Neues Organspende-Gesetz

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von CrazyWoman, 25 Mai 2012.

  1. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    Muss ich da eigentlich als einzige unwillkürlich an die günstige und unzuverlässige Tötungsmethode Bolzenschussgerät denken?
    Rein persönliche OT Frage...
     
  2. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Auch in der Taz ist gerade ein sehr kritischer Essay erschienen.

    Vergegenwärtigen wir uns das Prozedere einer Explantation: Vom Brust- bis zum Schambein wird der Spender mit Schneideinstrumenten geöffnet. Bevor die Organe herausgeschnitten werden, durchspült man sie mit einer Nähr- und Kühllösung, um ihre Verwesung zu unterbinden. Wenn die eiskalte Flüssigkeit in den Patienten dringt, kann er mit Schwitzen, Hautrötungen, dem Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz reagieren. „Um diese“, sonst als Indiz für eine Schmerzempfindung geltenden „Reaktionen zu mildern“, so räumen Transplantationsmediziner ein, „werden bei einer Organentnahme oft in geringen Dosen Schmerzmittel (Opioide) und muskelentspannende Pharmaka gegeben.“ Laut offiziellen Angaben sind bis zu 75 Prozent aller Hirntoten in der Lage, auf die Explantation unter anderem mit Hochziehen der Schulter oder Spreizen der Finger zu reagieren. Nach der Organgewinnung und der Verwandlung des Patienten in eine Leiche kann die nicht unter dem Handelsverbot stehende Gewebeentnahme beginnen.
    Reflexe funktionieren ja nicht alle über das Gehirn. Schon über die Wirbelsäule.
     
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  3. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    Das "sonst" ist nicht so zu verstehen, dass diese Reaktionen beim Spender ignoriert werden "sonst" liegen Lebende unter dem Messer und sind narkotisiert. Kommt es dann zu so einer Reaktion ist das ein Indiz für unzureichende/falsche Narkose.

    Wer findet, dass das alles brutal klingt, sollte sich vielleicht einmal durchlesen wie so eine gespendete Lunge bspw bei einem Lebenden wieder eingesetzt wird. Auch bei derartigen grossen OPs wird der Brustkorb geöffnet und mit Spreizern die beiden Seiten auseinander gehalten. Ich finde jegliche OPs lesen sich wie beim Metzger. Besonders wenn man die Instrumente dazu vor Augen hat. Nur liest sich sowas niemand durch.
    Bei der Organentnahme hingegen schon. :confused:
    Auch die kalte Flüssigkeit liest sich wie Kphlflüssigkeit beim Kühlschrank oder Frankensteins Lebenselixier - aber wenn es nun einmal die beste Möglichkeit ist die Organe so lange wie nur irgendwie möglich transplantierbar zu halten? Soll man dann lieber das lauwarme Blut darin gerinnen lassen, nur weil es sich für uns Laien erstmal weniger grausig liest!?
     
  4. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    Die Organe werden vom Empfänger sicher auch besser angenommen, wenn sie nicht noch zusätzlich voller halbgeronnenem Fremdblut sind das schon langsam vor sich hin verrottet, wie das umgebende Organ dann ja auch schneller verrottet (das ist was Zeile von Organismen nach dem Tod eben tun)
     
  5. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Die Diskussion ist vergleichbar mit der Abtreibungsfrage und doch natürlich völlig anders.

    Ist der Zellklumpen, der abgetrieben wird, schon menschliches Leben? Der noch nichts fühlt, kein Bewußtseingang hat, auch wenn er schon erste Reaktionen zeigt?

    Ist dieser teilweise noch lebendige Biohaufen böse gesagt Sondermüll, der teilweise recycelt werden darf, und sogar sollte?

    Wann hört menschliches Leben auf; wenn das Bewußtsein, auch ein nur noch traumhaft-dämmerndes, nur noch komatöses Bewußtsein irreversibel vergangen ist?

    Wann ist der Mensch ein Mensch, wann ist er mehr als ein Tier, als Organismus; kann, ja muß man einem Menschen ab irgend einen Punkt sein Menschsein absprechen? Normal Fragen für Profis; für die, die in Grenzbereichen arbeiten, in der Pflege. Wann stelle ich medizinische Hilfeleistungen ein, weil sie nur noch Quälerei sind? Bei der Organspende aber betrifft sie auf einmal jedem: Als Spender oder Angehöriger, oder als potentieller Empfänger.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5 Dezember 2018
  6. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    Deswegen nimmt man sowohl bei der Schwangerschaft als auch bei der Organspende die bestmögliche medizinische Begründung herangezogen um eine rechtliche Grundlage zu schaffen.
    (Hirntod liegt da mit der Wahrscheinlichkeit auf einer sehr sehr sicheren Seite, weswegen Narkosen eher für das OPteam und die Gefühle der Angehörigen sind, als für den Spender)
    Alles weitere liegt dann einzig in der Entscheidung des Betroffenen (im Falle der Abtreibung natürlich beim betroffenen Wirtsorganismus).
    Jede andere Regelung ist moralisch nicht haltbar.


