Entschleunigung von heute auf morgen

Mendelssohn

Well-Known Member
17 Januar 2016
7.543
7.726
113
Ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist, hier läuft es mit meinem Hausarzt so (anlässlich meiner letzten Rezeptbestellung vor einigen Wochen per Telefon) :
Ich: Darf ich noch eine Frage stellen? Wenn der Impfstoff für Arztpraxen da ist, werden Sie auch impfen?
MTA: Ja.
Ich: Kann ich mich dann bei Ihnen anmelden?
MTA: Ja. Wir benachrichtigen Sie, wenn Sie an der Reihe sind.

Ich bin in der gesetzlichen Krankenkasse, bei der Barmer. Also eine Patientin ohne irgendeinen Vorteil.

Allerdings habe ich gehört, dass es inbesondere in Großstädten, neben zahlreiche Spezialisten, die Kassenpatienten lange warten lassen, auch Hausärzte nur ein bestimmtes Kontingent Kassenpatienten betreuen. Zugleich gibt es aber auch dort sehr engagierte Ärzte in vielleicht weniger privilegierten Wohnvierteln, die mit Kassenpatienten gar kein Problem haben. Es ist ja nicht so, als würden die Kassen begründete Leistungen nicht zahlen. Die meisten niedergelassenen Ärzte wären arm ohne die Kassen.
Die Kassenärzte werden die Durchimpfung der Gesellschaft bewerkstelligen. Da bin ich mir ziemlich sicher.
 

EnRetard

Well-Known Member
19 Februar 2017
7.586
9.782
113
Allerdings habe ich gehört, dass es inbesondere in Großstädten, neben zahlreiche Spezialisten, die Kassenpatienten lange warten lassen, auch Hausärzte nur ein bestimmtes Kontingent Kassenpatienten betreuen
Ich wohne in Köln, einer Großstadt. Meine Hausärztin (Gemeinschaftspraxis, zwei Teilhaberinnen plus einer angestellten Ärztin) hat mir mal gesagt, sie habe gar keine Privatpatient*innen in der Kartei. Sie verkauft auch keine Igelleistungen. Wenn es nötig wäre, würde die Kasse es bezahlen. Sie warnt auch vor Abzocke bei Fachärzt*innen. Ihr Auto ist über 10 Jahre alt, das ihrer Praxiskollegin auch.
 

Zerd

Well-Known Member
12 Oktober 2005
1.529
1.059
113
Wenn mir eine Arzttochter, vermutlich selbst akademisch ausgebildet, erzählt, dass sie trotz gesetzlicher Krankenversicherung ordentlich behandelt wird von ihrem Hausarzt, den sie immerhin noch hat, dann klingt das für mich nicht nur glaubwürdig, sondern ist Teil des Problems, das ich hier angesprochen habe.

Dazu habe ich auch ein aktuelles Beispiel: erst kürzlich erzählte mir ein alter Freund, Uni-Professor mit einem wohlklingenden deutschen Namen, dass er für eine lästige Routine-OP ins Krankenhaus eingewiesen wurde und dort bei einer bei so einem Eingriff nicht zwingend notwendigen Untersuchung im Rahmen der Voruntersuchungen zufällig eine andere Krankheit entdeckt worden sei, die noch viel schlimmere Folgen hätte zeitigen können, wäre sie nicht so frühzeitig eher zufällig entdeckt worden. Der Mann war natürlich überaus dankbar für diese tolle Versorgung und Voraussicht.

Äußerst naiv wäre es aber in beiden Fällen zu meinen, dass mit jedem oder auch nur den meisten Patienten so verfahren werden würde. Mein letzter Krankenhausaufenthalt ist ein krasses Gegenbeispiel dazu: im Jahr 2002 stellte mein letzter HNO-Arzt fest, dass durch einen meiner Nasenflügel 85% der Luft eingeatmet werden würde und durch den anderen 15% und dass durch eine Begradigung der Nasenscheidewand dieses Verhältnis verbessert werden könnte (Anlass des Arztbesuchs war eine einseitige Hals-Rachenreizung, die ich immer wieder von Zeit zu Zeit hatte). Von außen war diese krumme Nasenscheidewand nicht zu erkennen, denn meine Nase sah bis zu diesem Zeitpunkt noch recht symmetrisch aus.

