Türken in Deutschland "dümmer" ?

Zerd

Well-Known Member

Bei mir rennst Du offene Türen ein, wenn Du darauf abstellst, dass die Dinge nicht ganz so einseitig sind, wie sie erscheinen müssen, wenn man sie in einigen Absätzen zusammenfasst. Natürlich gab es die Leute, die aus ländlichen traditionellen Umgebungen den Sprung geschafft und in der kemalistisch geprägten Türkei Karriere gemacht haben und sogar (wie das so oft bei Konvertiten zu beobachten ist) noch päpstlicher als der Papst wurden, was die Verteidigung des Kemalismus betrifft. Wir können auch gerne über die Dorfinstitute reden, die einige Jahre nach ihrer Gründung wunderbar funktionierten, bevor sie dann eingestampft wurden. Und auch über die westliche Orientierung.

Aber läuft das nicht am Thema, läuft das nicht an der aktuellen Realität vorbei? Was willst Du damit erreichen? Du sagst doch selbst, dass das Land gerade polarisiert sei, Du würdest doch selbst gerne etwas ändern, scheinst also einiges nicht in Ordnung zu finden. Dann müssen wir uns doch vor allem darum kümmern, was ganz offensichtlich nicht geklappt hat, statt irgendwelche "gute alte Zeiten" heraufzubeschwören. Kannst Du dieser Überlegung folgen?

Ja, die Bevölkerung ist derzeit wieder polarisiert, aber dass sie noch nie zuvor so sehr polarisiert war, dem kann ich nicht zustimmen. Schau, die türkische Republik hatte zuletzt in weniger als einem halben Jahrhundert einen gehängten Ministerpräsidenten, drei Militärdiktaturen und zwanzig Jahre Ausnahmezustand und Bürgerkrieg in einem Drittel des Landes vorzuweisen. Das sind doch wohl sehr deutliche Hinweise darauf, das die Zerrissenheit des Landes kein so neues Phänomen ist. So betrachtet gab es in der Türkei noch nie so viel Einheit und Frieden wie in den vergangenen 15 Jahren. Wieso fällt es Dir so schwer, das anzuerkennen, was doch im Grunde historische Wahrheit ist?

Wenn man diese Polarisierung sieht und sieht, dass sie kein neues Phänomen ist und sie als Problem erkennt, das es zu überwinden gilt, dann muss man sich doch damit beschäftigen, was die Ursachen dafür gewesen sein könnten. Einfach nur mit dem Finger auf RTE zu zeigen und ihn für alles verantwortlich zu machen, ist doch zu kurz gedacht, das würde doch völlig ignorieren, dass es auch davor Jahrzehnte lang gewaltige Probleme gegeben hat.

Also muss man schon etwas tiefer graben. Und der Kemalismus mit seinen Reformen und seinem Militär sind nun einmal die Ideologie, die die türkische Republik seit ihrer Gründung am stärksten geprägt hat. Und darum muss sie auch zwangsläufig bei so einer Ursachensuche als erstes ins Visier geraten und unter die Lupe genommen werden.

Dabei erkennt man eben neben einigen grundsätzlichen Schwächen (wie Bevormundung des Volkes, Revolution von oben, zu geringe Berücksichtigung mancher kultureller und traditioneller Belange), dass auch einiges gut gemeinte unheimlich schlecht umgesetzt wurde und die Einheit des Volkes, die man immer zu erzwingen versucht hat, nie zustande gekommen ist.

Das muss man sehen, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie viel es den Menschen bedeutet, wegen ihrer Religion, einem Kopftuch oder einem ländlichen Dialekt nicht mehr von öffentlichen Ämtern oder Bildungseinrichtungen oder gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen zu werden. Wie sehr alles unter RTE verkehrt läuft, ist doch gar kein Argument mehr, wenn schon vor ihm so vieles, und für manche Menschen eben sogar viel mehr verkehrt gelaufen ist.

