Wahlen in Deutschland

Bintje

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Im Ministerium wird bereits nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin gesucht. Das gestaltet sich schwierig, weil die Person keine Verbindungen zu dem Netzwerk Graichens haben sollte. (aus dem verlinkten Artikel)

Das kann doch wohl nicht wahr sein. Gibt es im großen Deutschland keine gegeigneten Kandidatinnnen für den Posten einer Wirtschaftsstaatssekrärin außerhalb der Graichen-Clique?
Darüber bin ich auch gestolpert. Andererseits weißt du sicherlich auch, wie es in Branchen von überschaubarer Größe zugehen kann:
Jeder kennt jeden (und sei es um drei Ecken), mitunter tummeln sich dort ganze Familienverbände, beispielsweise Vater - Sohn - Neffe oder Geschwister. Und die, die bei solchen Geflechten erstmal außen vor sind, vernetzen sich untereinander. Oder man begegnet sich auf 'ner Party, einem Empfang, tauscht Visitenkarten aus und hält losen Kontakt: Zack, gibt's Verbindungen - und sei es dadurch, dass man jemanden anhaut, ob er oder sie in einer bestimmten Frage Bescheid weiß oder jemanden kennt, der einen fachlich beraten könnte.

Die, die Habeck gerade mit großem medialen Trommelfeuer abschießen wollen, wissen das natürlich auch, entstammen sie doch selbst oft ganz ähnlichen Strukturen, in denen viel über Empfehlungen läuft. Wo im Berufsleben eigentlich nicht?
Aber das nennt man nur bei anderen Filz und verschließt sonst gnädig die Augen. Da menschelt's halt nur. :)

So gesehen sollte Habeck den nächsten Staatssekretär, die nächste Staatssekretärin einfach auf offener Straße oder in der Warteschlange beim nächsten Brötchenkauf rekrutieren. Aber vorm Einstellen genauestens checken lassen, ob es womöglich nach einschlägiger Kompetenz müffelt (igitt!) oder nach Verbindungen um 7 Ecken (igittigitt!). Erst wenn nicht, wäre das doppelplusgut.

ps Spuren von Ironie darf man natürlich wie immer behalten. ; )
 
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Bintje

Well-Known Member
Offenbar doch: Graichen scheidet aus. Vermeldeten soeben dpa, der Spiegel und die Zeit.


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Hier Hintergründe des Rauswurfs (laut kurzfristig angesetztem Pressestatement):
Graichen hat offenbar nachweislich mehr gemauschelt und gegen Compliance-Regeln verstoßen, als bisher bekannt.


Habeck hat Steinmeier gebeten, den Staatssekretär in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen.
 
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EnRetard

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Ich finde den Vorgang schon bemerkenswert. Da ist dieser Mann seit Wochen unter Beschuss wegen der Ämterpatronage-Vorwürfe und geht nicht und wird nicht gegangen. Und jetzt kommt noch was raus und er fliegt. Es wäre für alle Beteiligten schonender gewesen, er wäre gleich gegangen, als die Trauzeugenaffäre rauskam.
 

sommersonne

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Ich finde den Vorgang schon bemerkenswert. Da ist dieser Mann seit Wochen unter Beschuss wegen der Ämterpatronage-Vorwürfe und geht nicht und wird nicht gegangen. Und jetzt kommt noch was raus und er fliegt. Es wäre für alle Beteiligten schonender gewesen, er wäre gleich gegangen, als die Trauzeugenaffäre rauskam.
Er scheint ja nicht absolut unfähig gewesen sein, deshalb wollte man ihn wohl gerne behalten. Aber die Medien und die Opposition lassen sich so ein gefundenes Fressen eben nicht entgehen.
Politik ist das schmutzigste Geschäft was es gibt. (Ich bin im Augenblick so richtig rundherum enttäuscht.)
 