Jedenfalls bereitete mich der HNO-Arzt auf diesen Eingriff vor und erzählte mir, dass im Rahmen der Voruntersuchungen auch eine CT-Untersuchung des zu operierenden Bereichs durchgeführt werden würde. Im Krankenhaus angekommen hat einer der Ärzte dort einfach diese CT-Untersuchung gestrichen mit der sehr informativen Begründung "bei Ihnen brauchen wir das nicht!".

Nach der OP habe ich mehrfach nach dem operierenden Arzt gefragt, weil ich wissen wollte, wie die OP verlaufen sei und ob auch die Flüssigkeit aus meinen NNH abgesaugt wurde, was mein HNO-Arzt zwar angekündigt hatte, wovon aber während der Voruntersuchungen auch keine Rede mehr gewesen ist.

Zwei Tage nach der OP fegte ein offenbar sehr wichtiger Oberarzt mit einem ganzen Troß junger Assistenzärzte durch die Krankenzimmer, sagt über jeden Kranken ein zwei Sätze zu seiner Zuhörerschaft und war gerade wieder am Verlassen meines Krankenzimmers als einer der jungen Ärzte aus seinem Troß sich flugs mir näherte, sich innerhalb von 30 Minuten als der operierende Arzt vorstellte, ich hätte mehrfach nach ihm gefragt, die OP sei soweit gut gelaufen und er müsse jetzt leider weiter, weil die Visite nicht auf ihn warte. Und Tschüß - ich habe ihn nie wieder gesehen.

Denn 1-2h später wurden mir die Tamponagen aus den Nasenlöchern entfernt, wieder von einem anderen jungen Arzt auf dem Bahandlungszimmer der Station. Sein Chef saß am Schreibtisch mit dem Rücken zu mir und blätterte entweder in irgendwelchen Akten oder sogar in einer Zeitung, ich weiß es nicht genau. Dem jungen Arzt fiel nach dem Entfernen der Tamponagen eine Blutrinne in meinem Rachen auf und er informierte den Chef am Schreibtisch darüber, dass der Patient blutet. Dieser, ohne sich auch nur umzudrehen, meinte nur, "ja, das kommt hin und wieder beim Entfernen der Tamponagen vor, schicken sie ihn aufs Krankenzimmer, wenn die Blutung aufgehört hat, soll er sich gründlich waschen".

So wurde ich mit einer Nierenschale und blutender Nase auf mein Zimmer geschickt, in dem ich gerade alleine untergebracht war. Und die Blutung wollte einfach nicht aufhören; als die Nierenschale fast vollgeblutet war (noch mehr müsste ich wohl verschluckt haben, da das meiste Blut meinen Rachen herunterfloss) und mir so langsam schwindlig wurde, ging ich zurück und wollte den Leuten im Behandlungszimmer Bescheid geben als ich kurz vor dem Zimmer umgekippt bin.

Als ich wieder zu mir kam lag ich wieder auf dem Sessel, auf dem mir schon die Tamponagen entfernt worden waren und war mit einer Infusion verbunden, die wie kohlensäurereiches Mineralwasser durch meine Adern sprudelte und war sehr aufgebracht darüber, wie man mich behandelt hatte. Man gab mir etwas zur Beruhigung und brachte mich zurück aufs Krankenzimmer, wo ich zunächst einmal panische Angst davor hatte, wieder einzuschlafen, und nach dem Wiederaufwachen sofort meine Sachen gepackt und das Krankenhaus verlassen habe, weil ich meinen drei kleinen Kindern und ihrer Mutter zuhause zutraute, mich besser zu versorgen und besser auf mich acht zu geben als diese Quacksalber, mit denen ich in der Uniklinik zu tun hatte.

Diesmal schaltete sich der noch vor ein paar Stunden so passiv uninteressierte Chefarzt besonders eifrig und interessiert ein und wollte mich nicht gehen lassen, bevor ich einen Vordruck unterschrieben hatte, dass ich in voller Eigenverantwortung entgegen des Rats der bahandelnden Ärzte das Krankenhaus verlasse.

