Entschleunigung von heute auf morgen

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Zynisch gesagt: kein Wunder, dass Krankenhäuser in Pandemiezeiten nur noch Besuch/Begleitung zulassen, wenn die Patient*innen bereits im Sterben liegen.
Das wird zwar nicht der Grund sein. Aber ich erinnere mich daran, daß Du früh davor gewarnt hast, daß das ganz üble Wirkungen haben wird, wenn keiner mehr von außen Kontakt hat zu den Patienten, wenn dem Personal keiner mehr über die Schultern sieht :(
 
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Berfin1980

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19 Juni 2015
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Zynisch gesagt: Inadäquaten Verhaltensweisen von Angehörigen und/oder teils angetrunkenen Patienten in der Notaufnahme verdankt mein Sohn seinen derzeitigen Job als Schichtleiter in der Security, mit dem er sein Studium finanziert. Seinen erlernten Beruf kann er pandemiebedingt seit einem Jahr nicht ausüben.
Die Zustände sind ja schon länger bekannt und das betrifft auch Rettungskräfte.

Davon ab ist das dem Personalmangel geschuldet und nicht zu vergessen die Fallpauschalenregelung, auf wen die zurückgeht muss ich nicht schreiben. Das fällt den Regierenden aber im Moment gewaltig auf die Füße.

Ich habe eine meine alten Ladys mal bei einem kurzen stationären Aufenthalt im Krankenhaus besucht. Im Bett nebenan lag eine alte Dame aus den Pflegeheim nach OP am gebrochenen rechten Arm.

Es war Essenszeit, die Pflegefachkraft kam rein stellte das Tablett bei der Frau auf den Tisch und entfernte sich schnellst möglich. Ohne die Abdeckung zu entfernen oder ihr das Brot zu richten, was ja zusätzlich noch alles gut verpackt war. Vom ausgießen der heißen Milch in die Tasse mal ganz zu schweigen.
Ich war unglaublich wütend und hätte sie mir am liebsten vorgeknöpft. Aber man weiß ja nie!
Der Dame habe ich dann ihr Brot geschmiert und zusammengeklappt, ihre Milch konnte sie dann auch genießen. Als ich gegangen bin war ich aber beim Stationsarzt und habe ihm dies auch geschildert. Es kam nicht mehr vor, wurde mir mitgeteilt.

Von meiner Bekannten die in der Pflege arbeitet weiß ich das sie Angehörige bei Gesprächsrunden extra darauf aufmerksam machen, wenn ihre Lieben im KH liegen dort öfter anwesend zu sein. Schlimm genug das nur eine Präsenz von außerhalb eine bessere Versorgung sicher stellen muss.

Und schlimm genug das die, die keinen Besuch bekommen dann von Pflegekräften oder ehrenamtlichen aus dem Pflegeheim besucht werden müssen.
 

EnRetard

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19 Februar 2017
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"Massivstes Auftreten von Angehörigen", die Deinen empfohlenen Grundsatz "verinnerlicht haben", hat gezwungenermaßen für die notwendige Aufstockung von Sicherheitspersonal in Kliniken gesorgt. Nicht erst seit gestern. Klicke hier:

https://link.springer.com/article/10.1007/s00113-020-00806-6

"In Anbetracht der zunehmenden Gewalt und Aggression gegen medizinisches Personal in Gesundheitseinrichtungen gibt es vom Gesetzgeber Überlegungen, Gewalttäter in Kliniken härter zu bestrafen. Mitarbeiter von Krankenhäusern und Notaufnahmen sehen sich zunehmend mit physisch und psychisch gewalttätig agierenden Patienten oder deren Angehörigen konfrontiert. (...)

