Unruhen im Iran

EnRetard

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19 Februar 2017
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Das kannst du gerne schreiben, nur wird das nicht so passieren. Dazu sind Religion, Tradition und Staatsmacht viel zu sehr verschmolzen, geradezu eins.
In dieser Version des Islam. Aber ja. Diese Mullahs werden einer Säkularisierung nicht zustimmen können. Sie werden immer die politische Macht beanspruchen.
Der Iran ist speziell, nicht vergleichbar mit anderen muslimischen Ländern. Soweit ich es von Exiliranern weiß, gibt es dort im Gegensatz zur Türkei oder Tunesien oder Marokko z.B. keinen Grundkonsens, dass man - in unterschiedlichem Maße- gläubig ist, zugehörig zur Gemeinschaft der Muslime. Ganz viele Menschen wollen mit dem Islam nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Ich bin noch nie einem iranischstämmigen Menschen begegnet, der fromm war.

Es gibt eine Umfrage der Uni Tilburg in den NL, deren Seriosität ich auf die Schnelle nicht prüfen kann, die eine ziemlich flächendeckende Säkularisierung festgestellt haben will. Wenn das nur ansatzweise stimmt, sitzen die Mullahs auf einem Vulkan.
 

Burebista

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4 November 2015
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Der Iran ist speziell, nicht vergleichbar mit anderen muslimischen Ländern. Soweit ich es von Exiliranern weiß, gibt es dort im Gegensatz zur Türkei oder Tunesien oder Marokko z.B. keinen Grundkonsens, dass man - in unterschiedlichem Maße- gläubig ist, zugehörig zur Gemeinschaft der Muslime. Ganz viele Menschen wollen mit dem Islam nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Ich bin noch nie einem iranischstämmigen Menschen begegnet, der fromm war.

Es gibt eine Umfrage der Uni Tilburg in den NL, deren Seriosität ich auf die Schnelle nicht prüfen kann, die eine ziemlich flächendeckende Säkularisierung festgestellt haben will. Wenn das nur ansatzweise stimmt, sitzen die Mullahs auf einem Vulkan.
Es ist tatsächlich so, dass sehr viele Menschen nichts über den Islam halten. Die Menschen sind sehr säkularisiert.
Iran ist aber eine Militärdiktatur, wobei sich das Militär (die Garden) hinter den hohen Mullahs verstecken, mit denen sie Geschäfte machen. Die Militärs sind auch nicht gläubig. Die bilden aber zusammen mit den hohen Mullahs ein Netz von wirtschafts- uns Machtinteressen.
Und die Mullahs erlauben sich öffentlich den Demonstranten mitzuteilen, dass es ein von Gott gegebene Recht gibt, das sogar zwingt, die Demonstranten einfach zu erschießen, wenn sie noch gegen "den Islam" demonstrieren. Leute haben mir dort gesagt, dass die hohen Mullahs das öffentlich ohne Scheu im TV sagen und warnen. Scheu haben die gar nicht, weil sie einfach nur das göttliche Getz folgen müssten.

Iran ist ein in Kaptivität gehaltenes Land. Die Leute wollen nur einfach weg von dort.
 
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Msane

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25 März 2010
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Ich sehe diese Proteste relativ nüchtern.
Wer protestiert denn? .... in der Hauptsache liberale Studenten und Frauen, wie immer eigentlich.

Westliche Medien spekulieren bei sowas immer freudig über einen möglichen Regimewechsel und sehen
einen demokratischen Silberstreif am Himmel.

Das ist aber Wunschdenken, denn die Protestierenden sind nur einer kleinen liberalen gesellschaftlichen Minderheit
zuzurechnen.
Die große Masse der konservativen Korangläubigen bleibt einfach zuhause und hat damit nichts zu tun.
Wenn die Mullahs mobilisieren könnten die bei Gegenprotesten locker zehn mal soviele Menschen auf die Straße bringen.

Gefährlich wirds für die Regierung erst wenn die religiösen Volksmassen gegen sie aufbegehren.
Deshalb sind Proteste gegen Armut und Ungleichheit für die Regierung viel gefährlicher als Proteste von
aus deren Sicht "ausgeflippter Frauen".


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sommersonne

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19 März 2017
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Leipzig
Ich sehe diese Proteste relativ nüchtern.
Wer protestiert denn? .... in der Hauptsache liberale Studenten und Frauen, wie immer eigentlich.