Die Nähte und die Schiene in meiner Nase entfernte später der HNO-Arzt, der auch feststellte, dass sich an der Luftverteilung auf meine Nasenlöcher durch den Eingriff nicht das geringste geändert hatte. Aber ich habe seit diesem völlig unnötigen Eingriff mit einem von Anfang bis Ende geradezu traumatischen Krankehausaufenthalt eine deutlich unsymmetrische Nase und eine vermutlich vom Sturz herrührende Arthrose in der Hüfte.

So kann es eben auch gehen! Und während jede ordentliche fürsorgliche vorausschauende Behandlung eines Patienten eine Selbsverständlichkeit sein sollte, ist jede einzelne Nachlässigkeit wie in diesem geschilderten letzteren Fall genau der eine zuviel, der nicht vorkommen dürfte und vorkommen sollte.

Und auch wenn es wohl keinen kausalen Zusammenhang geben wird und in unserer ansonsten Statistik und Zahlenverrückten Gesellschaft gerade darüber keine Statistik existieren wird, kann man aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung durchaus annehmen, dass solche Nachlässigkeiten wohl mit einer statzistisch signifikanten Wahrscheinlichkeit eher gesetzlich Versicherte Unbekannte treffen wird als andere, insbesondere, wenn sie auch noch einen muslimisch klingenden Namen haben.

Oder wollte wirklich Jemand ernsthaft bestreiten, dass die betriebswirtschaftliche Durchoptimierung aller Gesellschaftsbereiche in den letzten Jahrzehnten nicht auch den medizinischen Bereich zum Nachteil der meisten Patienten zugunsten einer immer kleiner werdenden Elite betroffen hätte. Oder dass Türken- und Muslimenbashing mit der Zeit immer hoffähiger wurde und Verbreitung fand in diesem Land, in dem eine Partei, deren Vorsitzende und Funktionäre laut öffentlicher Aussage eine Politikerin mit Migrationshintergrund am liebsten "in Anatolien entsorgen" würde, inzwischen schon in einem Bundesland auch einmal knapp 30% aller Wählerstimmen auf sich vereinen kann.

Vermutlich schon. Vermutlich wird man mehr als genug Idioten dafür finden, wie hier ja auch tagtäglich in kleinem Kreis verfolgt werden kann. Denn, und das habe ich hier auch schon mehrfach angeführt und begründet, für mich sind die Entwicklungen an den extremen Rändern des politischen Spektrum nur der aus dem Wasser ragende sichtbare Teil des Eisbergs, der seine Masse und Wucht erst aus den Entwicklungen in der Mitte der Gesellschaft bezieht.

Und in der Mitte der Gesellschaft wird nun einmal seit Jahrzehnten der Ellenbogen, der Profit, der Eigensinn, die Unmoral und Unvernunft gepredigt. Vor diesem Hintergrund kann sich eine AfD sogar als besonders zuverlässig und konsequent profilieren, weil sie öffentlich ausspricht und auf die Spitze treibt, was die gemäßigten in der Mitte so nie (oder richtiger: noch nicht) sagen würden, aber schon längst in ihre vermeintlich politisch korrekten Denk- Sprech- und Handlungsmuster integriert haben.
 

Zerd

Well-Known Member
12 Oktober 2005
1.529
1.059
113
...

Natürlich ist der Neoliberalismus keine rein deutsche Entwicklung und schon gar nicht hier erfunden. Sie schwappte über von den Nachfahren der Wild-West-Cowboys, den Siedlern, die den Genozid an den Ureinwohnern eines ganzen Kontinents verübt haben, der Plantagenbesitzer, die einen halben Kontinent versklavt haben, dem Land, das als einziges bis heute Atombomben über bewohntem Gebiet abwarf und bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts noch in weiten Teilen des Landes offen die Rassentrennung praktizierte, das für jeden Krieg in jüngerer Vergangenheit mittelbar oder unmittelbar verantwortlich war, teilweise mit "unwiderlegbaren" Beweisen, zumindest aber kräftig mitgemischt und mitverdient hat.

