Kommunalwahlen am 31. März in der Türkei

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Nicht so viel wie Du, aber ja.

Im Internet kursiert die Frage, warum wir nicht Salomons Tempel wieder an Originalstätte wiedererrichten. Den Vergleich finde ich ebenso unangemessen.
 
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sommersonne

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19 März 2017
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Nein, sondern weil ich noch nie gehört hatte davon. Wenn die Alhambra eine Kirche wäre oder das Taj Mahal, dann wäre das für mich vergleichbar.
Dann solltest du dich mal etwas mehr informieren. Du wirst interessante und schöne Sachen entdecken. Man kann nur staunen was das Kalifat damals zustande gebracht hat. Das nicht nur auf architektonischem Gebiet.
Es lohnt sich.
 

Mendelssohn

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17 Januar 2016
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Vorsichtig, ganz, ganz vorsichtig. Nicht vom Patriarchen von Konstantinopel. Mit dem ist er spätestens seit der Ukrainekrise bitterlichst verkracht. Hier sind Putin und Erdogan nämlich auf einmal doch wieder Verbündete.
Heute war zu lesen, dass die russisch orthodoxe Kiche "not amused" ist. Also wesentlich mehr verpisst als der Papst, der die Entscheidung auch nicht für tolerant hält. Alles andere hätte mich irritiert. :)
Aber wie ich schon sagte, der Kemalismus, die CHP und der Bürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu, sind Erdogans Gegner. Es könnte passieren, dass Kyrill I Putin drängt, wenn schon keine christliche Gebetsecke in der Hagia Sophia einzurichten, dann doch wenigstens Ekrem İmamoğlu bei der nächsten Präsidentschaftswahl netztechnisch zu unterstützen.
https://www.vaticannews.va/de/welt/...kyrill-weiht-orthodoxe-kirche-des-sieges.html :)
 
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Alubehütet

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29 Januar 2017
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Ich finde es überhaupt nicht selbstverständlich, und um so mehr freut mich, daß Konstantinopel und Moskau wenigstens in dieser Frage mal einig sind. Rom hätte auch gerne mehr dazu sagen dürfen, da gebe ich dir Recht.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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https://www.zeit.de/politik/ausland...gan-hagia-sophia-deniz-yuecel/komplettansicht

Ein Kommentar zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee. Auch hier wird die Mezquita-Catedral von Córdoba als böses Vorbild erwähnt, und keineswegs, lieber @Alubehütet als Randnotiz aus der andalusischen Provinz.

Unabhängig davon, dass ich seit Jahren bedauere, dass auch Michael Thumann nicht mehr aus Istanbul schreibt:

Weißt Du, was mich die ganze Zeit wundert? Dass Du die Zeit der Reconquista, finsterstes Mittelalter, fortlaufend als Referenzpunkt hernimmst. Im 21. Jahrhundert finde ich den Vergleich relativ unpassend. Irgendwie glaubte ich, da seien wir schon weiter. :)

Und ja, ich weiß, dass die katholische Kirche sich auch nach der Jahrtausendwende noch weigert, Muslime in der Córdoba-Kathedrale beten zu lassen. Das hat anscheinend seine kirchliche Logik in sich, auch wenn ich es in keiner Weise nachvollziehbar finde.
Du blendest nur die ganze Zeit aus, dass die jetzige Kathedrale, vormals Mezquita, bereits ursprünglich eine Kirche beziehungsweise Kathedrale war. Das nur, um auf Dein Argument einzugehen, das man, wenn man's genau nimmt, dann auch auf die Haghia Sophia anwenden müsste.
Oder möchtest Du doppelte Kriterien einziehen? Sicher nicht, gell? ;)

Wie auch immer: Thumanns Text ist wie üblich sehr lesenswert. Abgesehen davon können Fans der Materie sich ruhig auch mal die vermutlich unvollständige Liste der in Moscheen umgewandelten Kirchen in Istanbul anschauen: https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Mosques_converted_from_churches_in_Istanbul

.
 