Alubehütet

Well-Known Member
Es wäre für alle Beteiligten schonender gewesen, er wäre gleich gegangen, als die Trauzeugenaffäre rauskam.
Im Nachhinein ist man immer schlauer. Habeck hat ihn erst einmal gehalten, aber dann zutiefst geröngt. Was ist da noch mehr, das die Springer-Presse rauskriegen könnte? Und vermutlich werden da noch weitere Kleinigkeiten gewesen sein. Einen weiteren Fehler hätte er auch vielleicht noch aussitzen können, vorher ein Gegen-Campainging fahren, schmutzige Scheuer-Geschichten ausgraben. Ich denke schon, daß da noch mehr sein wird. Alles Kinderkram wie Wulfs Bobby-Car, aber eben genug, womit man die causa noch Wochen am Köcheln halten könnte. Wo man dann jeweils wieder hinsehen muß, was ist da schon wieder los, dann denkt: Na, nichts gegen den ganzen Union-Schmu. Aber irgendwann nervt es doch, und macht mürbe. Zumal, wenn dann irgendwann nach Graichen noch andere Namen ins Spiel gekommen wären; natürlich, es gibt eine Szene, man kennt sich über Jahre, schätzt sich.

Erfreulicher Kontrast zu Baerbocks Krisenmanagement im Wahlkampf. Ich fragte damals: was macht die, wenn die erst im Amt ist, und eine wirkliche Krise kommt? Ich finde, Habeck hat das gut hingekriegt. Sich vor seinem Mann gestellt, Fehler, kann passieren, aber zugleich intern ermittelt, was kann da noch mehr kommen, bevor ihm die Springer-Meute drauf kommt. Die mit Sicherheit schon ein professionelles Team aufgestellt hat. Gut. Er wird auch gelernt haben aus Baerbocks Fehler.
 
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EnRetard

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Habeck hat das gut hingekriegt. Sich vor seinem Mann gestellt,
Haben wir zwei verschiedene Filme geguckt? Habeck hat an dem Mann festgehalten, solange es irgend ging, weil er sich, was die Energiepolitik angeht, mit Haut und Haaren von ihm abhängig gemacht hatte. Hätte er ihn jetzt nicht im allerletzten Moment über Bord geworfen, wären sie beide zusammen abgesoffen.
 

sommersonne

Well-Known Member
Aufträge wurden teils unter Missachtung der Richtlinien innerhalb der eigenen Familie vergeben, weil man nur der Mischpoke vertraute. Geliefert wurde zum Beispiel der Entwurf des Heizungsgesetzes, eine völlige Missgeburt. Selbst der Herr Reinecke von der bekanntlich giftgrünen Taz ist not amused. https://taz.de/Staatssekretaer-Graichen-entlassen/!5935386/
Immerhin gab es keine Korruption in dem Fall, nur ein Heizungsgesetz was von den Medien im unvollendet Stadium öffentlich gemacht wurde wahrscheinlich um den Grünen zu schaden. Da es nicht genügend durchdacht war und ist, hat es den Menschen Angst vor hohen Kosten gemacht und wird von fast allen abgelehnt.
 

EnRetard

Well-Known Member
Immerhin gab es keine Korruption in dem Fall,
Es gab Ämterpatronage. Und die Richtlinien wurden ignoriert. Und Robert Habeck wird jetzt Schwierigkeiten bekommen. Ich habe ihn immer für einen Dummschwätzer gehalten, dümmer als den Oberfilosofen Richard David Prächtig. Einen Blender, wie wir sie noch aus der Schule kennen, die ihr Geschwafel mit Füllseln wie "irgendwie" oder quasi" aufblähten und sich dabei beiläufig über die Haare und die Denkerstirn strichen und die dämliche Leerkraft so entzückten, dass sie dafür eine einsplus für "sonstige Mitarbeit" gaben. Wenn der nicht ganz schnell wieder jemand findet, und zwar eine*n, die die Arbeit ohne Geschwister, Gemahl*in und Treuzeug*in hinkriegt, dann merken auch Köln-Ehrenfeld, Berlin Prenzlauer Berg und Hedwig Holzbein , dass er der Kaiser ohne Kleider ist.
 
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