Aber: für die Nachkommen der Nazis, die das historisch größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit in jüngerer Vergangenheit begangen haben, scheint das doch ein sehr willkommenes Weltbild und Tätigkeitsfeld gewesen zu sein, da kaum ein anderes Land außerhalb der USA dieses Konzept so konsequent und erfolgreich umgesetzt hat wie Deutschland. Und das bei denkbar schlechten Voraussetzungen: denn noch Anfang der 80er Jahre war Deutschland weit vor allen vermeintlich sozialistischen und skandivanischen Ländern das Land mit der besten Versorgung und Absicherung des kleinen Mannes.

Es liegt mir fern zu verallgemeinern, ich weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, wie falsch und unanständig das wäre. Meist sind es nur kleine Gruppen, die die Richtung und Entwicklung einer Gesellschaft vorantreiben, die meisten anderen haben gar keine Lust oder nicht die Fähigkeit, sich ein eingermaßen realistisches Modell vom Großen Ganzen zu machen und schließen sich der Einfachheit halber einer Gesinnung oder Einstellung an, die sie aus irgendwelchen Gründen anspricht. Und zur Zeit lassen sie sich eben am meisten durch Konsum und Hedonismus und die vage Aussicht, dass sie selbst zu den wenigen Gewinnern gehören könnten, ansprechen.

Oder natürlich von dem Hinweis, dass es hierzulande noch dem größtesn Verlierer besser erginge als den meisten Menschen in anderen Weltregionen (für das "warum?" gibt es in diesem Zusammenhang genügend sehr einfache Antworten, wie etwa die besseren Gene!). Mein Anspruch ist es nicht, dass es mir besser geht als irgendeinem armen Schlucker in einem Land, dessen Geschichte und Besonderheiten ich kaum kenne. Mein Anspruch ist es, mir Gedanken zu machen über die Dinge, die ich am besten kenne und verstehe und diesen Bereich untersuche und beurteile, um dadurch möglicherweise auf Ideen zu kommen, was sonst noch möglich wäre. Meine Lehrer haben mich seinerzeit noch versucht dazu zu erziehen, ein eigenständig denkender mündiger Bürger zu werden, und so interpretiere ich nun einmal meine Pflichten, die sich daraus ergeben.
 

Berfin1980

Well-Known Member
19 Juni 2015
9.465
9.807
113
Ich wohne in Köln, einer Großstadt. Meine Hausärztin (Gemeinschaftspraxis, zwei Teilhaberinnen plus einer angestellten Ärztin) hat mir mal gesagt, sie habe gar keine Privatpatient*innen in der Kartei. Sie verkauft auch keine Igelleistungen. Wenn es nötig wäre, würde die Kasse es bezahlen. Sie warnt auch vor Abzocke bei Fachärzt*innen. Ihr Auto ist über 10 Jahre alt, das ihrer Praxiskollegin auch.
Same here......die ganze Praxis ist nicht für Privilegien zu haben. Auch die Privatpatienten (sei haben ein paar) müssen draußen vor der Tür an der frischen/kalten Luft warten bis sie reingerufen werden.

Die angestellte Ärztin ist zeitlich befristet, da sie nebenbei noch in der Frauen JVA Ärztin ist.

Geimpft wird dort übrigens am Samstag.......auch die Patienten die Hausbesuche nötig haben.
 

EnRetard

Well-Known Member
19 Februar 2017
7.586
9.782
113
wohl mit einer statzistisch signifikanten Wahrscheinlichkeit eher gesetzlich Versicherte Unbekannte treffen wird als andere, insbesondere, wenn sie auch noch einen muslimisch klingenden Namen haben.
Im Krankenhaus kann jedeR das Opfer von Schlampereien werden, gesetzlich oder privat. Wobei ich den Versicherungsstatus als das geringste Risiko betrachte bzw. ihm die geringste Schutzwirkung zumesse. Am stärksten gefährdet sind meiner Erfahrung betagte Menschen über 80. Meine privat versicherte Großmutter hat ihr Versicherungssatus jedenfalls nicht vor menschenverachtendem Verhalten geschützt. Ebenfalls ausgeliefert sind nach meiner Erfahrung Menschen ohne gute Deutschkenntnisse/deutsche Abstammung bzw. Namen/Vorkenntnisse. Das einzige, was hilft, ist massivstes Auftreten von Angehörigen, die den Grundsatz "Höflichkeit ist eine Zier, doch leichter lebt sich's ohne ihr" verinnerlicht haben.

