Spiegelgate

Berfin1980

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19 Juni 2015
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Thomas Assheuer von der Zeit hat dazu was geschrieben, was ich nicht schlecht finde.

Man kann sich an fünf Fingern abzählen, welche Hohn- und Hämespuren die neue Spiegel- Affäre in den politischen Lagern hinterlassen wird. Die völkische Rechte schreit nun erst recht "Lügenpresse"; die Linken werden sagen, dass die Systempresse keine Nachrichten verbreitet, sondern gefühlte Wirklichkeiten für den betreuten Leser. Anstatt Machtstrukturen zu analysieren (oder vor dem nächsten Finanzcrash zu warnen), theatralisiert sie die Wirklichkeit. In der Gesellschaft des Spektakels sind Medien die Agenten der Entpolitisierung.

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Mendelssohn

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17 Januar 2016
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Lassen wir mal die Geschichte und die Nazis beiseite. Was löste diesen Vorwurf aus und warum haben sich die Medien selbstreflektierend mit diesem Vorwurf befasst.
Was löste den Vorwurf der "Lügenpresse" aus? Wenn ich mich recht erinnere, waren es die friedlichen und besorgten Spaziergänger, die jene Filmaufnahmen, Fotos und Berichte über die Pegida-Aufmärsche als falsch bezeichneten, die sie als weniger friedliebend darstellten. Da nicht nur einzelne Medien, sondern der gesamte Medienmarkt mit Ausnahme der unter Beobachtung stehenden rechtsextremen Publikationsorgane den Spaziergängern ihre pazifistische Haltung aus guten Gründen nicht abnahmen, wurde schnell von einem organisierten Lügenkartell gesprochen, wahlweise in den Diensten der "Flüchtlingskanzlerin", des internationalen Finanzkapitals oder der linksgrün versifften Oberschichtgrünen. Welche Rolle bei dem ganzen Aufruhr die russischen Bots gespielt haben, muss noch erarbeitet werden. Da sind sie in den USA schon etwas weiter.
"Lügenpresse" wurde von Pegida ins Spiel gebracht und vermarktet. Ein alter Propagandatrick aus der Welt der Kriegsführung und des Sports: Angriff ist die beste Verteidigung.
 
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Mendelssohn

Well-Known Member
17 Januar 2016
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Da vergisst du Portale wie Uebermedien, Bildblog und Correktiv (letztere förderten u.a. die #Meetoo-Affäre beim WDR zutage). Die sind in punkto Medienkritik m.E. inzwischen erheblich fitter, bei anderen Themen teilweise auch.
Der erste Teil deines Beitrags entspricht mehr oder weniger meiner Einschätzung der Lage.
Correctiv ist ein ganz interessantes Portal, nämlich zum Teil aus Bundesmitteln finanziert, also zum Teil öffentlich rechtlich und damit Teil der von den Rechten angeprangerten "Lügenpresse"):
Getragen wird Correctiv als eine Non-Profit-Organisation durch Mitgliedsbeiträge, private Spenden und Zuwendungen von Stiftungen und ist damit unabhängig von Anzeigen- und Verkaufserlösen. Förderer von Correctiv sind neben der Brost-Stiftung (Initialförderer mit 3Mio € für die ersten 3 Jahre) u. a. die Rudolf Augstein Stiftung, die Bundeszentrale für politische Bildung und Google (2016: 26.884 Euro).[9][10] Alle Geldgeber, die dem Büro mehr als 1000 Euro zukommen lassen, werden namentlich auf der Website ausgewiesen.[11] Nach einem Bericht des Handelsblatts erhielt Correctiv 2017 eine Spende der Open Society Foundations des US-Milliardärs George Soros von über 100.000 €. Gefördert werden soll der Kampf gegen sogenannte Fake News.
https://de.wikipedia.org/wiki/Correctiv