Und da: https://www.bgw-online.de/DE/Arbeit...ewalt-Mitteilungen.pdf?__blob=publicationFile

"1.984 Beschäftigte nahmen an der Studie teil. Die Rücklaufquote lag bei 40,9 %. 79,5 % (n = 1.578) der Studienteilnehmer haben den vorausgegangenen zwölf Monaten Gewalt erlebt. Von diesen berichten 94 % über verbale und 70 % über körperliche Gewalterlebnisse. Aggressive Übergriffe kamen am häufigsten in Krankenhäusern und in Wohnbereichen der Behindertenhilfe vor. Es handelte sich überwiegend um Beschimpfen, Kneifen und Kratzen, Schlagen oder Bedrohen. Die Betroffenen reagierten mit Ärger, Hilflosigkeit oder Enttäuschung. Als Konsequenz sind sie vorsichtiger, angespannter oder haben weniger Spaß an der Interaktion mit den Patienten bzw. Klienten. (...) Gesundheits- und Krankenpfleger mit Leitungsfunktion haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Übergriffe. (...)"

Zynisch gesagt: Inadäquaten Verhaltensweisen von Angehörigen und/oder teils angetrunkenen Patienten in der Notaufnahme verdankt mein Sohn seinen derzeitigen Job als Schichtleiter in der Security, mit dem er sein Studium finanziert. Seinen erlernten Beruf kann er pandemiebedingt seit einem Jahr nicht ausüben.




Klar, dass du mich absichtlich missverstehen würdest.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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Berfin1980

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19 Juni 2015
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Was kann man bei dieser Aussage absichtlich missverstehen? Du schriebst:
Was er schrieb ist aber in dem von mir geschilderten Fall richtig, es kann kaum ein Angehöriger 24/7 im Krankenhaus anwesend sein. Und höflich wäre ich da bestimmt nicht sondern würde klare Ansagen aussprechen.

Und ganz ehrlich würde Baba sowas passieren hätte ich mir die Pflegekraft auch massiv vorgeknöpft.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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Was er schrieb ist aber in dem von mir geschilderten Fall richtig, es kann kaum ein Angehöriger 24/7 im Krankenhaus anwesend sein. Und höflich wäre ich da bestimmt nicht sondern würde klare Ansagen aussprechen.(..)

"Klare Ansagen" sind aber was anderes als das geforderte "massivste Auftreten" (sic!), was angeblich "als einziges" helfen soll und in realiter auch körperliche Angriffe auf Schwestern und Pfleger beinhalten kann.
Wie gesagt, ich kriege es manchmal nach turbulenten Nachtdiensten zu hören ...
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Ich habe mich irgendwann mal mit meiner Mutter unterhalten, sie hat ja nun auch viele Altersgenossinnen in Altenheimen. In verschiedenen. Sie kommentierte aber auch: Der wesentliche Unterschied sei, ob da Angehörige mehrmals die Woche zu Besuch sind und einen Blick werfen auf die Situation.

Ich finde, wir sollten hier einander wohlwollend unterstellen, daß @EnRetard mit „energischem Auftreten“ nicht kratzen, beißen, spucken, besoffen rumpöbeln propagierte. @Bintje Du bist dafür besonders sensibel, weil deine Sohn davon ... „profitiert“ :(, verstehe ich. Aber ich denke nicht, daß @EnRetard darauf hinaus wollte.
 

Berfin1980

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19 Juni 2015
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Ich habe mich irgendwann mal mit meiner Mutter unterhalten, sie hat ja nun auch viele Altersgenossinnen in Altenheimen. In verschiedenen. Sie kommentierte aber auch: Der wesentliche Unterschied sei, ob da Angehörige mehrmals die Woche zu Besuch sind und einen Blick werfen auf die Situation.
Genau das sagt meine Bekannte (in leitender Funktion tätig) auch. Und es sei gut so... die Angehörigen melden sich sogar zu den Essenszeiten an um ihren Lieben dabei behilflich zu sein.
 
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Alubehütet

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29 Januar 2017
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die Angehörigen melden sich sogar zu den Essenszeiten an um ihren Lieben dabei behilflich zu sein
Ich habe Zivildienst gemacht in einem Altenheim, und da kam tatsächlich täglich zum Mittagsessen ein junger Mann in seiner Mittagspause von der Arbeit im Blaumann, um seine Mutter zu füttern :)

Aber das werden natürlich die wenigsten machen können.
 
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