Zynisch gesagt: kein Wunder, dass Krankenhäuser in Pandemiezeiten nur noch Besuch/Begleitung zulassen, wenn die Patient*innen bereits im Sterben liegen.
 

Berfin1980

Well-Known Member
19 Juni 2015
9.465
9.807
113
Im Krankenhaus kann jedeR das Opfer von Schlampereien werden, gesetzlich oder privat. Wobei ich den Versicherungsstatus als das geringste Risiko betrachte bzw. ihm die geringste Schutzwirkung zumesse. Am stärksten gefährdet sind meiner Erfahrung betagte Menschen über 80. Meine privat versicherte Großmutter hat ihr Versicherungssatus jedenfalls nicht vor menschenverachtendem Verhalten geschützt. Ebenfalls ausgeliefert sind nach meiner Erfahrung Menschen ohne gute Deutschkenntnisse/deutsche Abstammung bzw. Namen/Vorkenntnisse. Das einzige, was hilft, ist massivstes Auftreten von Angehörigen, die den Grundsatz "Höflichkeit ist eine Zier, doch leichter lebt sich's ohne ihr" verinnerlicht haben.

Zynisch gesagt: kein Wunder, dass Krankenhäuser in Pandemiezeiten nur noch Besuch/Begleitung zulassen, wenn die Patient*innen bereits im Sterben liegen.
Die Bundesärztekammer Schlichtungsstelle veröffentlicht dazu Zahlen.

Link

Die Daten sind anonymisiert und sagen auch nichts über Ethnien aus. Abstreiten will ich nicht das es da wohl auch eine Dunkelziffer geben kann.
 

Bintje

Well-Known Member
5 Mai 2018
9.323
13.337
113
(...)Das einzige, was hilft, ist massivstes Auftreten von Angehörigen, die den Grundsatz "Höflichkeit ist eine Zier, doch leichter lebt sich's ohne ihr" verinnerlicht haben.

"Massivstes Auftreten von Angehörigen", die Deinen empfohlenen Grundsatz "verinnerlicht haben", hat gezwungenermaßen für die notwendige Aufstockung von Sicherheitspersonal in Kliniken gesorgt. Nicht erst seit gestern. Klicke hier:

https://link.springer.com/article/10.1007/s00113-020-00806-6

"In Anbetracht der zunehmenden Gewalt und Aggression gegen medizinisches Personal in Gesundheitseinrichtungen gibt es vom Gesetzgeber Überlegungen, Gewalttäter in Kliniken härter zu bestrafen. Mitarbeiter von Krankenhäusern und Notaufnahmen sehen sich zunehmend mit physisch und psychisch gewalttätig agierenden Patienten oder deren Angehörigen konfrontiert. (...)

Und da: https://www.bgw-online.de/DE/Arbeit...ewalt-Mitteilungen.pdf?__blob=publicationFile

"1.984 Beschäftigte nahmen an der Studie teil. Die Rücklaufquote lag bei 40,9 %. 79,5 % (n = 1.578) der Studienteilnehmer haben den vorausgegangenen zwölf Monaten Gewalt erlebt. Von diesen berichten 94 % über verbale und 70 % über körperliche Gewalterlebnisse. Aggressive Übergriffe kamen am häufigsten in Krankenhäusern und in Wohnbereichen der Behindertenhilfe vor. Es handelte sich überwiegend um Beschimpfen, Kneifen und Kratzen, Schlagen oder Bedrohen. Die Betroffenen reagierten mit Ärger, Hilflosigkeit oder Enttäuschung. Als Konsequenz sind sie vorsichtiger, angespannter oder haben weniger Spaß an der Interaktion mit den Patienten bzw. Klienten. (...) Gesundheits- und Krankenpfleger mit Leitungsfunktion haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Übergriffe. (...)"

Zynisch gesagt: Inadäquaten Verhaltensweisen von Angehörigen und/oder teils angetrunkenen Patienten in der Notaufnahme verdankt mein Sohn seinen derzeitigen Job als Schichtleiter in der Security, mit dem er sein Studium finanziert. Seinen erlernten Beruf kann er pandemiebedingt seit einem Jahr nicht ausüben.