AfD - wo mag die Reise hingehen...

ist die AfD eine Alternative für Deutschland?

  • ja, unsere einzige Chance!

    Votes: 4 9,8%
  • ja, als Protestwahl.

    Votes: 7 17,1%
  • ja....was soll ich sonst wählen?

    Votes: 3 7,3%
  • ja...nein...weiss nicht...

    Votes: 1 2,4%
  • nein.

    Votes: 3 7,3%
  • nein, definitiv keine Alternative!

    Votes: 28 68,3%

  • Total voters
    41

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Wuppertal
@Berfin1980 Siehe Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem", und was ich an Videos von dem Prozeß gesehen habe, scheint dem zu entsprechen, widerspricht für mich ihren Beobachtungen jedenfalls nicht. Eichmann gibt sich als Ultrabürokrat, als gewissenloser, Befehle ausführender Beamter. Der keine großen eigenen Überzeugungen hat – auch keinen Befehlsnotstand vorgibt, ihm ist klar, daß er, was er gemacht hat, nicht hätte machen müssen. Seine "Überzeugung" ist, daß ein jeder Staat gute Beamte braucht, und er ist eben ein solcher. (Rein fachlich ein herausragender Mann. Der statt Mehdorn, und die Bahn wäre längst wieder pünktlich.) Hätte man ihm anderes aufgetragen, er hätte auch anderes exekutiert. Die Juden einem eigenen Staat in Madagaskar zugeführt. Es kam halt anders, so hat er anderes gemacht.

Was ihn … nicht zum Kronzeugen macht, aber zum Sachverständigen in einem der heikelsten Fragen: Wenn er sagt, ohne die Kollaboration der Judenräte in den Gettos wäre der Holocaust in diesem Ausmaß nicht zu stemmen gewesen. Wenn die Juden nicht eine eigene jüdische Polizei in den Gettos gestellt hätte, die Nazis diese Manpower auch noch hätten aufbringen müssen. Klar. Man will das Schlimmste verhindern. Besser eine eigene Jüdische Polizei, die dafür sorgt, daß Ausgangssperren eingehalten werden, als die brutalen SA-Schläger machen das mit all ihrer Willkür. Aber, so ein Eichmann, damit haben sie das allerschlimmste überhaupt erst zumindest in diesem Ausmaß möglich gemacht. – Die Frage ist: Sind auch die Juden mittätig gewesen beim eigenen Untergang? Und Eichmann sagt: Ganz klar, ja.

Was ja heute noch die These rechtsradikaler Israelis ist. Sie glauben, heute den Widerstandskampf gegen die Muslime zu führen, den ihre Urgroßeltern gegen die Nazis nicht geführt haben, sich stattdessen wie ein Lamm haben zur Schlachtbank führen lassen.

Hannah Arendt hält das zumindest für eine erörterungsfähige Frage und hat sich dafür einen Shitstorm historischen Ausmasses eingefangen.

Klar hat er das. Aber eine Beweisaufnahme kann nur Taten der Menschen erfassen, kann nicht in die Menschen hinein gucken.

Heute wissen wir: Eichmann hat das alles geschauspielert, alles gelogen. Interviews und Dokumente zeigen, daß Eichmann selbst noch in Argentinien ein zutiefst überzeugter, 120%er Nazi war, der die Sache nicht einmal jetzt verloren gab, der noch von dort aus die Wiedererrichtung des Dritten Reiches in Deutschland mit Eifer betrieben hatte.
 

Berfin1980

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19 Juni 2015
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Wenn er sagt, ohne die Kollaboration der Judenräte in den Gettos wäre der Holocaust in diesem Ausmaß nicht zu stemmen gewesen. Wenn die Juden nicht eine eigene jüdische Polizei in den Gettos gestellt hätte, die Nazis diese Manpower auch noch hätten aufbringen müssen. Klar. Man will das Schlimmste verhindern. Besser eine eigene Jüdische Polizei, die dafür sorgt, daß Ausgangssperren eingehalten werden, als die brutalen SA-Schläger machen das mit all ihrer Willkür. Aber, so ein Eichmann, damit haben sie das allerschlimmste überhaupt erst zumindest in diesem Ausmaß möglich gemacht. – Die Frage ist: Sind auch die Juden mittätig gewesen beim eigenen Untergang? Und Eichmann sagt: Ganz klar, ja.

1. Hat man diesen Judenräten eine Verschonung versprochen.
2. Hatte man sie ja in Ghettos gesperrt, also musste nur noch ein Selektion stattfinden, die dann in den KZ`s nochmals stattfand.
3. War das Vorgehen auch Thema bei der Wannseekonferenz.
Weiß ich!

Eichmann war ein gnadenloser Mörder, verantwortlich dafür.
Was aber das beste ist, die Richter sahen das anders, vor allem auch wegen der Zeugen und er wurde verurteilt.

Zu ihr haben wir schon mal diskutiert und ich kann sie immer noch nicht ab.

