Essener Tafel

Ich kann aus meinem persönlichen Bekanntenkreis rein zufällig (!!!) nur Gutes berichten über ihre ein-Euro-Jobs.

Eine ältere Frau, auf die Rente zugehend, hatte einen Job in den letzten Jahren an einer integrativen Grundschule als fünftes Rad am Wagen. Lehrerin/Betreuerin waren wie im Schlüssel vorgesehen vorhanden; besagte Arbeitslose hat sich nur zusätzlich mit an die Tische gesetzt und den Kindern geholfen. Hat ihr selber sehr gut getan. Sie fand das spannend, mit Kindern, auch behinderten umzugehen; hatte ein soziales Umfeld usw. Nur daß sie die erste Zeit stets erkältet war, hat sie genervt.

Ein anderer wurde verdonnert, der Bahnhofsmission zu helfen. Omis Koffer zum Gleis rauftragen, Fremden den Bahnhof erklären, sowas. Kann ich nicht falsch finden.
 
Ich möchte etwas richtig stellen, falls ich das vernachlässigt haben mag.

Ich selbst bin Gegner von Maßnahmen und habe dementsprechend auch eine gewisse "Anti" Haltung.
Das ist inzwischen nicht mehr zu übersehen. :p
Das ist durchaus richtig. Nur muss man dafür keine 1€ Jobber missbrauchen und sich die Aufräumarbeit (als Unternehmen) dann auch noch von der Stadt vergolden lassen. Diese Arbeit ist sicherlich eine gute und sinnvolle Arbeit. Kein Zweifel! Allerdings sollten dafür Arbeitsplätze geschaffen werden und die Mitarbeiter entsprechend bezahlt werden.
Das sollte vielleicht auf den nächsten Forderungskatalog mit drauf. Gegenwärtig ist es so, daß diese Arbeit von 1€-Jobbern getan wird, oder sie wird nicht getan.
 
Ich kann aus meinem persönlichen Bekanntenkreis rein zufällig (!!!) nur Gutes berichten über ihre ein-Euro-Jobs.
... und hier einige Gegenbeispiele mit Begründung ...

Eine ältere Frau, auf die Rente zugehend, hatte einen Job in den letzten Jahren an einer integrativen Grundschule als fünftes Rad am Wagen. Lehrerin/Betreuerin waren wie im Schlüssel vorgesehen vorhanden; besagte Arbeitslose hat sich nur zusätzlich mit an die Tische gesetzt und den Kindern geholfen. Hat ihr selber sehr gut getan. Sie fand das spannend, mit Kindern, auch behinderten umzugehen; hatte ein soziales Umfeld usw. Nur daß sie die erste Zeit stets erkältet war, hat sie genervt.
Aus meinem persönlichen Umfeld (also erste Hand) kannte ich einen 1€ Jobber mit Ausbildung und staatlichem Abschluss als Kinderpfleger. Die Person fand leider keine Arbeit, da muslimischer Hintergrund. Die meisten Kindergärten und Kindertagesstätten waren in kirchlicher Hand.

Letztendlich wurde die Person dazu verdonnert einen 1€ Job in einer integrativen Schule anzutreten. Dort war die Person für 6 Monate. Es wurde ihm nahegelegt die 6 Monate doch nochmal zu verlängern, weil man mit seiner Arbeit sehr zufrieden war. So zufrieden, dass man ihm sogar eine Festanstellung in Aussicht stellte. Nachdem 12 Monat um waren, wurde die Person nochmals gebeten um 6 Monate zu verlängern. Die Schule hatte es so eilig damit, dass sie sogar noch vor dem Dialog zwischen den Bedürftigen und dem Jobcenter, eigenmächtig an das Jobcenter herantrat und den Vertrag hintenrum verlängerte. Nach 18 Monaten wurden zwischenzeitlich neue Mitarbeiter an der Schule eingestellt und die Person aus meinem Umfeld auf wiederliche Art und Weise abserviert.

Unter dem Strich bekam die Person 1.5€ pro Stunde, wovon sogar die Fahrkarte mit dem Bus bezahlt werden musste. Nach 18 Monaten konnte man eine Einnahme von +/- 0 Euro feststellen (eher ein Minus, wenn ich ehrlich bin). Täglich 8 Stunden kaputtgearbeitet. Mit der "Aussicht auf Festanstellung" vollverarscht worden und aus eigener Tasche noch oben drauf gezahlt. Das hat der Person richtig gut getan... So mit Kindern und verarscht werden und so.

