Brexit - das Phantom

Dieses Thema im Forum "Politik- und Geschichtsforum" wurde erstellt von Mendelssohn, 3 Mai 2017.

  1. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Achwas. Sowas ruckelt sich zurecht in ein, zwei, drei Jahren. Einige Bauernhöfe werden das nicht durchstehen.

    Sowas hier ist spannend, der BMW-/Rover-Mini, in Oxford zusammenmontiert:

    Möllhoff ist Leiter der Logistik im zu BMW gehörenden Werk. Sein Problem: Automobilproduktion ist wie ein Bausatz. Möllhoff zählt auf: Die Rücklichter für den Mini werden aus Spanien geliefert, die Bremslichter aus Polen, die Sicherheitsgurte aus Rumänien, die Räder aus Deutschland, der Schalthebel aus Ungarn, die Kurbelwelle aus Frankreich. Er könnte so weitermachen. Der Kühlergrill, die Sitze, die Auspuffrohre. Geliefert wird just in time, das heißt, in Oxford wird wenig auf Lager gehalten. Die meisten Teile erreichen das Werk erst, kurz bevor sie gebraucht werden.

    All das liegt am Geld. Der Preisdruck in der Automobilbranche ist enorm. Bei jeder Schraube wird gespart. Jedes Teil wird dort gefertigt, wo es am günstigsten ist, und dann zur Montage geliefert. Weil auch die Lagerhallen Geld kosten, versucht man, so weit wie möglich darauf zu verzichten – das Lager für Teile und Autos sind die Lastwagen, auf denen sie von einem Ort zum anderen gefahren werden.
    Insgesamt wird ein Mini aus rund 3.000 Teilen zusammengebaut – mehr als die Hälfte davon kommt aus der Europäischen Union.

    Die Kurbelwelle. Ein gegossenes Stück Eisen, etwa 40 Zentimeter lang, mehrere Kilo schwer. Sie ist das Herzstück eines jeden Verbrennungsmotors und wandelt das Auf und Ab der Kolben in Drehbewegungen um. Ohne sie fährt kein Benziner oder Diesel. Ihr Prinzip ist so alt wie das Automobil selbst.

    Gegossen wird die Kurbelwelle aus hochfestem Stahl in Nogent im Nordosten Frankreichs. Wenn sie dort aus der Fabrik kommt, ist sie noch nicht fertig. Weiterverarbeitet wird sie im BMW-Werk in Hams Hall in der englischen Grafschaft Warwickshire nahe Birmingham.

    Von Nogent bis Hams Hall sind es 878 Kilometer. Der Lastwagen, der Kisten voller Kurbelwellen von Frankreich nach England transportiert, ist gleichzeitig Warenlager und Fließband. Er verbindet zwei Fabriken im System Mini. Die Grenze überquert er am Terminal des Eurotunnels, bislang fallen dort keine Zollformalitäten an. Die Abfertigung am Terminal in Coquelles in Frankreich dauert wenige Minuten, dann steuert der Fahrer den Lastwagen auf einen Zug. Eine halbe Stunde später ist er auf der anderen Seite in Folkestone, kurz darauf schon auf der Autobahn M 20 Richtung Norden.

    In Hams Hall wird die Kurbelwelle gedrillt, geschliffen und gefräst. Danach wird sie wieder auf einen Lastwagen verladen. Wieder geht es durch den Eurotunnel. Diesmal ins BMW-Motorenwerk in Steyr in Österreich, 1.540 Kilometer entfernt. Dort wird sie in den Dieselmotor für den Mini eingebaut. Die fertigen Motoren kommen dann wieder auf einen Lastwagen. Wieder Autobahn, Eurotunnel, Autobahn. 1.432 Kilometer bis zum Werk in Oxford. Dann schließlich, in Halle 50, Linie 8, werden sie eingesetzt. "Engine Marriage" steht über der Station in der Halle, Motorenhochzeit. Bis ein fertiger Mini auf dem Kontinent verkauft werden kann, hat die Kurbelwelle viermal den Ärmelkanal überquert.

    Was, wenn die Abfertigung am Eurotunnel in Zukunft doppelt so lange dauert, weil jeder Lastwagen bei der Einreise nach Großbritannien eine Zollerklärung abgeben muss? Wie lange wird dann der Rückstau auf französischer und britischer Seite? Die britische Regierung prüft, ob sie die Autobahn M 26 in der Grafschaft Kent in einen Parkplatz umwandeln kann, wenn es am Eurotunnel nicht weitergeht.

    Wenn die Briten nicht mehr im Binnenmarkt sind, gelten die Regeln der Welthandelsorganisation. Die legen fest, dass Autos von außerhalb der EU mit einem Einfuhrzoll von zehn Prozent belegt werden. Für Autoteile werden in beide Richtungen zwischen 2 und 4,5 Prozent fällig, das betrifft auch die Kurbelwelle, die so oft die Grenze überquert.