Lehn Dich zurück und versuch diese Geschichte ganz unvoreingenommen zu betrachten, überleg Dir bspw, wer in der Türkei seit Jahren vor allem polarisiert (siehe auch Dein Zitat von Dündar). Der Kemalismus, wie er die türkische Republik des vergangenen Jahrhunderts geprägt hat, muss ein für alle Mal vom Tisch, er muss eingestampft werden und durch etwas Neues ersetzt werden, das Raum und Verständnis und Teilhabe ebenso für Besiktas bietet wie für Fatih. Das ist die Orientierung, die die Türkei benötigt, nicht neue Gräben zwischen Dummen und vermeintlich Klugen....
 

Zerd

Well-Known Member
Irgendwelche Wüstenbewohner in einem Dritte-Welt-Land und irgendwelche Asozialen...
Ja, was soll man bloß von denen erwarten.

Die Zitate bitte nicht aus dem Zusammenhang reißen: dieser Aussage folgte der eigentlich wichtige Nebensatz, der in unserem Zusammenhang lauten könnte, "wenn schon nicht einmal ein Ottoman erkennnen kann, was am Kemalismus so alles schief gelaufen ist".

Ich glaube so langsam, dass Du versuchst den bösen Kemalisten in Dir zu bekämpfen. Welch Schizophrenie.

Schade. Mit psychologischen Ferndiagnosen würdest Du vermutlich nicht so gut verdienen wie mit
 

Zerd

Well-Known Member
Nochmal kurz zurück zum Ausgangspunkt dieser Diskussion:

Dann wollte ich mir die Kommentare durchlesen und die Beiträge haben mich geschockt. Manche haben gemeint sie mögen Atatürk nicht, er sei ein falscher Held, er hätte das und das gemacht und sie hatten alles was gemeinsam, sie waren alle AKP Befürworter.

Ihr falsch und Unwissen war regelrecht ekelhaft. Ich habe mich gefragt wie ein Mensch so Unwissend, so mich falschen Infos gestopft und so neben der Sache sein kann.

Ich versuche ja immer wieder darauf hinzuweisen, wie ähnlich sich RTE-Anhänger und -Gegner in der Türkei in ihrer Rhetorik und Diskussionskultur sind. Und schaut euch an, wo wir hier hier gelandet sind: vier Kemalisten, die sich gegenseitig die Eier kraulen und dabei kein anderes Argument vorzubringen haben außer "RTE ist Scheisse" und "alle, die den Kemalismus kritisieren sind dumm (oder schizophren oder was auch immer)!"

Also sehr viel niveauloser kann es auf der oben beschriebenen Seite ja auch nicht zugegangen sein, da bleibt ja gar nicht mehr viel Raum...
 
S

Sunguroğlu

Guest
bence bunlar gereksiz seyler, insan degistiremeyecegi baskalarina degil, kendine, ilgisini ceken seylere odaklanmali. Atatürk ile ilgili ne sevenlerini, ne de sevmeyenlerini degistirmek zor. kaldi ki insan sevmeyenlerle ugrasmak zorunda kalinca kendisi de sevdigi kisiyi ögrenemiyor. tabii bu benim gözlemim, baska fikirler de ortaya atilabilir.
 

Almancali

Well-Known Member
So betrachtet gab es in der Türkei noch nie so viel Einheit und Frieden wie in den vergangenen 15 Jahren. Wieso fällt es Dir so schwer, das anzuerkennen, was doch im Grunde historische Wahrheit ist?
Man darf "Einheit" nicht mit "Angst" verwechseln.