Ein anderer wurde verdonnert, der Bahnhofsmission zu helfen. Omis Koffer zum Gleis rauftragen, Fremden den Bahnhof erklären, sowas. Kann ich nicht falsch finden.
Das gibt es... Wäre nur rechtswidrig... Es ist nicht Aufgabe eines Erwerbslosen, für lau, zur unentgeldlichen Kostenmaximierung der Bahn beizutragen...

Das ist ja genau das Problem bei den ganzen 1€ Jobs.

Verstehst du ? Wir würden diese ganze Elendsdiskussion nicht führen, würde der Staat ein Auge auf prekäre Arbeitsverhältnisse haben. Sobald diese 1€ oder 0€ Jobs abgeschafft werden, wird sich auch der Arbeitsmarkt anpassen müssen, da man keine Mitarbeiter mehr für "lau" haben kann... Dann würden auch endlich die Mindestlähne greifen und die Leute könnten für ihre Arbeit auch etwas Kohle bekommen (nebst den Sozialabgaben, Pflegegeld, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung).

Die gesamte Agenda 2010 hat diese prekären Zustände erst möglich gemacht und geschaffen.
 
Wir sprechen über ein Verteilungssystem in einer deutschen Großstadt (Dortmund: über 600 00 Einwohner, davon 33 000 arbeitslos und 25% Ausländern (die mit zwei Pässen sind mitgezählt, aber nicht Deutsche mit ausländischen Wurzeln). Es gibt 17 Ausgabestellen, und die Ausgabe funktioniert offensichtlich. Was ist daran rosarot gemalt, wenn die Stadt und die Ehrenamtlichen das das auf die Reihe kriegen?
Dortmund verfügt nicht über mehr Spender als Essen. Die Städte sind problemlos im Hinblick auf Größe und Bevölkerungsstruktur miteinander zu vergleichen. Eigentlich galt Essen immer als etwas wohlhabender im Vergleich zu Dortmund. Die Ausgangslage ist die gleiche. Gerade deshalb spreche ich von einem Organisationsproblem in Essen.
Wird es nicht langsam Zeit das der Staat mal Verantwortung übernimmt? Wenigstens Ordnungskräfte bereit stellt, damit alle wieder etwas (wieviel auch immer) bekommen können.
Ordnungskräfte werden die Tafeln dann brauchen, wenn weiterhin an der Saga gearbeitet wird, daß satte Ausländer hungrigen Deutschen das Essen stehlen.
 
Gerade deshalb spreche ich von einem Organisationsproblem in Essen.
Das tue ich ja auch unentwegt. :)

Nur: Was immer die da in Essen machen. Oder nicht machen. Die müssen nicht gut organisiert sein. Die müssen gar nichts.
Ordnungskräfte werden die Tafeln dann brauchen, wenn weiterhin an der Saga gearbeitet wird, daß satte Ausländer hungrigen Deutschen das Essen stehlen.
Erstens sind das nicht nur Ausländer, sondern die waren nur der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen gebracht hat. Das Faß war voll mit Rußlanddeutschen.

Zweitens können wir das aus der Ferne nicht beurteilen. Die Wuppertaler Tafel hatte durchaus zwischenzeitig hochproblematische Kundschaft. Gewalttätige Nazis. Weiß nicht, wie sie das gelöst hatten.
 
Aaaah ... Ja.

Aktueller Stand in Wuppertal, bin echt nicht auf dem Laufenden:

Jeder, der bedürftig sei und das etwa mit einer Bescheinigung des Jobcenters nachweisen könne, erhalte einen Ausweis für die Lebensmittelausgabe. Aktuell gebe es etwa 1700 Ausweise, die jeweils für ein Jahr gelten. Sie gelten für sogenannte Bedarfsgemeinschaften – also ganze Familien.

Bei der Ausgabe für warmes Essen in der Kantine der Tafel am Kleinen Werth sind keine Ausweise nötig: „Da kann jeder kommen“, sagt Betriebsleiter Zülfü Polat: 70 bis 150 Menschen nutzten das pro Mahlzeit.

Konflikte gebe es auch, etwa wenn Gäste alkoholisiert seien. Das lasse sich schnell regeln. Auch in Wuppertal kämen viele Flüchtlinge zur Tafel: „Flüchtlinge sind auch bedürftig“, so Polat und betont: „Das stellt kein Problem dar.“
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