    Wenn man übrigens Geschichten von Frauen liest, die ihren Embryo aufgrund einer eher wackligen Begründung entschieden haben (zu jung, medizinische Diagnose usw) kann man auch bei dem Thema schnell feststellen:
    Die Seite der Medizin informiert zu sachlich.
    Die Seite der Gegner zu oberflächlich reisserisch.

    Denn der wahre Schmerz der Erfahrung einer im nachhinein als Fehler empfundenen Abtreibung, liegt dann doch woanders...


    Darum ist meine Position bei dieser "Diskussion":
    Informiert euch selbstständig und umfangreich von allen Seiten die ihr finden könnt - versucht erst die wissenschaftliche Seite zu verstehen und dann die von Betroffenen und wenn's sein muss auch die subjektiven Meinungen von Gegnern, die oft nicht gut fundiert argumentieren, sondern mit effektvollen Argumenten (man möge die sich immer als die krassen Abtreibungsgegner vorstellen, die Frauen vor Abtreibungskliniken als Huren und Mörder beschimpfen).


    Ich hab mal ein Video gesehen von einer Krankenschwester, die schaurige Geschichten erzählt von ihren Erfahrungen bei einer (!! 1/1!) Organentnahme. Das einzige was ich daraus gelernt hab:
    Man kann schreibar mit erschreckend wenig medizinischem Wissen/Verständnis Krankenschwester sein. Der fehlten so krass jegliche Grundlagen der Biologie, dass es mir weh tat ihr zuzuhören. (Ob sie überhaupt echte Krankenschwester war oder nur irgendein Gegner weiss ich allerdings auch nicht, aber sowas unfundiertes reisserisches findet man eben schneller und leichter als wirklich fundierte Erfahrungen, die jeweils sachlich das für und wider dalegen ohne wichtige Fakten (bewusst) zu verschweigen
     
    Zuletzt bearbeitet: 5 Dezember 2018
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  7. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Bin da anderer Meinung. Es ist besser nicht so genau Bescheid zu wissen wie eine Organentnahme funktioniert, sonst wird man leicht schwankend ob man das will. Ich bin sicher, hätte ich einen so schweren Unfall das ich für Tot erklärt werde, dann hätte ich mit den Folgen eines solchen Unfalls sowieso nicht leben wollen. Ich bleibe also dabei.
     
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  8. Berfin1980
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    Berfin1980 Well-Known Member

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    Es gibt sogar Empfänger die das in diversen Artiklen der Organspende Gegner gelesen haben.

    Fakt ist man kann dazu nachfragen und erhält auch eine entsprechende Antwort, egal ob Empfänger oder Spender.

    Hier wird so getan als ob der Spender vor der Entnahme noch über den Krankenhausflur lief und vor der Entnahme dann leicht sediert in den OP geschoben wird.

    Dem ist, Stand "informant aus erster Hand" nicht so, der Organspender liegt meisten in einem Koma, also einer Langzeitnarkose.

    Diese herunter zu fahren bedeutet unheimlichen Stress, was man weiß, hatte man Koma Patienten im Umfeld. Deswegen wird dies dort auch schleichend gemacht um das auszuschließen. Uns wurde erklärt es ist ach Bestandteil im Vorfeld einer Untersuchung auf Hirntod.

    Alles andere wäre auch aus rein ethischen Gründen nicht vertretbar, teilt uns ein Informant mit.

    Mein Leichnam kommt mal in die Pathologie und nein was die da an Sägen und Macheten einsetzen will ich gar nicht wissen.

    Verdammt und zugenäht nochmal dann, macht doch von eurem Veto Recht Gebrauch und gut ist es. Es gibt auch ohne das neu angekündigte Gesetz Möglichkeiten dagegen zu votieren. Aber da muss man ja seinen Arsch dazu hochkriegen und das ist die Hoffnung derer die diese Gesetz auf den Weg bringen wollen.

    Ist das jetzt OT wenn ich danach frage was ein Vegetarier oder Veganer macht mit Organen von Schweinen, die ja gut zum Menschen passen sollen?
     
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  9. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Grade heute morgen gelesen das ein Schimpanse bereits ein halbes Jahr mit einem Schweineherzen lebt. So weit ist es also garnicht mehr entfernt.
     
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  10. Berfin1980
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    Berfin1980 Well-Known Member

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    Ein Pavian lebt seit einem halben Jahr mit einem Schweineherz.

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    Aber ich muss dazu sagen das ich mit diesen Tierversuchen nicht einverstanden bin.
     
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