Der Kemalismus, wie er die türkische Republik des vergangenen Jahrhunderts geprägt hat, muss ein für alle Mal vom Tisch, er muss eingestampft werden und durch etwas Neues ersetzt werden, das Raum und Verständnis und Teilhabe ebenso für Besiktas bietet wie für Fatih. Das ist die Orientierung, die die Türkei benötigt, nicht neue Gräben zwischen Dummen und vermeintlich Klugen....
Diese Veränderung nennt sich gerade "autokratische Diktatur"! Nach meiner Sicht ist es aber nicht das, was das türkische Volk im Auge haben dürfte. Selbst innerhalb der AKP (also die Parteifunktionäre) hat man begriffen, dass für die eigene Sicherheit, es besser ist, den Mund zu halten.
  • Da wird ein unnützer schwanzmessender Palast auf Atatürks Nationalpark gebaut
  • Die Yacht von Atatürk wird für die exklusive private Nutzung des neuen Betatürk saniert
  • Die Meinungsfreiheit wird mit "Terrorismus" abgehandelt und selbst Kindern den Prozess gemacht
  • Kinder werden mit Anzeigen und Klagewellen bombardiert und von Ordnungshütern aus dem Unterricht gezerrt
  • Reporter, Journalisten und Regimekritiker eingesperrt. Die Klageschriften dann im Anschluss erst erstellt und zu Protokoll genommen
  • Irre rennen mit Dönermesser durch Istanbul, um Menschen aufzuschlitzen. Die Polizei läuft desinteressiert hinterher.
  • Irre stürmen in einen Plattenladen, verprügeln den Besitzer und schlagen eine junge Frau vor dem Geschäft zusammen (laut Tagespresse)
  • Heiligtümer werden zu muslimischen Religionsstätten umfunktioniert (Hagia Sophia), um andersgläubige (z.B. das christlich orthodoxe Patriarchat) einesn vor den Latz zu knallen
  • Es wird mit der ganzen Welt medienwirksam Streit gesucht
  • Den Salatteller braucht man in Istanbul nur aus dem zu Fenster halten, um ihn mit Pfeffer zu würzen
Ja! Das ist die Veränderung, die wir gerade so wahrnehmen.

Braucht der Kemalismus eine Veränderung ? Möglich ! Aber nicht so !
 

beren

Well-Known Member
Man darf "Einheit" nicht mit "Angst" verwechseln.


Diese Veränderung nennt sich gerade "autokratische Diktatur"! Nach meiner Sicht ist es aber nicht das, was das türkische Volk im Auge haben dürfte. Selbst innerhalb der AKP (also die Parteifunktionäre) hat man begriffen, dass für die eigene Sicherheit, es besser ist, den Mund zu halten.
  • Da wird ein unnützer schwanzmessender Palast auf Atatürks Nationalpark gebaut
  • Die Yacht von Atatürk wird für die exklusive private Nutzung des neuen Betatürk saniert
  • Die Meinungsfreiheit wird mit "Terrorismus" abgehandelt und selbst Kindern den Prozess gemacht
  • Kinder werden mit Anzeigen und Klagewellen bombardiert und von Ordnungshütern aus dem Unterricht gezerrt
  • Reporter, Journalisten und Regimekritiker eingesperrt. Die Klageschriften dann im Anschluss erst erstellt und zu Protokoll genommen
  • Irre rennen mit Dönermesser durch Istanbul, um Menschen aufzuschlitzen. Die Polizei läuft desinteressiert hinterher.
  • Irre stürmen in einen Plattenladen, verprügeln den Besitzer und schlagen eine junge Frau vor dem Geschäft zusammen (laut Tagespresse)
  • Heiligtümer werden zu muslimischen Religionsstätten umfunktioniert (Hagia Sophia), um andersgläubige (z.B. das christlich orthodoxe Patriarchat) einesn vor den Latz zu knallen
  • Es wird mit der ganzen Welt medienwirksam Streit gesucht
  • Den Salatteller braucht man in Istanbul nur aus dem zu Fenster halten, um ihn mit Pfeffer zu würzen
Ja! Das ist die Veränderung, die wir gerade so wahrnehmen.

Braucht der Kemalismus eine Veränderung ? Möglich ! Aber nicht so !



Wurde der Kemalismus überhaupt richtig verstanden und umgesetzt? Gab es einen richtigen Kemalismus? Der Kemalismus hätte sich vielleicht von selbst weiterentwickelt und sich der Zeit angepasst, hätte man ihm wirklich eine Chance gegeben.
 
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