Unruhen im Iran

sommersonne

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19 März 2017
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Leipzig
Das ist im Fall des Iran nicht richtig. https://gamaan.org/2020/08/25/iranians-attitudes-toward-religion-a-2020-survey-report/
Den Kopftuchzwang lehnt nicht nur eine liberale Oberschicht ab.
– 58% said they do not believe in the hijab (Islamic veil covering the hair) altogether. Around 72% opposed the compulsory hijab, while 15% insist on the legal obligation to wear the hijab in public.
Selbst wenn man berücksichtigt, dass " This study’s findings reflect the views of literate Iranian residents aged above 19, who comprise 85% of Iran’s adult population." und unterstellt, dass alle 15% Analphabet*innen den Kopftuchzwang befürworten, stimmt deine Aussage ganz und gar nicht.
Übrigens betet eine Mehrheit nicht und will, dass religiöse Vorschriften aus der staatlichen Gesetzgebung herausgehalten wird, lehnt verpflichtenden Religionsunterricht ab, will, dass religiöse Institutionen sich selbst finanzieren und 43% wünschen ein pauschales Verbot religiöser Bekehrung, während 41% finden, alle Religionen und nicht nur der Islam sollten missionieren dürfen.
In diesem armen Land sind Studenten Angehörige der Oberschicht. Sie sind gebildet und wissen was im Rest der Welt vor sich geht. Sie sind aber nicht die Mehrheit im Land.

Die armen Leute, vor allem auch die vom Land, denken nicht so wie die Oberschicht. Für die ist Religion und Tradition das einzige an dem sie sich festhalten können. Schon möglich das sie nicht beten, glauben tun sie trotzdem.
Ich bin nicht so optimistisch das sich etwas ändern könnte im Iran.
 

EnRetard

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19 Februar 2017
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Danke für deine Antwort, jedoch bin ich bei solchen Studien immer sehr skeptisch.

Die Erfahrung lehrt das wenn es drauf ankommt, die Religiösen ein riesiges Mobilisierungspotential haben.
Vor ein paar Jahren dachten auch alle Erdogan wäre weg, dass Gegenteil war der Fall.
In Afghanistan sind die Taliban wieder an der Macht.
In Syrien und Ägypten halten säkulare Militärregime die Religiösen in Schach, bei echten freien
Wahlen würden da die Muslimbrüder gewinnen.


.
Ich bin auch skeptisch und habe, als ich sie das erste Mal verlinkt habe, ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich ihre Seriosität nicht prüfen kann. Einerseits steht die Uni Tilburg (NL) dahinter, andererseits ist es schwierig, in einem autoritären Staat Meinungsumfragen durchzuführen. Generell sehe auch das Risiko, dass die zahl- und einflussreiche und weitgehend assimilierte Diaspora in Politik, Medien und Kultur hierzulande ein zu optimistisches Bild übermittelt.

Andererseits fehlen mir für deine These von den ungebildeten, fanatisch-religiösen Massen (wie in Pakistan oder Afghanistan) belastbare Zahlen völlig.
 
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EnRetard

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19 Februar 2017
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In diesem armen Land sind Studenten Angehörige der Oberschicht. Sie sind gebildet und wissen was im Rest der Welt vor sich geht. Sie sind aber nicht die Mehrheit im Land.

Die armen Leute, vor allem auch die vom Land, denken nicht so wie die Oberschicht. Für die ist Religion und Tradition das einzige an dem sie sich festhalten können. Schon möglich das sie nicht beten, glauben tun sie trotzdem.
Ich bin nicht so optimistisch das sich etwas ändern könnte im Iran.
wie ich bereits in meiner Antwort an @Msane sagte, habe ich den Verdacht, das die von der iranischen Diaspora geprägte Darstellung zu optimistisch ist. Für deine Aussage gibt es allerdings gar keine Beweise. In ihrer Absolutheit klingen sie mir zu sehr nach einer Übertragung der Verhältnisse in Afghanistan oder Pakistan, die aber eine ganz andere Entwicklungsstufe haben.
 

sommersonne

Well-Known Member
19 März 2017
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Leipzig
wie ich bereits in meiner Antwort an @Msane sagte, habe ich den Verdacht, das die von der iranischen Diaspora geprägte Darstellung zu optimistisch ist. Für deine Aussage gibt es allerdings gar keine Beweise. In ihrer Absolutheit klingen sie mir zu sehr nach einer Übertragung der Verhältnisse in Afghanistan oder Pakistan, die aber eine ganz andere Entwicklungsstufe haben.
Nein, ich übertrage nichts. Obwohl - nur die Überlegung das Armut meist nicht mit Bildung oder der Möglichkeit/Wille sich über Vorgänge in der Welt zu informieren, einher geht. Bei ihnen hat, wie Beispiele anderer Länder zeigen, der Glaube deshalb einen großen Einfluß.

Vielleicht irre ich mich, dann wäre es mir auch recht. Mehr Freiheit und weniger Einfluss der Mullahs würde den Iranern nicht nur mehr Freiheit bringen, es würden wahrscheinlich auch Sanktionen wegfallen.
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Wuppertal
In Syrien und Ägypten halten säkulare Militärregime die Religiösen in Schach, bei echten freien
Wahlen würden da die Muslimbrüder gewinnen.
Was daran liegt, daß die Religiösen die einzigen nichtstaatlichen Organisationen sind. Jede andere Opposition ist brutal verboten. Und sie haben einen guten Ruf, weil sie stark caritativ unterwegs sind, was sie zusätzlich schwer völlig zu verbieten macht.

Das wird auch das Problem im Iran sein: Wer soll denn da überhaupt die Macht übernehmen? Das war das Problem im Nachkriegs-Westdeutschland: Man hatte nur die Untergrundstrukturen der Parteien der Weimarer Republik – Die also, die historisch versagt hatten. 1989 hat Walter Momper Bärbel Bohley gesagt: „Ihr müßt jetzt die Macht übernehmen!“ Sie hat ihn nur rat- und fassungslos ansehen können. In dieses Vakuum fielen die Wessies ein.
 
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Bintje

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5 Mai 2018
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Das Lied von Shervin Hajipour ist inzwischen zur inoffiziellen Widerstandshymne in Iran geworden. "Baraye" ("für..") bezieht sich auf Tweets, die Iraner:innen für die Freiheit geschrieben haben, Shervin selbst zitiert die Texte zum Teil in seinem Song. Dafür wurde er Ende September verhaftet und misshandelt; die Behörden löschten den Song von seinem Instagram-Profil. Am 4. Oktober ließen die Schergen ihn wieder laufen.
 

Burebista

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4 November 2015
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Wenn Revolution der einzige Ausweg ist​

In Iran hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Das lange als Tabu geltende Konzept der Revolution wird nun als Lösung verstanden....
Mit den aktuellen Protesten scheint das Land vollends in einen revolutionären Prozess eingetreten zu sein.