Westliche Medien spekulieren bei sowas immer freudig über einen möglichen Regimewechsel und sehen
einen demokratischen Silberstreif am Himmel.

Das ist aber Wunschdenken, denn die Protestierenden sind nur einer kleinen liberalen gesellschaftlichen Minderheit
zuzurechnen.
Die große Masse der konservativen Korangläubigen bleibt einfach zuhause und hat damit nichts zu tun.
Wenn die Mullahs mobilisieren könnten die bei Gegenprotesten locker zehn mal soviele Menschen auf die Straße bringen.

Gefährlich wirds für die Regierung erst wenn die religiösen Volksmassen gegen sie aufbegehren.
Deshalb sind Proteste gegen Armut und Ungleichheit für die Regierung viel gefährlicher als Proteste von
aus deren Sicht "ausgeflippter Frauen".


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Sehe ich ganz genau so. Der Protest hat nicht die ganze Bevölkerung erfaßt. Die Mullahs werden das aussitzen mit ihren bisherigen Methoden.
 
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Berfin1980

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19 Juni 2015
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Sehe ich nicht so, ich finde es ist dieses mal anders, größer, landesweit.

Ich sehe auch viele Männer die sich den Protesten anschließen, gestern wurde ein Bus der Sicherheitskräfte von Männern angehalten und festgenommene Frauen darin befreit. Außerdem sehe ich auch viel Frauen mit Kopfbedeckungen die an den Protesten teilnehmen.

Im Moment sind getarnte Tötungskommandos unterwegs und richten Protestierende mit Genickschüssen hin.

All das wird dank der Aktivisten aus dem Ausland auch im Iran gesehen.
 
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Mendelssohn

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17 Januar 2016
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Das kannst du gerne schreiben, nur wird das nicht so passieren. Dazu sind Religion, Tradition und Staatsmacht viel zu sehr verschmolzen, geradezu eins.
Im Iran stehen Staat und Gesellschaft in Konflikt bzw. im Gegensatz zueinander. Darum wird sich etwas fundamental ändern. Nicht zugunsten der Muhadjedin, die sich auch eine Chance ausmalen. Pahlevi ist in Startposition, allerdings nicht als Monarch.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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Die Proteste weiten sich aus, Öl- und Gasarbeiter protestieren nun auch gegen das Regime.

Heute Abend um 22.30 Uhr läuft ein "Weltspiegel Spezial" im Ersten. Gleich nach den Tagesthemen.
 
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Burebista

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4 November 2015
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Im Iran stehen Staat und Gesellschaft in Konflikt bzw. im Gegensatz zueinander. Darum wird sich etwas fundamental ändern. Nicht zugunsten der Muhadjedin, die sich auch eine Chance ausmalen. Pahlevi ist in Startposition, allerdings nicht als Monarch.
Ach, Staat und Gesellschaft stehen dort in Gegensatz schon seit über 20 Jahren. Schon 2001, als ich das erste mal dort war, gab es Gegensatz. Die Leute machten fast überall einen Kreis über den Kopf (zeigten einen Turban an) und sagten: Azadi nist (Freiheit gibt es nicht). 2009 gab es Konflikt. Offener Konflikt.
Seit 2001 gibt es inzwischen fast eine neue Generation. Kann die sich durchsetzen?
... Inzwischen sind die Garden an die Macht angekommen. Diese Garden sind die kleinen Leute, die Menschen aus der Unterschicht, mit islamistischer Pietät, die nach 1981 gegen Irak gekämpft haben (zu der Zeit war die iranische Armee fast vernichtet, durch die Säuberungen der neuen Khomeini-Regierung).
Iran befand sich im Jahr 1979 im Bürgerkrieg. Die Armeeköpfe wurden ausgeschalten.
Und dann begann Irak die Offensive, trotz der Vereinbarung von 1975. Die staatliche Armee gab es fast nicht mehr. Iran konnte nur von diesen jungen Revolutionsgarden verteidigt werden. Und so wurden die Revolutionsgarden zur 2. Staatsarmee. Die waren damals Untertaner der Ayatollahs.
Inzwischen gab es Generationswechsel. Die Ayatollahs von damals wurden alt. Die damals jungen Revolutionsgardisten, die gekämpft und Iran verteidigt haben, sind auch älter geworden, aber die bilden genau die Generation, die nun führen und leiten. Und nun haben diese Gardisten die Macht übernommen und unterstützen/benützen das shiitische Ayatollah-System.
 
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