EnRetard

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19 Februar 2017
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Weißt Du, was mich die ganze Zeit wundert? Dass Du die Zeit der Reconquista, finsterstes Mittelalter, fortlaufend als Referenzpunkt hernimmst
Ich nehme die Reconquista so sehr als Referenzpunkt wie die Eroberung von Konstantinopel. Die Vergleichbarkeit liegt für mich in der Haltung der katholischen Kirche Spaniens und den Regierungen Spaniens, Andalusiens und der Stadt Córdoba, die allesamt auf der alleinigen Bestimmungsgewalt der katholischen Kirche über die Moschee-Kathedrale beharren.
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Es ist doch ein Unterschied, ob an einem Unrecht festgehalten wird, das einst zu Zeiten der Reconquista begangen wurde, oder ob es heute geschieht. Natürlich wäre es wünschenswert, die Spanier würde einmal so fortschrittlich in dieser Frage, wie Attatürk vor bald 100 Jahren war. Es wäre aber auch wünschenswert, die Türkei bliebe es. Niemand macht doch Sultan Mehmed II heute einen Vorwurf. Und schon gar nicht fangen wir an, Kirchen abzutragen, um darunter liegende Dionysos- oder Wotan-Stätten wieder zu errichten (was in Indien mit Moscheen in der Tat geschieht).

Daß Mehmed II heute zur Leitfigur der Türkei erhoben wird mindestens neben Attatürk, das ist das Problem. Wohingegen Spanien immerhin endlich Franco umgebettet hat.
 
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Burebista

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4 November 2015
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Wenn es im Raum des heutigen Istanbuls eine Reconquista geschah (im wörtlichen Sinn), dann geschah die im Jahre 1261, als die Byzantiner ihre alte Hauptstadt, welche von den Lateinern im Jahre 1204 erobert wurde, wiedereroberten. Dann wurde die Hagia Sophia wieder eine orthodoxe Kirche (denn zwischen 1204-1261 war sie eine röm.-kath. Kirche; anstelle des orthodoxen Patriarchen wurde ein lateinischer Patriarch eingesetzt).

Im Jahre 1453 hat keine Reconquista, keine Rückeroberung, stattgefunden, sondern nur eine Eroberung. Und vorige Woche, am Tag als Erdogan sein Dekret über die Ayasofia unterzeichnete, fing er seine Rede um Punkt 20:53 Uhr (!) an und sprach über die nun "zweite Eroberung".

In Spanien hat wirklich eine Reconquista stattgefunden. Ein ehemaliges christliches Gebiet wurde erobert. Laut der spanischen Wikipedia:
Tras las invasiones bárbaras, se construyen las primeras basílicas, que se convierten en mezquitas tras la invasión musulmana en 711. Hacia 785 no queda ninguna iglesia en el centro urbano y los edificios de culto cristiano estaban extramuros. La sucesión episcopal parece que se mantenía, según una crónica árabe de la segunda mitad del siglo XI.
https://es.wikipedia.org/wiki/Diócesis_de_Córdoba
Also die alten christlichen Kirchen wurden Moscheen und um 785 gab es in der Innenstadt keine Kirche mehr (solche gab es nur außerhalb der Mauern). Die Mezquita wurde auch auf der Stelle einer alten zerstörten Kirche gebaut (https://es.wikipedia.org/wiki/Basílica_de_San_Vicente_Mártir ) .
Das war auch nicht genug. Sogar die Glocken von Santiago de Compostela wurden geraubt und für die Moschee aus Cordoba geschmolzen. https://regiopia.de/europa/spanien/cordoba/sehenswuerdigkeiten.html
Nach der Rückeroberung von Cordoba durch die Spanier wurde dann die Moschee in eine Kirche umgebaut.

Eine ähnliche Rückeroberung und Umbauung einer alten Moschee kann man in Pécs, Ungarn sehen: https://de.wikipedia.org/wiki/Moschee_Gazi_Khassim. Auch hier wurde eine Kirche zerstört, darauf eine Moschee gebaut, die jetzt röm.-kath. Kirche ist. Schöne Bilder kann man auf der ung. Version von wiki sehen:
https://hu.wikipedia.org/wiki/Gázi_Kászim_pasa_dzsámija
 
Zuletzt bearbeitet:

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Die Mezquita wurde auch auf der Stelle einer alten zerstörten Kirche gebaut
Ja gut, das ist natürlich auch jetzt ein Punkt, aber wie weit will man da zurückgehen. Viele Kirchen sind auf alten heidnischen Kultstätten, Tempeln, Heiligtümern gebaut.

Mal ganz provokant. Mohammed wurde nach Jerusalem zum „anderem Heiligtum“ entrückt. Der Tempelberg war also zu Lebzeiten Mohammeds noch oder wieder ein vorislamisches Heiligtum.