord kann ebenso ohne Tote und gerade auch ohne Tötung verwirklicht werden. Zu Tötungen hingegen, die einen Völkermordvorwurf begründen können, können auch solche Todesfälle gezählt werden, die außerhalb des Kausalverlaufes eines Tötungsdelikts liegen - ein solches ist der Völkermord eben nicht. Auf diese tatbestandlichen Grenzen kommt es in der Armenienfrage aber kaum an, da ein Völkermord in seiner offensichtlichsten Begehungsvariante einer Mehrzahl von Quellen unmittelbar zu entnehmen ist. Die unterschiedlichen Vorstellungen der Diskussionsteilnehmer, welche Quellen hierzu beachtlich sind, werden wohl nicht in konstruktiv zusammen zu führen sein.