Alubehütet
Well-Known Member
Achwas. Sowas ruckelt sich zurecht in ein, zwei, drei Jahren. Einige Bauernhöfe werden das nicht durchstehen.
Sowas hier ist spannend, der BMW-/Rover-Mini, in Oxford zusammenmontiert:
Sowas hier ist spannend, der BMW-/Rover-Mini, in Oxford zusammenmontiert:
Möllhoff ist Leiter der Logistik im zu BMW gehörenden Werk. Sein Problem: Automobilproduktion ist wie ein Bausatz. Möllhoff zählt auf: Die Rücklichter für den Mini werden aus Spanien geliefert, die Bremslichter aus Polen, die Sicherheitsgurte aus Rumänien, die Räder aus Deutschland, der Schalthebel aus Ungarn, die Kurbelwelle aus Frankreich. Er könnte so weitermachen. Der Kühlergrill, die Sitze, die Auspuffrohre. Geliefert wird just in time, das heißt, in Oxford wird wenig auf Lager gehalten. Die meisten Teile erreichen das Werk erst, kurz bevor sie gebraucht werden.
All das liegt am Geld. Der Preisdruck in der Automobilbranche ist enorm. Bei jeder Schraube wird gespart. Jedes Teil wird dort gefertigt, wo es am günstigsten ist, und dann zur Montage geliefert. Weil auch die Lagerhallen Geld kosten, versucht man, so weit wie möglich darauf zu verzichten – das Lager für Teile und Autos sind die Lastwagen, auf denen sie von einem Ort zum anderen gefahren werden.
Insgesamt wird ein Mini aus rund 3.000 Teilen zusammengebaut – mehr als die Hälfte davon kommt aus der Europäischen Union.
Die Kurbelwelle. Ein gegossenes Stück Eisen, etwa 40 Zentimeter lang, mehrere Kilo schwer. Sie ist das Herzstück eines jeden Verbrennungsmotors und wandelt das Auf und Ab der Kolben in Drehbewegungen um. Ohne sie fährt kein Benziner oder Diesel. Ihr Prinzip ist so alt wie das Automobil selbst.
Gegossen wird die Kurbelwelle aus hochfestem Stahl in Nogent im Nordosten Frankreichs. Wenn sie dort aus der Fabrik kommt, ist sie noch nicht fertig. Weiterverarbeitet wird sie im BMW-Werk in Hams Hall in der englischen Grafschaft Warwickshire nahe Birmingham.
Von Nogent bis Hams Hall sind es 878 Kilometer. Der Lastwagen, der Kisten voller Kurbelwellen von Frankreich nach England transportiert, ist gleichzeitig Warenlager und Fließband. Er verbindet zwei Fabriken im System Mini. Die Grenze überquert er am Terminal des Eurotunnels, bislang fallen dort keine Zollformalitäten an. Die Abfertigung am Terminal in Coquelles in Frankreich dauert wenige Minuten, dann steuert der Fahrer den Lastwagen auf einen Zug. Eine halbe Stunde später ist er auf der anderen Seite in Folkestone, kurz darauf schon auf der Autobahn M 20 Richtung Norden.
In Hams Hall wird die Kurbelwelle gedrillt, geschliffen und gefräst. Danach wird sie wieder auf einen Lastwagen verladen. Wieder geht es durch den Eurotunnel. Diesmal ins BMW-Motorenwerk in Steyr in Österreich, 1.540 Kilometer entfernt. Dort wird sie in den Dieselmotor für den Mini eingebaut. Die fertigen Motoren kommen dann wieder auf einen Lastwagen. Wieder Autobahn, Eurotunnel, Autobahn. 1.432 Kilometer bis zum Werk in Oxford. Dann schließlich, in Halle 50, Linie 8, werden sie eingesetzt. "Engine Marriage" steht über der Station in der Halle, Motorenhochzeit. Bis ein fertiger Mini auf dem Kontinent verkauft werden kann, hat die Kurbelwelle viermal den Ärmelkanal überquert.
Was, wenn die Abfertigung am Eurotunnel in Zukunft doppelt so lange dauert, weil jeder Lastwagen bei der Einreise nach Großbritannien eine Zollerklärung abgeben muss? Wie lange wird dann der Rückstau auf französischer und britischer Seite? Die britische Regierung prüft, ob sie die Autobahn M 26 in der Grafschaft Kent in einen Parkplatz umwandeln kann, wenn es am Eurotunnel nicht weitergeht.