Wenn ich mir das Finanzvolumen des Portals anschaue, wird es mit den großen Zeitungsverlagen nicht mithalten können. Abmahnungen können nicht aus der Portokasse bezahlt werden. Online Portale stehen nicht weniger unter Druck als Printmedien und dürften in Relation zu den Festangestellten noch mehr auf die Arbeit freiberuflicher Journalisten angewiesen sein.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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Julia Karnick, Autorin und ehemals langjährige Kolumnistin bei "Brigitte", brachte dieser Tage ein ganz anderes Thema aufs Tapet - und trifft damit meines Erachtens ins Schwarze:
Warum, fragt sie, sollen eigentlich ausgerechnet die beiden hauptamtlichen Förderer von Claas R. zum 1. Januar 2019 in die "Spiegel"-Chefredaktion aufsteigen?

https://julia-karnick.de/warum-mich...VchuRiKyFYNZRDwgZMiV-nvjOpqtDBybrh0bbqhBx62fs (...)

Die designierten Spiegel-Chefs lassen ihre Verträge bis zur Klärung der Affäre offenbar vorerst ruhen. Das berichtet u.a. die "Welt".

https://www.welt.de/kultur/medien/a...rsonelle-Konsequenzen-nach-Fall-Relotius.html

Und Claas R. hat sich seit Bekanntwerden der Affäre erstmals geäußert. Er teilte durch seinen Anwalt unter anderem mit, dass er die eingesammelten Spenden an die Diakonie weitergeleitet habe.

"Zu keinem Zeitpunkt hat er jedoch beabsichtigt, Spenden selbst zu vereinnahmen. Eine solche Verwendung ist auch nie erfolgt", teilte die Anwaltskanzlei mit. Tatsächlich habe ihr Mandant den bis dahin auf seinem Konto eingegangenen Spendenbetrag von insgesamt 7000 Euro aus eigenen Mitteln auf 9000 Euro aufgestockt und im Oktober 2016 an die Diakonie Katastrophenhilfe für ein Projekt zur Unterstützung von kriegsflüchtigen Kindern im Irak überwiesen.

https://www.sueddeutsche.de/medien/relotius-spiegel-spenden-1.4267914

Die Diakonie hat den Eingang des Geldes zwischenzeitlich bestätigt, so die SZ. Die Spende sei "zeitnah" für ein Gemeindezentrum in Nordirak verwendet worden, das sich um Flüchtlingskinder Syrien und Irak kümmere. Wenigstens das!
 

alterali

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19 April 2007
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mittenmang
Was löste den Vorwurf der "Lügenpresse" aus? Wenn ich mich recht erinnere, waren es die friedlichen und besorgten Spaziergänger, die jene Filmaufnahmen, Fotos und Berichte über die Pegida-Aufmärsche als falsch bezeichneten, die sie als weniger friedliebend darstellten. Da nicht nur einzelne Medien, sondern der gesamte Medienmarkt mit Ausnahme der unter Beobachtung stehenden rechtsextremen Publikationsorgane den Spaziergängern ihre pazifistische Haltung aus guten Gründen nicht abnahmen, wurde schnell von einem organisierten Lügenkartell gesprochen, wahlweise in den Diensten der "Flüchtlingskanzlerin", des internationalen Finanzkapitals oder der linksgrün versifften Oberschichtgrünen. Welche Rolle bei dem ganzen Aufruhr die russischen Bots gespielt haben, muss noch erarbeitet werden. Da sind sie in den USA schon etwas weiter.
"Lügenpresse" wurde von Pegida ins Spiel gebracht und vermarktet. Ein alter Propagandatrick aus der Welt der Kriegsführung und des Sports: Angriff ist die beste Verteidigung.
Das letzte zu erst:
https://www.stern.de/kultur/tv/mais...-werden-fakten-bewusst-verdreht--7219500.html
Sandra Maischberger zitierte zur Berichterstattung über die Flüchtlinge in Deutschland eine Studie der Hamburg Media School, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Medien darüber überwiegend positiv berichtet hätten. Medienwissenschaftler Gerhard Vowe bestätigte, das sei auch nach seiner Wahrnehmung bis September 2015 so gewesen.
Es habe tatsächlich einen Konsens der Medien in dieser Frage gegeben. "Die Vorstellung, da habe jemand im Hintergrund die Fäden gezogen und die Medien wie Marionetten gesteuert, sei aber abstrus."
 