Ich habe im Laufe meines Lebens einige Überlebende kennen gelernt und viele, sehr viele Aufzeichnungen zu Eichmann gelesen. Diese Wissen also nicht nur heute erlangt.
 

sommersonne

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19 März 2017
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Leipzig
Was ihn … nicht zum Kronzeugen macht, aber zum Sachverständigen in einem der heikelsten Fragen: Wenn er sagt, ohne die Kollaboration der Judenräte in den Gettos wäre der Holocaust in diesem Ausmaß nicht zu stemmen gewesen. Wenn die Juden nicht eine eigene jüdische Polizei in den Gettos gestellt hätte, die Nazis diese Manpower auch noch hätten aufbringen müssen. Klar. Man will das Schlimmste verhindern. Besser eine eigene Jüdische Polizei, die dafür sorgt, daß Ausgangssperren eingehalten werden, als die brutalen SA-Schläger machen das mit all ihrer Willkür. Aber, so ein Eichmann, damit haben sie das allerschlimmste überhaupt erst zumindest in diesem Ausmaß möglich gemacht. – Die Frage ist: Sind auch die Juden mittätig gewesen beim eigenen Untergang? Und Eichmann sagt: Ganz klar, ja.
Nein, das ist eine Lüge Eichmanns. Sie waren dazu gezwungen und haben auch so manchem, nicht nur Juden, das Leben erleichtert und sogar gerettet. Es ist absolut infam das so hinzustellen als wäre ohne sie der Holocaust nicht möglich gewesen. Eichmann als Sachverständigen in dieser Frage zu bezeichnen ist (habe kein Wort dafür, sonst werde ich gerügt)
Was ja heute noch die These rechtsradikaler Israelis ist. Sie glauben, heute den Widerstandskampf gegen die Muslime zu führen, den ihre Urgroßeltern gegen die Nazis nicht geführt haben, sich stattdessen wie ein Lamm haben zur Schlachtbank führen lassen.
Woher hast du denn diese Erkenntnis? Schließlich waren in den KZ´s nicht nur Juden. Dann hätten sich auch alle anderen Gefangenen wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen. Wer so etwas denkt oder sagt, der hat keine Ahnung wie es im Dritten Reich zugegangen ist oder er leugnet es sogar.
Hannah Arendt ist offenbar nicht die Person die sich objektiv eine Meinung gebildet hat. Man muß ihre Meinung nicht nachplappern.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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Hannah Arendt ist offenbar nicht die Person die sich objektiv eine Meinung gebildet hat. Man muß ihre Meinung nicht nachplappern.
Na ja, sie stand ja auch unter dem Einfluss von Heidegger. Ungefähr hier hatten wir uns mal seitenlang über sie ausgetauscht, nachdem ich eine Ausstellung über sie in Berlin empfohlen hatte. Da war ihr Verhältnis zu Heidegger auch Thema und ihr spätes Eingeständnis, Little Rock falsch beurteilt zu haben.
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Wuppertal
Na ja, sie stand ja auch unter dem Einfluss von Heidegger.
Aber 1961, zur Zeit des Eichmann-Prozesses, nun wirklich nicht mehr. Zumal, zu der Zeit, wo sie ein Liebesverhältnis hatten, 1925, hat Heidegger noch kaum über Politik nachgedacht. Arendt ist zutiefst geprägt von Heideggers Methode, der Phänomenologie; politisch ist sie viel mehr Karl Jaspers verpflichtet, bei dem sie anschließend studiert, und mit dem sie später eine innige Freundschaft verbinden wird. – Der politische Mensch, gar der im Dialog mit anderen, das ist, was Heidegger nie in den Blick nimmt; der Einzelne ist sein Interesse.

Interessanten Essay zu dieser Beziehung von einer Arendt-Expertin gefunden, vielleicht zur Einführung.
http://www.presse.uni-oldenburg.de/einblicke/44/grunenberg.pdf
Habe ich mir auch vorhin noch mal angesehen.

War der Anlaß unserer Diskussion nicht, daß die Anstalt Kant, Marx und sie vom Sockel holen wollte?
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Hannah Arendt ist offenbar nicht die Person die sich objektiv eine Meinung gebildet hat. Man muß ihre Meinung nicht nachplappern
Es ging ja nicht um Hannah Arendt. Es ging um Joachim Fest und seinen missratenen Sohn. Woraufhin @Berfin1980 richtig einwandte, so ganz weit vom Stamm sei der Apfel aber auch nicht gefallen, ich solle mich noch mal daran erinnern, wie Fest mit Albert Speer zusammen gearbeitet habe. Woraufhin ich meinte, und Hannah Arendt sei eben Adolf Eichmann auf den Leim gegangen.
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Max Otte kandidiert für die Bundespräsidentschaft. Sieht für mich aus nach ungeschickt durchgezogen: Er hätte sich von der Werte-Union nominieren und von der AfD wählen lassen können. Jetzt hat ihn die AfD gesetzt, und damit wäre das eindeutig parteischädigend.