Wenn die Briten nicht mehr im Binnenmarkt sind, gelten die Regeln der Welthandelsorganisation. Die legen fest, dass Autos von außerhalb der EU mit einem Einfuhrzoll von zehn Prozent belegt werden. Für Autoteile werden in beide Richtungen zwischen 2 und 4,5 Prozent fällig, das betrifft auch die Kurbelwelle, die so oft die Grenze überquert.
All das liegt am Geld. Der Preisdruck in der Automobilbranche ist enorm. Bei jeder Schraube wird gespart. Jedes Teil wird dort gefertigt, wo es am günstigsten ist, und dann zur Montage geliefert. Weil auch die Lagerhallen Geld kosten, versucht man, so weit wie möglich darauf zu verzichten – das Lager für Teile und Autos sind die Lastwagen, auf denen sie von einem Ort zum anderen gefahren werden.
Insgesamt wird ein Mini aus rund 3.000 Teilen zusammengebaut – mehr als die Hälfte davon kommt aus der Europäischen Union.
Die Kurbelwelle. Ein gegossenes Stück Eisen, etwa 40 Zentimeter lang, mehrere Kilo schwer. Sie ist das Herzstück eines jeden Verbrennungsmotors und wandelt das Auf und Ab der Kolben in Drehbewegungen um. Ohne sie fährt kein Benziner oder Diesel. Ihr Prinzip ist so alt wie das Automobil selbst.
Gegossen wird die Kurbelwelle aus hochfestem Stahl in Nogent im Nordosten Frankreichs. Wenn sie dort aus der Fabrik kommt, ist sie noch nicht fertig. Weiterverarbeitet wird sie im BMW-Werk in Hams Hall in der englischen Grafschaft Warwickshire nahe Birmingham.
Von Nogent bis Hams Hall sind es 878 Kilometer. Der Lastwagen, der Kisten voller Kurbelwellen von Frankreich nach England transportiert, ist gleichzeitig Warenlager und Fließband. Er verbindet zwei Fabriken im System Mini. Die Grenze überquert er am Terminal des Eurotunnels, bislang fallen dort keine Zollformalitäten an. Die Abfertigung am Terminal in Coquelles in Frankreich dauert wenige Minuten, dann steuert der Fahrer den Lastwagen auf einen Zug. Eine halbe Stunde später ist er auf der anderen Seite in Folkestone, kurz darauf schon auf der Autobahn M 20 Richtung Norden.
In Hams Hall wird die Kurbelwelle gedrillt, geschliffen und gefräst. Danach wird sie wieder auf einen Lastwagen verladen. Wieder geht es durch den Eurotunnel. Diesmal ins BMW-Motorenwerk in Steyr in Österreich, 1.540 Kilometer entfernt. Dort wird sie in den Dieselmotor für den Mini eingebaut. Die fertigen Motoren kommen dann wieder auf einen Lastwagen. Wieder Autobahn, Eurotunnel, Autobahn. 1.432 Kilometer bis zum Werk in Oxford. Dann schließlich, in Halle 50, Linie 8, werden sie eingesetzt. "Engine Marriage" steht über der Station in der Halle, Motorenhochzeit. Bis ein fertiger Mini auf dem Kontinent verkauft werden kann, hat die Kurbelwelle viermal den Ärmelkanal überquert.
Was, wenn die Abfertigung am Eurotunnel in Zukunft doppelt so lange dauert, weil jeder Lastwagen bei der Einreise nach Großbritannien eine Zollerklärung abgeben muss? Wie lange wird dann der Rückstau auf französischer und britischer Seite? Die britische Regierung prüft, ob sie die Autobahn M 26 in der Grafschaft Kent in einen Parkplatz umwandeln kann, wenn es am Eurotunnel nicht weitergeht.
Wenn die Briten nicht mehr im Binnenmarkt sind, gelten die Regeln der Welthandelsorganisation. Die legen fest, dass Autos von außerhalb der EU mit einem Einfuhrzoll von zehn Prozent belegt werden. Für Autoteile werden in beide Richtungen zwischen 2 und 4,5 Prozent fällig, das betrifft auch die Kurbelwelle, die so oft die Grenze überquert.