Österreich: Krise nach Strache-Video

Bintje

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5 Mai 2018
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Über zwei Jahre hat er gesessen und nun Correktiv seine Geschichte erzählt. In einem Nebenstrang kommt auch Jan Böhmermann nicht gut weg.
Interessantes Stück! Das wirkt schon einigermaßen irre, was sich vor österreichischen Gerichten abspielt. Abgesehen davon habe ich dem Text entnommen, dass es bei Prozessen dort anscheinend anders als hier nicht üblich sein soll, Akteninhalte nochmal akribisch abzuklopfen. Hier wird nach dem geurteilt, was sich vor Gericht durch Zeugen, Indizien usw. erhärten und nachweisen lässt, nicht nur nach dem Stand vorheriger Ermittlungen, die in den Akten dokumentiert sind. Das kann z.B. dazu führen, dass frühere, detaillierte Aussagen von Zeugen, die sie bei der Polizei gemacht haben, sich vor Gericht als weitgehend wertlos herausstellen, weil sie sich inzwischen nicht mehr oder nur noch verschwommen an Einzelheiten erinnern. Zum Beispiel.
In Österreich scheint das anders zu sein, oder? Wie auch immer: Hessenthalers Geschichte liest sich ausgesprochen bemerkenswert. Besorgniserregend für die Ösi-Justiz. Und Böhmermanns Geschwätzigkeit rundet bei mir leider ein Bild.
 
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Bintje

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5 Mai 2018
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Das sieht schon derbe aus nach politischer Willkürjustiz. Solch ein Stück aus Ungarn würde sehr eindeutig bewertet. In Österreich anscheinend eine Randnotiz.
Lies mal Gerichtsreportagen von Karl Kraus: Lohnt sich ungemein! Man gewinnt den Einruck, dass sich seitdem in Österreich an Bigotterie nicht sonderlich viel geändert hat, auch wenn Kraus natürlich ganz andere Zeiten und ein völlig anderes System aufspießte.
Schön auch seine Essays in "Sittlichkeit und Kriminalität" (einfach durchblättern): Wortgewaltige, bissige Zeitgemälde von anno dunnemals, an denen sich ermessen lässt, warum manches anscheinend immer noch ist, wie es wirkt. „Die Unsittlichkeit lebt so lange in Frieden, bis es dem Neid gefällt, die Moral auf sie aufmerksam zu machen, und der Skandal beginnt immer erst dann, wenn die Polizei ihm ein Ende macht.

Köstlich!, echter Lesegenuss. :)
 
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29 Januar 2017
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Ich weiß, daß Karl Kraus einer der ganz Großen ist. Ich habe mit ihm das Problem,daß ich als junger Mann Heinrich Heine vergöttert habe. Karl Kraus habe ich irgendwie nie verzeihen können, daß er den einzigen wirklich guten Heine-Verriss geschrieben hat. Das sitzt einfach.
 
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Über zwei Jahre hat er gesessen und nun Correktiv seine Geschichte erzählt. In einem Nebenstrang kommt auch Jan Böhmermann nicht gut weg.
Hier ein Hauptstrang dazu. Bei Tilo:
Und Böhmermann hat jetzt reagiert. Per Anwalt. Äußerst übel, unsportlich.
Er habe keinen Quellenschutz schriftlich garantiert.
 

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Ist, denke ich, wie correctiv sagt. Schriftlich garantiert oder nicht. An den wendet sich keiner mehr, der eine solche story hat. – Der müßte sich jetzt hinstellen und sagen: War Mist.
 

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Sich das ganze Interview bei Tilo anzusehen ist durchaus vergnüglich. Erzählt gut, die Geschichte nimmt einige schräge Volten: Ein erstes Video etwa wurde in einem Wiener Hotel gedreht ... bzw. nicht, weil Hessenthaler, das Genie, vergessen hat, Speicherkarten in die versteckten Kameras zu legen. Die „Oligarchin“ muß klasse gewesen sein. – Kein Sex, kein Kokain.

 
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29 Januar 2017
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Wobei, „vergnüglich“ ... man traut Österreich vieles zu, aber man wird das Land nach diesem Video mit anderen Augen sehen. Ist schon sehr heftig, was dort nicht nur möglich, sondern gang und gäbe ist.