sommersonne

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19 März 2017
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Leipzig
Das letzte zu erst:
https://www.stern.de/kultur/tv/mais...-werden-fakten-bewusst-verdreht--7219500.html
Sandra Maischberger zitierte zur Berichterstattung über die Flüchtlinge in Deutschland eine Studie der Hamburg Media School, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Medien darüber überwiegend positiv berichtet hätten. Medienwissenschaftler Gerhard Vowe bestätigte, das sei auch nach seiner Wahrnehmung bis September 2015 so gewesen.
Es habe tatsächlich einen Konsens der Medien in dieser Frage gegeben. "Die Vorstellung, da habe jemand im Hintergrund die Fäden gezogen und die Medien wie Marionetten gesteuert, sei aber abstrus."
Da widerspricht er sich aber selbst. Ich denke auch das da im Hintergrund Fäden gezogen wurden. Seit die regierenden Parteien, vornehmlich die CSU, die Geister die sie rief, unbedingt wieder los werden wollen um Wählerstimmen zu retten, hat sich auch die Berichterstattung wieder geändert. (Ist jedenfalls mein Eindruck)
 

EnRetard

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19 Februar 2017
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Ich sehe keine politisch gesteuerte, sondern eine populistische Kampagne hinter dem Schwenk der Medien, namentlich der WDR-dominierten ARD bei den Themen Flucht, Islam, deutsche Identität etc. In mindestens 3 der 4 vom WDR verantworteten Talk-Shows (Hart aber fair, Maischberger, Presseclub; bei Anne Will weniger) wird keine Gelegenheit ausgelassen, zu dramatisieren, zuzuspitzen, auf notgeile Musels vergewaltigen unschuldige deutsche Mädels und fahren Weihnachstsmarktbesucher tot zu verengen. Nicht zufällig ist WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn auch das Gesicht der Meinungsmacheumfrage - Abteilung der ARD.
Das halte ich aber nicht für aus Berlin oder Düsseldorf bestellt, sondern für eine Folge der Jagd nach Quote. Zudem wird der Öffi-Zwangsbeitrag zunehmend in Frage gestellt, und wenn man den lautesten Wir-sind-das-Völk-Schreihälsen nach dem Geifermaul redet, steigt vielleicht die Akzeptanz für die Abgabe.
 

alterali

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19 April 2007
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mittenmang
Da widerspricht er sich aber selbst. Ich denke auch das da im Hintergrund Fäden gezogen wurden. Seit die regierenden Parteien, vornehmlich die CSU, die Geister die sie rief, unbedingt wieder los werden wollen um Wählerstimmen zu retten, hat sich auch die Berichterstattung wieder geändert. (Ist jedenfalls mein Eindruck)
Meines Erachtens wurden da keine Fäden gezogen.
Die Bevölkerung war euphorisiert. Eine Welle der Hilfsbereitschaft, da war die Presse dabei, auch die Politik.
Die kritischen Stimmen, die Nachdenklichen waren zu schwach. Wurden abgebügelt.
Da waren alle Syrer, selbst die Kleinkinder gut ausgebildet.

Die Presse/Medien haben in dieser kurzen Zeit ihre Glaubwürdigkeit verloren, obwohl auch immer (m.E.) korrekt berichtet wurde. Und die der deutsche Staat durchlitt eine Zeit des Kontrollverlustes.
 

sommersonne

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19 März 2017
18.573
17.616
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Leipzig
Meines Erachtens wurden da keine Fäden gezogen.
Die Bevölkerung war euphorisiert. Eine Welle der Hilfsbereitschaft, da war die Presse dabei, auch die Politik.
Die kritischen Stimmen, die Nachdenklichen waren zu schwach. Wurden abgebügelt.
Da waren alle Syrer, selbst die Kleinkinder gut ausgebildet.

Die Presse/Medien haben in dieser kurzen Zeit ihre Glaubwürdigkeit verloren, obwohl auch immer (m.E.) korrekt berichtet wurde. Und die der deutsche Staat durchlitt eine Zeit des Kontrollverlustes.
Ja, da kannst du auch Recht haben, leuchtet mir ein.