     
  2. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    „Ich denke manchmal darüber nach, wie der besondere Platz in der Hölle für jene aussieht, die den Brexit vorangetrieben haben, ohne auch nur die Skizze eines Plans zu haben, ihn sicher über die Bühne zu bringen.“

    Donald Tusk
     
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  3. alterali
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    alterali Well-Known Member

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    In Europa gibt es generell Zuviel Agrar.
    Und die Produktion von Autoteilen werden demnächst zum großen Teil durch 3D Drucker erledigt.
    Wer die Lagerhaltung durch just-in-time einsparen will, hat später das Auto auf Halde und Rückrufe ohne Ende.
     
  4. Berfin1980
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    Berfin1980 Well-Known Member

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    Es ist ein Drama

    Keine Candys und die rettenden Idee blieb auch aus. :confused: also ihre reise wütigen macht euch auf die Socken. ;)

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    Was für Ideen will man da eigentlich? Sie hätten mal Kündigungsschutzklage einreichen sollen, fristgerecht natürlich. :cool:
     
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  5. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Ich vermute immer noch, dass die einzige Lösung ein Aufschub sein wird. Und dann ein weiterer Aufschub bis nach der Europawahl. Danach wird man dann sehen, wie die Mehrheit in Britannien ist.
    Alles natürlich nicht fristgerecht, aber irgendwie pragmatisch.
    Vielleicht kommt ein Brexit dabei raus, der gar kein Brexit ist im strengen Sinn, so dass sich die Briten überlegen könnten, es auch so zu belassen wie es ist. Natürlich wäre es ein Gesichtsverlust für Anti-Europäer, aber GB insgesamt hätte bei vielen an neuem Ansehen gewonnen.
     
  6. Bintje
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    Bintje Well-Known Member

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    Sorry, aber die Lösung fände ich nun gar nicht pragmatisch. Würde bedeuten, dass sie sich tatsächlich an der EU-Wahl beteiligen müssten und sehr wahrscheinlich (Interims-)Abgeordnete nach Brüssel schicken würden, die nichts Eiligeres zu tun hätten, als sich den sonstigen EU-Gegnern in die Arme zu werfen. Schönen Dank auch!

    Nee, wenn alles so bleibt, wie es ist und May nicht um Verlängerung bittet, was sie ohne mehrheitliches Mandat des Parlaments nicht tun wird, ist Ende März laut Art 50 (3) des EU-Vertrags wirklich Schicht im Schacht. Dann schlittern die in den harten Brexit hinein. Andernfalls bricht die EU ihre eigenen Bestimmungen und macht sich zur Lachnummer.
     
  7. EnRetard
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    EnRetard Well-Known Member

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    Wenn der ungeregelte Brexit kommt, hat die EU den ganz schwarzen Peter, denn Leo Varadkar hat ganz klar gemacht, dass er nicht gedenkt, Zollhäuschen zu errichten. Dann müsste die EU das irgendwie gegen Irlands Willen zu erzwingen, was ebenso wenig klappen würde wie Orbán zur Aufnahme von einem einzigen Muslimflüchtling zu zwingen. Und selbst wenn, wäre die EU und nicht May oder Arlene Foster schuld am Aufflammen des IRA-Terrors.
     
  8. EnRetard
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    EnRetard Well-Known Member

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    Heute haben sieben Abgeordnete die Labour Partei verlassen. Sie sind unzufrieden mit dem Brexit-Kurs von Jeremy Corbyn, klagen aber auch über andere Entwicklungen in der Parteiführung, zum Beispiel fehlende Distanzierung von als antisemitisch empfundenen Äußerungen.
    http://www.spiegel.de/politik/ausla...us-protest-gegen-jeremy-corbyn-a-1253784.html
    Die Erklärung der Abgeordneten, allesamt Corbygegner von Anfang an, unter ihnen auch prominentere wie Chuka Umunna und Angela Smith ist hier.
    Es ist schon die Rede davon, dass die 7 unter Führung von Umunna zusammen mit den Lib Dems und Pro-EU-Tories eine neue EU-freundliche zentristische Partei gründen könnten.
     
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  9. santiago
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    Hoffe ja nicht, dass es wegen dem BREXIT noch zu einem (Bürger)- Krieg kommen wird...die Stimmung innerhalb GB und Irland sind recht emotional.
    In Brüssel reiben sich dann bestimmt einige Politiker die Hände.
    Wurde den die EU nicht ursprünglich gegründet um Kriege zu verhindern in Europa ?
    Weiss nicht mehr wer mal gesagt hat: Wenn alle von Frieden sprechen, gibt es Krieg !
    Hoffe die Vernunft wird walten.
     
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  10. alterali
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    alterali Well-Known Member

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    Die Eu mit Juncker als Lautsprecher ist eine Lachnummer.
     
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